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Ab in den Stall. Von heute an gilt zum Schutz vor der Geflügelpest auch bei uns die kreisweite Stallpflicht. Hilke Hartmann und ihr Mann Jochen haben sich vorbereitet, nutzen Scheune und Partyzelte als Alternativ-Auslauf für die Hühner. Foto: t&w

Vogelgrippe: Geflügel bleibt von nun an im Stall

Rettmer/Köhlingen. Sonnabend, später Nachmittag, Jochen Hartmann steht auf einer Wiese vor seinem Hühnermobil und zieht am Ende einer großen weißen Plane. Seit ihn der Amtsveterinär informiert hat, dass am Montag landkreisweit die Stallpflicht in Kraft tritt, ist der Landwirt aus Rettmer im Dauereinsatz. Letzte Informationen einholen, Material kaufen, Details klären, alles aufbauen. Mit fünf mal zehn Meter großen Partyzelten will Hartmann seinen Hühnern die bevorstehende Zeit so erträglich wie möglich machen. „Zwar ersetzen die Zelte nicht den Freilauf“, sagt er, „aber die Hühner können immerhin noch den Stall verlassen, rumlaufen und im Gras picken.“

Jochen Hartmann baut vor einem seiner mobilen Hühnerställe ein Partyzelt auf. Eine Notlösung, um den Tieren trotz Stallpflicht Auslauf zu bieten. Foto: t&w
Jochen Hartmann baut vor einem seiner mobilen Hühnerställe ein Partyzelt auf. Eine Notlösung, um den Tieren trotz Stallpflicht Auslauf zu bieten. Foto: t&w

Verhindern will der Landkreis Lüneburg mit der Auflage den Kontakt zwischen Wildvögeln und Hausgeflügel und damit das Einschleppen der aktuell grassierenden Geflügelpest. Lange hatte sich das Veterinäramt noch gegen eine kreisweite Stallpflicht entschieden, Geflügel lediglich in Risikogebieten an der Elbe in die Ställe verbannt (LZ berichtete). Am Freitag allerdings zog nach Harburg und Uelzen auch der Kreis Lüneburg die Notbremse. „Inzwischen sind die nachgewiesenen Vogelgrippe-Fälle in Deutschland so gestreut, dass wir davon ausgehen müssen, dass das Virus auch bei uns im Landkreis auftreten kann“, erklärte Amtsveterinär Thomas Volksdorf.

Geflügelhalter wie Hartmann hatten mit der Auflage bereits gerechnet, versuchen, sich so gut wie möglich vorzubereiten. „Wir haben uns im Internet schlau gemacht und verschiedene Alternativen abgewogen“, berichtet der Lüneburger. Theoretisch dürfte Hartmann seine Hühner zwar auch im Stall lassen. „Dann kämen sieben Tiere auf einen Quadratmeter“, sagt er, „gesetzlich ausreichend Platz.“ In Frage kam das Aufstallen für den Landwirt und seine Frau Hilke aber trotzdem nicht, „immerhin sind unsere Hühner gewöhnt, jeden Tag rauszugehen und rumzulaufen“.

Entschieden hat sich das Paar am Ende für verschiedene Lösungen: Vor drei von fünf Mobilställen bauen sie die 50 Quadratmeter großen Partyzelte, für den vierten hatten sie bereits eine überdachte und abgegrenzte Auslauflösung und den fünften Stall stellen sie vor die Maschinenhalle und lassen die Hühner dort laufen. „Um Langeweile zu vermeiden, bekommen die Hühner zusätzlich Heu und Stroh, Kürbisse, Kartoffeln und Maiskolben, außerdem wirft ein Automat regelmäßig Körner.“ Eine Notlösung, „die hoffentlich nicht zu lange dauern muss“, sagt Hartmann.

Das Gleiche hofft auch Bio-Landwirtin Gerlinde Pahlow aus Köhlingen, die mit ihrer Familie am Wochenende ebenfalls an einer Auslauflösung für die 300 Hühner gefeilt hat. Auf dem Demeter-Betrieb sollen die Hühner die Stall- und Scheunenflächen als Auslauf nutzen, „jetzt müssen wir nur noch eine Lösung finden, wie sie aus den Mobilställen überdacht dorthin kommen“. Stress für Tier und Mensch. „Und ich frage mich, ob die Stallpflicht denn wirklich notwendig ist“, sagt Pahlow.

Die Köhlingerin ist nicht die einzige, die sich Gedanken macht, ob allein Wildvögel für die Ausbreitung der Geflügelpest verantwortlich sind. „Gerade in den Foren der Mobilstallbetreiber wird aktuell viel darüber diskutiert, wie das Virus sich tatsächlich verbreitet und warum es immer wieder in großen Massenställen ausbricht“, berichtet Hartmann. Zum Schutz vor einer Ansteckung hält er die Stallpflicht allerdings für gerechtfertigt. „Wobei wir natürlich hoffen, dass mit dem Ende der intensiven Zugvogel-Zeit auch die Stallpflicht wieder aufgehoben wird und wir unsere Hühner spätestens im Januar wieder ganz raus lassen dürfen.“

von Anna Sprockhoff