Mittwoch , 19. September 2018
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Das Bild zeigt in der Mitte die Lambertikirche, eingerahmt von der inzwischen abgerissenen katholischen Kirche mit Turm im Osten und dem Heiligengeist-Hospital. Das Bild hat 1860 G. Friedrich Wilhelm Güttich aufgenommen, wohl von der Ratswasserkunst. Foto: nh

Die verschwundene Kirche

Von Rainer Schubert

Lüneburg. Über Jahrhunderte war die Soleförderung der wirtschaftliche Motor der Stadt, und die Lambertikirche war die Kirche der Saline. Doch 1860/61 wurde sie abgerissen. Nachdem sich Schatzmeister Hans-Herbert Sellen vom Arbeitskreis Lüneburger Altstadt (ALA) bereits 2015 mit der Geschichte der Kirche in den ALA-Mitteilungen „Aufrisse“ beschäftigt hatte, geht nun Stadtarchäologe Dr. Edgar Ring im „Aufrisse“-Heft Nummer 31 der Frage nach, wo das Inventar der Kirche geblieben ist.

St. Nicolai hat den Altar geerbt

Das Schmuckstück, der Lamberti-Altar, ging an die Nicolai-Gemeinde. Der zweiflügelige Wandelaltar mit Mittelschrein und je zwei klappbaren Innen- und Außenflügeln ist heute der Hauptaltar von St. Nicolai. Das Schnitzwerk von 1440 stammt vom Lüneburger Bildschnitzer Hans Snitker dem Älteren, die Gemälde auf den Außenflügeln von 1447 von dem Hamburger Maler Hans Bornemann.

St. Nicolai erbte noch mehr von St. Lamberti, beispielsweise ein farbig gefasstes Vesperbild, ein Kruzifix, eine von Gerhard de Wou gefertigte Marienglocke, ein Epitaph der Familie von Sigismund Scherzius oder schmiedeeiserne Gitter, die ursprünglich als Schranken für die Bronzetaufe in der Lambertikirche dienten.

Von der Kanzel aus Eichenholz sind, entgegen der Darstellung im „Aufriss“ von 2015, doch noch Teile erhalten. Im Hospital zum Heiligen Geist befinden sich von der Kanzeltreppe die Reliefs mit allen vier Evangelisten und von der Kanzelbrüstung drei der fünf Füllungen mit den Motiven Christi Geburt, Auferstehung und Himmelfahrt. 1871 ging eine Stundenglocke von Lamberti an das Hospital für die Uhr des Dachreiters. An der Straßenfassade des Hospitals wurde ein Grabstein für zwei im Alter von zwei und sechs Jahren verstorbene Kinder der Patrizier-Familie Döring platziert.

Etliche Gegenstände sind im Museum Lüneburg gelandet

Etliche Gegenstände sind im Museum Lüneburg gelandet, von einer Kanzel aus Lindenholz bis hin zu einem Ölgemälde mit dem Auferstehungs-Motiv.

Eine 1,65 Meter hohe Leuchterkrone aus dem 17. Jahrhundert, die in den 1830er-Jahren vom Gewölbe der Lambertikirche heruntergestürzt sein soll, ging in den Besitz der Stadt über, hing im Magazinsaal des Stadtarchiv-Neubaus von 1899 und wurde ab 1959 im Museum verwahrt. Nach dem Auszug des Stadtarchivs und der Restaurierung des Magazinsaals soll die Leuchterkrone wieder dorthin gelangen.

Gegenstände fanden aber auch private Besitzer. Eine Wendeltreppe von 1608 mit Stadtwappen war 1860 im Haus Bardowicker Straße 25 eingebaut und wurde 1980 ins Haus Am Stintmarkt 7 überführt, beide Häuser gehörten einem Privatmann. Auf einem alten Bild im Museum ist ein Erker aus der Lambertikirche an dem Gebäude Am Sande 9 zu sehen, damals befand sich das Hotel Wellenkamp dort — den Erker gabs dort bis 1958. Wahrscheinlich ist er 1859/60 beim Umbau des Gebäudes zum Hotel eingefügt worden. Wo der Erker nach 1958 abgeblieben ist, das ist unklar.

Tür aus Eichenholz ist heute in Barnstedt

Auch Barnstedt profitierte: Die Gutskapelle hat eine Renaissance-Tür aus Eichenholz mit zwei etwa 1,90 Meter hohen Türflügeln erhalten. Wahrscheinlich war diese Tür in der Brautpforte an der Lambertikirche.

Das „Aufriss“-Heft kann telefonisch beim ALA bestellt werden unter Tel. (04131) 267777.

Geschichte der Kirche

Die St. Lambertikirche wurde um 1300 errichtet, war eine dreischiffige Hallenkirche, 55 Meter lang, 30 Meter breit und damit nicht viel kleiner als St. Johannis. Es gab Um- und Ausbauten. 1703 fegte ein Sturm die Spitze des Turms herunter. Und die Senkungen durch den Salzabbau führten zu Rissen im Mauerwerk. Da auch St. Nicolai große Schäden plagte, mussten sich die Verantwortlichen der Stadt für eine Kirche entscheiden — Geld für die Restaurierung beider Bauwerke hatte Lüneburg nicht, also wurde die Lambertikirche abgebrochen und ein Teil des Inventars verkauft.