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Lange muss Bogenbauer Torsten Davids an den Bogen feilen, damit sie glatt und splitterfrei sind. Foto: t&w

Sportgeräte aus Holz: Torsten Davids hat den Bogen raus

Lüneburg. „Mit einem Vögele-Bogen kann doch jeder treffen.“ Dieser Satz, im Scherz ausgesprochen von einem Mitstreiter auf einem Bogenschießturnier, traf Torsten Davids mitten ins Herz. Das ist Jahre her, der Lüneburger feierte da gerade erste Erfolge mit seinem Primitivbogen. Primitivbogen sind Holzbogen nach traditioneller Bauart, sehen aus wie aus dem Mittelalter, so, wie man klassische Pfeile und Bögen aus Robin-Hood-Filmen kennt. Sein damaliges Sportgerät hatte Davids teuer gekauft, aus der Werkstatt des renommierten Herstellers Konrad Vögele.

Und dann so ein Spruch. Davids wollte seinen Erfolg nicht auf den Bogen schieben lassen und beschloss kurzerhand, nur noch mit selbst gebauten Bogen anzutreten. Und ist seitdem nicht minder erfolgreich: Er wurde unter anderem Deutscher Meister im Freiluftbogenschießen und gewann in diesem Jahr mit seinem Team die Europameisterschaft, „obwohl die Leistung vor allem von meinen Teamkollegen getragen wurde“, wie er bescheiden zugibt.

Schießen wie bei Robin Hood

Gelernt hat der heute 44-Jährige das Handwerk in einem Bogenbaukursus, den er geschenkt bekam. Das war kurz vor den Olympischen Spielen in Peking im Jahr 2008. „Ich hatte damals verkündet, zu Fuß nach Peking zu laufen, auf dem Weg einen Bogen zu bauen und bei den Spielen aufs Treppchen zu kommen.“ Seine damalige Freundin machte ihn darauf aufmerksam, dass Holzbogenschießen nicht olympisch sei. Zum Trost schenkte sie ihm den Lehrgang.

„Für einen Bogen brauche ich etwa 30 Stunden Arbeitszeit.“ Torsten Davids, Primitivbogen-Schütze

„Für einen Bogen brauche ich etwa 30 Stunden Arbeitszeit“, erzählt er. Und fügt hinzu: „Ich bin da eher langsam.“ Denn Davids ist gelernter Schmied, betreibt den Bogenbau als Hobby. Seine Werkstatt hat er in Rettmer. Wie viele er bereits gebaut hat? „Zwischen zwanzig und dreißig Stück“, schätzt er. Viele davon seien gebrochen, andere nutzt er immer noch. Wenn Davids „gebrochen“ sagt, heißt das jedoch nicht unbedingt, dass der komplette Bogen entzwei ist. Er zeigt ein Beispiel: Auf einem dunklen, ansonsten makellosen Bogen ist ein winziger Riss zu sehen. Doch das reiche schon, um den Bogen auszurangieren schon beim nächsten Schuss könnte er durchbrechen. Besonders ärgerlich sei es, wenn der Bogen noch im Bau kaputt gehe. Das ist ihm auch schon einige Male passiert. „Und das ist dann meistens meine Schuld.“

Der Bogenbau beginnt schon mit der Auswahl eines guten Holzes. Widerstandsfähig, biegsam und nicht zu weich sollte das sein. „Früher habe ich billigere Hölzer genutzt wie Esche oder Hickory“, erinnert sich Davids. Der günstige Preis und die Bruchfestigkeit hätten diese Materialien ausgezeichnet. Mittlerweile benutzt er vor allem den heimischen Goldregen und sogenanntes „Osage“-Holz: „Für Bogen ist das das beste Holz“, findet der gebürtige Ostfriese. Doch das wächst fast nur in Amerika und Ungarn, ist dementsprechend teuer: 300 Euro kann ein Stück Osage-Holz durchaus kosten.

Je gerader das Holz gewachsen ist, desto besser eignet es sich für den Bogenbau, erklärt Davids. Da viele Sträucher die nötigen Eigenschaften für Bogenholz mitbrächten, seien dort die Stämme interessant und am liebsten dort, wo nur wenige Äste vom Stamm ausgingen. Denn dies könnte Löcher verursachen. Der „Rohling“, wie der Holzscheit vor der Bearbeitung heißt, wird gespalten und an den Enden verleimt, und dann erstmal eingelagert. Nach wenigen Jahren ist er endlich trocken genug, sodass er in das Sportgerät verarbeitet werden kann. Und wenn er fertig ist, wird aus dem Stück Holz eine gefährliche Waffe: Über 200 Meter weit können Pfeile damit geschossen werden. Deswegen herrschen auf den Turnieren strenge Sicherheitsvorschriften, auch Schutzkleidung muss getragen werden: Etwa ein Armschutz, weil der Bogen nach dem Abschuss gegen den Unterarm schlägt. Und ein Fingerschutz, weil die scharfe Sehne auf Dauer die Haut sehr belastet.

Seit zehn Jahren ist Davids leidenschaftlicher Bogenschütze. Das ist keine Nischensportart, sagt er, fast an jedem Wochenende finden irgendwo im Bundesgebiet Meisterschaften im Holzbogenschießen statt. Mehr als 1500 Schützen nehmen an den größten teil. Viele dieser Turniere sind sogenannte „3D-Turniere“: Die Bogenschützen durchlaufen einen Waldparcours und schießen auf dreidimensionale Tierattrappen von Ratte bis Rothirsch. Jetzt muss Davids aus gesundheitlichen Gründen beim Bogenschießen kürzertreten, wird aber noch weiter Turniere ausrichten. Das nächste findet am 8. Januar auf seinem Gelände in Rettmer statt. Für Die Zukunft ist Davids auf der Suche nach einem neuen Gelände gerne nimmt er Hinweise oder Angebote entgegen, per Mail über davids@campuslueneburg.de.

von Robin Williamson