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Der Angeklagte unterhält sich kurz vor Prozessstart mit seinen Verteidigern Jan Langhans und Dr. Kamila Matthies. Foto: phs

Frau leidet unter Würge-Attacke

Lüneburg. Es sollte ein netter Tag mit Freundinnen am Maschener Badesee bei herrlichstem Sommerwetter werden, doch für eine 20-Jährige wurde es der Horror. Sie wurde von einem ihr völlig unbekannten Mann attackiert und laut Staatsanwaltschaft bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Seit gestern muss sich ein 25 Jahre alter Schlosser aus Stelle vor der 4. Großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg verantworten, die Anklage wirft ihm versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor.

Mut fassen, um sich danach selbst umzubringen

Mit der Tat am 20. Juli habe er nach einer von ihm für gescheitert gehaltenen Beziehung den Mut fassen wollen, sich anschließend selbst umzubringen. Dieses Motiv nannte er kurz nach der Tat in einer Vernehmung vor dem Amtsgericht Winsen, die gestern vor Gericht verlesen wurde. Darin heißt es auch, er habe am Vorabend Alkohol getrunken und ausgesagt: „Wie aus dem Nichts kam die Idee, etwas Schlimmes zu tun.“ Er habe sich dann am Tattag aufs Fahrrad gesetzt, ein Badetuch, Seil und Wein mit zum See genommen.

Gestern allerdings sagte der 25-Jährige nichts zu dem Vorwurf, sein Verteidiger aber äußerte in Richtung Opfer: „Mein Mandant hat ein großes Bedürfnis, sich bei Ihnen zu entschuldigen, er bedauert, dass er zurzeit schweigt.“ Dazu hätten ihm seine Anwälte aus prozess­taktischen Gründen geraten.

Die 20-Jährige aus Stelle war am Tattag mit Freundinnen an dem Badesee, als eine Freundin früher fahren wollte, begleitete sie sie bis zum Parkplatz. Der Rückweg führte die mit einem Bikini bekleidete junge Frau durch ein Waldstück: „Ich hörte hinter mir ein Rascheln, dachte, da will mich ein Freund überraschen.“ Doch ein Mann habe sie von hinten angesprungen und ihr einen Arm um den Hals gelegt, ihren Körper hochgezogen: „Ich versuchte, ihn zu treten und zu schlagen, griff ihm in die Genitalien. Er hat mir den Kopf zurückgerissen. Ich habe keine Luft mehr gekriegt, konnte nicht um Hilfe schreien und wurde bewusstlos.“

20-Jährige traut sich nicht mehr allein aus dem Haus 

Als sie wieder zu Bewusstsein gekommen sei, habe der Mann auf ihr gekniet und eine vorbeikommende Frau habe gerufen: „Werden Sie vergewaltigt?“ Dann sei der Angreifer weggelaufen. Die Retterin begleitete die 20-Jährige zum Parkplatz, wo schnell auch schon Polizei und Krankenwagen präsent waren. Eine Hamburger Rechtsmedizinerin attestierte der 20-Jährigen „ganz ausgeprägte Abschürfungen in Gesicht, am Hals und im Nacken, dazu punktförmige Einblutungen“ Verletzungen, die zur Darstellung des Tatgeschehens passen. Der Täter muss laut Medizinerin den Druck während des Würgevorgangs verringert haben, sonst wäre das Opfer möglicherweise nicht mehr aufgewacht: „Wir gehen von einer potenziellen Lebensgefährlichkeit bei Anhalten des Drucks aus.“ Die Ärztin untersuchte auch den Angeklagten, bei ihm fand sie ebenfalls Abschürfungen und Kratzer.

Zu ihren Verletzungen sagte das Opfer selbst, dass ihm heute noch ein Arm wehtue, es sonst keine körperlichen Schäden mehr habe: „Aber ich traue mich nicht mehr allein aus dem Haus, vor allem nicht, wenn es dunkel ist.“ Sie strebe eine Therapie an, um das Ganze psychisch verarbeiten zu können.
Die 20-Jährige sagte, dass der Angreifer, den sie während des Würgegriffs „nur verschwommen gesehen“ habe, für sie ein wildfremder Mann war. Ihn habe sie aber möglicherweise kurz vor der Attacke auf dem Parkplatz gesehen: „Ein Mann dort hatte ein Handy mit einem roten Etui fallen lassen.“ Ein solches Etui wurde später am Tatort gefunden.
Der Prozess wird Montag, 19. Dezember, fortgesetzt.

Von Rainer Schubert