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Seitens der Bundeswehr begleitet Oberstabsfeldwebel Armin Fuhrmann das Kunstprojekt von Ruth Weber. Foto: t&w

Feldgerechte Kunstwerke für Lüneburger Aufklärer

Lüneburg. „Das geht mir tief ins Herz, das hat mich sehr berührt“, gesteht Oberstabsfeldwebel Armin Fuhrmann. In über 34 Jahren Dienstzeit habe er es nicht erlebt, dass sich jemand aus der Bevölkerung so engagiert bemüht, etwas für die Soldaten im Auslandeinsatz zu tun. Die Rede ist von der gebürtigen Österreicherin Ruth Weber, die ihrerseits kaum ein Auge zumachen kann, weil sie derzeit im Produktionsstress ist. Ihre Lüneburger Wohnung ist seit Monaten von der Küche bis zum Dachboden zu Atelier und Werkstatt geworden für das Projekt „Heimathafen“. Bis Montag sollen 160 kleine, individuelle Kunstwerke in „feldgerechter Größe“ fertig werden, die für die Lüneburger Aufklärer gedacht sind, die ihren Dienst über Weihnachten in Mali, in Afghanistan und im Kosovo leisten.

„Es erfüllt mich nicht, Kunst der Kunst wegen zu machen“, sagt die Illustratorin und Animatorin für Trickfilme, die seit drei Jahren in Lüneburg lebt. „Ich habe das Bedürfnis, etwas für andere Menschen zu machen, mir selber einen Platz zu verschaffen, in dem ich etwas für andere tue.“ Da traf es sich gut, als Weber und Fuhrmann sich im Februar im Rahmen der Flüchtlingshilfe begegneten. Sie sprach ihn darauf an, ob sie etwas tun könne, um den Lüneburger Soldaten ihren Dank auszusprechen.

Grüße aus dem Heimathafen 

Dank an Menschen, die sich für Sicherheit anderer einsetzen

Zu ihrer Motivation sagt Weber: „Schutz ist ein Thema für mein persönliches Leben und die Auseinandersetzung mit Ausnahmezuständen.“ Daraus habe sich das Bedürfnis entwickelt, Menschen ein Geschenk zu machen, die sich für die Sicherheit anderer einsetzen. „Damit will ich zeigen, dass ich mich für diese Menschen interessiere, dass ich sie wahrnehme und dass es mir nicht egal ist, in welche Situationen sie geschickt werden.“

Im Frühjahr stellten Künstlerin und Oberstabsfeldwebel das Kunstprojekt „Heimathafen“ der Bataillonsspitze vor: Jeder Soldat im Auslandseinsatz, vor allem in Mali, solle eine eigene, handmodellierte Mini-Tür erhalten. Sie verschließt einen kleinen Raum, der außen aus Gips wie ein Felsbrocken modelliert ist, „der Fels in der Brandung“, sagt Weber. Innen befindet sich etwas Vertrautes aus der Heimat, ein Heidezweig etwa, sowie das Hauptmotiv, das den Standort Lüneburg mit dem Symbol der Aufklärer vereint. Ihr Emblem ist in der Tradition der Kavallerie ein Reiter. Im Kunstwerk macht dieser Pause, das Pferd mit einer Blume im Maul vor der Kulisse des historischen Hafens am Stintmarkt: dem Heimathafen.

Wertschätzung für jeden Soldaten

Im Vergleich zum Prototyp sind die mehr als 160 individuell gestalteten Kunstwerke deutlich kompakter, „feldgerechter“, wie Weber selbst sagt. Die Herstellung einer Heimathafen-Tür dauert, inklusive Trocknungszeit, bis zu sechs Tage. Seit Juni gipst, malt und klebt die 40 Jahre alte Künstlerin. „Wenn ich nicht ein fleißiges Team sechs bis acht Helfern hätte, würde ich das nie schaffen.“ Unterstützt wird das Projekt zudem von mehr als einem Dutzend Sponsoren.

Fuhrmann sagt: „Jede Tür ist eine Wertschätzung für jeden Soldaten, der einen harten Einsatz in einem unbekannten Land macht.“ Nun hofft er, dass die Kunstwerke auch die gewünschte Wirkung bei den Soldaten haben: „Ich bin Realist, wir haben eine gesunde Fifty-Fifty-Chance.“ Aber: „Die Geste als solche wird aber jeden ansprechen.“
Am Montag holt die Bundeswehr die Kunstwerke ab, wird sie wenige Tage später über Köln per Luftfracht nach Westafrika bringen. Die letzte Strecke werden die Geschenke per Lkw durch die Wüste gefahren, damit sie rechtzeitig vor Weihnachten bei den Aufklärern in Mali eintreffen.