Aktuell
Home | Lokales | Bienenbüttel: Mülltonnenchip gegen Schwarzmüllerei
Künftig werden im Kreis Uelzen nur noch Tonnen geleert, die einen Transponderchip haben nicht gemeldete Abfallbehälter bleiben dann stehen. Das Bild zeigt eine herkömmliche Tonne im Landkreis Lüneburg. Foto: t&w

Bienenbüttel: Mülltonnenchip gegen Schwarzmüllerei

Bienenbüttel. Wer „schwarzmüllert“, hat in Bienenbüttel bald schlechte Karten: Nicht oder falsch gemeldete Rest- und Biomülltonnen werden in Zukunft nicht mehr geleert. Das gilt auch für den übrigen Landkreis Uelzen. So bleiben diejenigen, die keine Abfallgebühr bezahlen, auf ihrem Unrat sitzen. Möglich macht das ein „Müllbehälter-Identsystem“. Alle gemeldeten Müllbehälter erhalten einen Transponderchip und Etikett, werden so dem jeweiligen Grundstück zugeordnet. Wird eine nicht oder falsch gemeldete Tonne in den Müllwagen eingehakt, blockiert das System den Prozess der Behälter muss unverrichteter Dinge abgehängt und zurückgestellt werden. In Stadt und Landkreis Lüneburg ist ein solches System nicht in Planung.

Aufrüstung soll 320.000 Euro kosten

Mit der Einführung der Transponderchips hofft der Kreis Uelzen, die „Schwarzmüllerei“ eindämmen zu können. „Mit dem Müllbehälter-Identsystem erreichen wir eine größere Gebührenrichtigkeit, denn nur die gechippten Tonnen werden geleert“, erklärt Andreas König, Kundenberater der AWB Uelzen. Schwarzmüllerei entsteht vor allem durch den Diebstahl: „Jede Woche werden mehrere Behälter im Landkreis als vermisst gemeldet“, berichtet König.

„Jede Woche werden mehrere Behälter im Landkreis als vermisst gemeldet.“ Andreas König, Kundenberater der AWB Uelzen

Einige nutzen die gestohlenen Behälter zweckentfremdet, beispielsweise um Gartengeräte aufzubewahren. Viele jedoch würden einfach auf ein anderes Grundstück gerollt und dann regelmäßig zur Leerung herausgestellt. Zahlen müssten dafür andere. Oft erfährt die AWB von solchen Fällen auch erst Jahre später: „Anwohner rufen bei uns an, wollen eine defekte Tonne zum Austausch melden. Dabei stellt sich heraus, dass dieser Behälter gar nicht für das Grundstück gemeldet ist.“ Insgesamt soll das Projekt etwa 320000 Euro kosten, mit der Umsetzung beauftragt wurde die Bielefelder Firma „c-Trace“. Wie viel Geld damit in Zukunft erwirtschaftet werden könnte, könne derzeit noch nicht abgeschätzt werden, sagt König.

In Lüneburg wird derzeit kein Bedarf für ein solches System gesehen. „Es kommt sicher vor, dass Mülltonnen hier verschwinden“, sagt Hubert Ringe von der Lüneburger Abfallentsorgungsfirma GfA. Er sehe durchaus Vorteile in den Transponderchips an den Tonnen, allerdings seien die Kosten für das Projekt nicht unerheblich. „Das lohnt sich nicht“, erklärt Ringe.
Seit Oktober werden die Müllbehälter im Landkreis Uelzen mit dem Chip ausgestattet, der Testbetrieb läuft seit Anfang des Monats. Eigentlich sollte zu Jahresbeginn der Echtbetrieb des neuen Systems starten. Doch daraus wird nichts: Wegen ihres hohen Alters oder schlechten Zustands können tausende Tonnen im Landkreis nicht bechippt werden. Die werden jetzt ausgetauscht. In Bienenbüttel hält sich das noch in Grenzen: „Von den 3968 Rest- und Biomülltonnen haben 351 keinen Chip erhalten können“, sagt Kreispressesprecher Martin Theine.

500 Müllbehälter wurden bereits eingezogen

Im gesamten Kreis Uelzen werden derzeit etwa 54000 Bio- und Restmülltonnen genutzt mehr als 7000 wurden nicht mit einem Chip versehen. Von denen müssen 5500 ausgetauscht werden. Dass Tonnen ausgetauscht werden müssten, war dem Landkreis schon vorher klar. Doch mit so vielen hatte er nicht gerechnet: „Rund 13 Prozent des Behälterbestandes konnten im ersten Schritt nicht mit einem Transponder bestückt werden. Dieser Wert weicht deutlich von den Erfahrungswerten anderer Landkreise und Städte ab, bei denen dieser Wert zwischen sechs und zehn Prozent liegt“, sagt Theine.

Für die Kunden entstehe durch die Verzögerungen aber kein Nachteil, die deswegen noch nicht gechippten Tonnen werden auch nach Silvester noch geleert. Auf etwa 50000 Euro schätzt Andreas König von der AWB die Kosten für den Austausch dieser Tonnen. Dies sei laut Landkreis aber noch im Rahmen der geplanten Investitionssumme.
Das neue System trägt aber bereits seine ersten Früchte im Kampf gegen die Schwarzmüllerei: Im Rahmen der Umrüstaktion wurden bereits 500 Müllbehälter eingezogen, die nicht gemeldet waren. Dies entspreche knapp einem Prozent des Behälterbestandes des AWB, sagt Landkreispressesprecher Theine.

von Robin Williamson

One comment

  1. Da freuen sich die Hersteller der Chips. Und das war es dann auch. Die Folge wird sein, dass Müll wieder vermehrt in die Natur geworfen wird oder man den Müll in fremde Tonnen wirft.