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Oberbürgermeister Ulrich Mädge (hinten) und Landrat Manfred Nahrstedt erläutern, was zum Umschwenken bei der Hallenplanung geführt hat. Foto: t&w

Arena Lüneburger Land: Kritik am Finanzierungsmodell zu groß

Lüneburg. Erst hatten sie kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu: Eigentlich sollte der erste Spatenstich für die Arena Lüneburger Land bereits im November erfolgen. Doch wachsende Kritik am Finanzierungsmodell der öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP) von verschiedenen Seiten führte zum Umdenken beim Landkreis. Die Stadtspitze will den neuen Weg mit voller Kraft mitgehen, wenn auch eher zähneknirschend. Das machten Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt und Oberbürgermeister Ulrich Mädge gestern bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Kreisverwaltung deutlich. Wie berichtet, ist das Finanzierungsmodell der Arena unter der Beteiligung der „Sallier Bauträger- und Verwaltungsgesellschaft“ geplatzt. Dabei spielte auch das Rechnungsprüfungsamt Lüneburg eine zentrale Rolle.

Stehen land und Stadt weiter zur Halle?

Unterschiedliche Auffassungen bei den Behörden

Der Landrat hatte versucht, noch vor Ende der alten Wahlperiode, Ende Oktober, einen Kreistagsbeschluss pro Arena-Bau herbeizuführen. Vergeblich. Die Verträge waren noch nicht ausverhandelt, hieß es zu der Zeit. Parallel gab es auch noch unterschiedliche Auffassungen von Stadt und Kreis auf der einen Seite und dem Rechnungsprüfungsamt auf der anderen Seite: Es ging darum, ob die Investitionsmaßnahmen der Arena europaweit hätten ausgeschrieben werden müssen oder nicht. Mädge, ein erklärter Freund des ÖPP-Modells, sagte jetzt: „Wir haben zwei Rechtsgutachten dazu, dass wir die Ausschreibung nicht hätten machen müssen. Eine Ausschreibung würde uns ein halbes bis dreiviertel Jahr zusätzlich kosten. Zeit, die wir nicht haben.“ Schließlich bangt „der künftige Hauptnutzer“, sagt Mädge, der Volleyballbundesligist SVG Lüneburg, um seine Erstligalizenz, sollte er nicht schnell eine geeignete Spielstätte erhalten. Oder er müsste nach Hamburg umziehen. Mit dem Kurswechsel weg vom ÖPP-Modell wollen Stadt und Kreis nun der weiteren Ausschreibungsdiskussion aus dem Weg gehen.

„Ich will doch keine Elbphilharmonie bauen.“ Manfred Nahrstedt, Landrat

Hinzu kamen die wechselnden Mehrheiten im Kreistag nach der Wahl und auch die Kritik am ÖPP-Modell war lauter geworden. Dazu Nahrstedt: „Das muss ich zur Kenntnis nehmen und beiße mich da nicht einfach durch.“ Das ging auch an Bauträger Sallier nicht spurlos vorbei, der stoppte zunächst seinen Architekten. Als Konsequenz bearbeitete die Stadt Lüneburg als Untere Baubehörde den Antrag auf Baugenehmigung auch nicht weiter. Doch Mädge sagt: „Wenn ich weiß, dass es weitergeht, könnte ich Ihnen die Baugenehmigung morgen in die Hand drücken.“

Landrat bleibt beim Zeitplan optimistisch

Und es soll weitergehen, mit dem Landkreis als Bauherrn wenn der Kreistag am 19. Dezember seine Zustimmung gibt. Nahrstedt: „Ich sehe eine gute Möglichkeit, die Halle doch noch zeitnah zu bauen.“ Sobald eine neue, verlässliche Kostenkalkulation vorliegt, „werden wir uns tief in die Augen gucken und dann müssen wir sagen, bauen wir oder bauen wir nicht“. Doch Nahrstedt zeigte sich zuversichtlich, dass der neue Weg auch von einer neuen Mehrheit des Kreistags mitgegangen werde, damit die SVG Lüneburg zumindest die Playoffs 2018 in der neuen Arena bestreiten könnte.

Mädge betonte: „Ich stehe nach wie vor zu der Halle.“ Die Stadt werde die Zusagen, die sie im Rahmen der Verträge mit Sallier getroffen habe, auch bei dem neuen Finanzierungsmodell mit dem Kreis einhalten. Im Kern bedeute das einmalig einen verlorenen Bauzuschuss in Höhe von 833000 Euro sowie rund 275000 Euro pro Jahr, je nach Zinsentwicklung, auf mehr als 20 Jahre gerechnet. Mit der jährlichen Zahlung seitens der Stadt würden sowohl Darlehen bedient als auch ein Beitrag zur Absicherung des Betriebes geleistet. Ähnlich verhält es sich beim Landkreis. Mit einem Betriebskostenzuschuss sollte die Hallennutzung auch für hiesige Vereine ermöglicht werden, ohne dass ein Betreiber, der nach der Kreistagssitzung ausgeschrieben werden soll, Einbußen dadurch hätte.

Das Hauptrisiko der derzeit auf 9,6 Millionen Euro Investitionskosten geschätzten Halle hätte aber der Landkreis vor der Brust, würde er als Bauherr in die Errichtung der Arena einsteigen. Wobei sich die Stadt zumindest auch an einer möglichen Kostensteigerung von bis zu zehn Prozent beteiligen würde. Nahrstedt sagte beschwichtigend: „Ich will doch keine Elbphilharmonie bauen.“ Hinzu käme der mögliche Kauf des 15500 Quadratmeter großen Standortgrundstücks an der Lüner Rennbahn, den der Landkreis allein stemmen müsste.

Von Dennis Thomas

8 Kommentare

  1. Heller Wahnsinn.
    Kreisrat will ein Millionenrisiko für den Steuerzahler mit der Begründung eingehen, einem Sportverein die Sportstätte zu bauen.
    Kosten, Folgekosten und zu erwartende Verluste: alles nebulös.
    Der zweistellige Millionenbetrag ist sicher.
    Solide und sparsame Politik sieht anders aus.
    Die Bundestagswahl September 2017 und die Landtagswahl Januar 2018 fressen anscheinend Gehirne auf…

    • Man sollte sich nicht nur an der Halle für die SVG aufhängen.

      Man gucke nur 30 KM gen Südosten und 30 KM gen Nordwesten: Uelzen und Winsen haben Möglichkeiten, Kulturveranstaltungen über die Bühne zu bringen. Ich nennen nur Heinz-Rudolph Kunze als letzten Gig in der Winsener Stadthalle.

      Beide, man höre und staune, mit nicht einmal der Hälfte an Einwohnern. Aber die Lüneburger müssen ständig ausreisen, um sowas erleben zu können. Warum??

      Warum bitte dauernd das Argument ’solide und sparsam‘? Haben unsere Eltern und Großeltern an sparsam und solide gedacht, als man damals die Hallen, Plätze und Straßen hinbaute?

      Werden unsere Kinder an ihre Kinder und Enkel denken? Sicher nicht.

      • Hallo Herr Schröder,

        Stadt und Kreis haben sich „Event-Space“ in dem entstehenden gigantischen Zentralgebäude auf dem Leuphana-Campus bis ins Jahr 2478 eingekauft. Da passen simultan (= gleichzeitig) fünfzig solcher Veranstaltungen rein wie „Heinz-Rudolph Kunze als letzter Gig in der Winsener Stadthalle“. Und anschließend können die hunderttausend Besucher ins „Vamos!“ strömen und mit Klaus Hoppe „abfeiern“ – bei „lecker Bier“. Wenn dann der Morgen graut, geht´s zuletzt noch mit Holm Keller auf einen kleinen Absacker in den „Raum der Stille“, wo nach dem Vorbild von Rodins „Denker“ der Ellenbogen aufs Knie gestützt und die Stirn gegen die Faust gelehnt gemeinschaftlich und „nachhaltig“ über das Lüneburger Marketingmodell neuen Typs gegrübelt wird, mit dem unser Hochschulpräsidium die Entertainment-Herausforderungen für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrunderts angeht.

      • Andreas Janowitz

        Man kann nicht ales haben? Lüneburg sollte dezidiert den Glasfaseranschluß über die letzten Meter vorrantreiben um damit Grundlagen für Telemedizin ausbauen.

        Wäre eine solche Halle Gewinnträchtig würde sich ein Investor nicht mit Bürokratie um Fördergelder herrumschlagen sondern Grundstein legen. Die Geldverschwendung um Spassbäder Land auf Land ab sollte als mahnendes Beispiel dienen. Wozu brauchen wir also eine solche Halle, wenn in Uelzen und Winsen schon eine solche steht? Dann besser einen 5€ Bahnzuschuß für SVG Dauerkarten.

        • Genau, meinetwegen gleich ein HVV Ticket bis Hamburg. Das kann doch nicht wahr sein, dass für einen Hauptnutzer Volleyball so eine Halle gebaut wird. Die paar Tage im Jahr SVG Volleyball Heimspiele sind dann also die Hauptnutzung? Bitte lasst die Jungs ein paar Tage im Jahr nach Hamburg fahren als so einen Blödsinn zu verzapfen. Trainiert werden kann ja weiter in der Gellersenhalle. Eventuell kann man dort auch für kleineres Geld das Dach anheben, dann spart man sich auch noch die paar Fahrten nach Hamburg.

  2. Werner Schneyder

    Bei der Halle und auch beim Libeskind-Bau zeigt sich eines: publikc-private-partnership geht letztlich immer zulasten des Steuerzahlers.
    Gut, dass in beiden Fällen das Schlimmste verhindert werden konnte.

  3. „Man sollte sich nicht nur an der Halle für die SVG aufhängen“?

    Nicht nur? Innen drin oder außen vor doch wohl auch nicht. Gibt´s keine Halle, kann´s auch keine Hallen-Suizide geben. So einfach ist das.

  4. Tja, gäbe die Stadt nicht so viel Geld für das „Leuphana-Raumschiff“ aus, dann wäre eine Halle doch problemlos zu bezahlen.
    Allerdings frage ich mich immer noch, warum der Steuerzahler für einen Volleyballverein eine Halle bauen soll – zumindest wird die SVG ja immer als der Hauptgrund genannt.
    H.-R.-Kunze kann auch im Mehrzweckgebäude der Uni oder im Vamos spielen.