Aktuell
Home | Lokales | Experiment Abendmahl
Leonardo da Vincis Abendmahl in moderner Fassung: Auf der Fotocollage treten auf (v.l.) Bartholomäus Mathilde Liebenberg (15), Jakobus Emma Hobro (14), Andreas Hannes Richter (17), Judas Tom Behrend (15), Simon Petrus Anouk Baumann (14), Johannes Finja Turek (15), Jesus Sebastian Schütt (18), Thomas Joke Schröder (20), Jakobus Henrike Freiwald (14), Philippus Domenik Jentsch (19), Matthäus Tobias Rokohl (17), Thaddäus Ronja Kuchler (18) und Simon Florian Rokohl (15). Foto: Horst Lüdeking

Experiment Abendmahl

Von Ulf Stüwe
Lüneburg. Verrat, Entsetzen, Überraschung, Trauer, Sorge, Mitgefühl — Leonardo da Vincis „Abendmahl“ zieht noch heute, mehr als 500 Jahre nach seiner Fertigstellung, nahezu jeden Betrachter in seinen Bann. Die Stimmung des weltberühmten Wandgemäldes haben jetzt jugendliche „Teamer“ der Kirchengemeinde Lüne eingefangen und dabei ein Experiment gewagt: Sie selbst haben sich an die Tafel da Vincis gesetzt und sind so Teil der Originalszene im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand geworden.

„Es war spannend, an der Szene mitwirken zu können“, beschreibt Anouk Baumann die Gefühle, die sie auch nach der Arbeit am Projekt noch nicht richtig in Worte fassen kann. „Vor allem wusste ich zu Beginn gar nicht genau, wie ich mich in die Rolle des Petrus hineinversetzen soll und ob ich sie richtig darstellen kann.“ Die Rolle des Petrus war der 14-Jährigen per Los zugefallen, so wie allen übrigen Darstellern deren Rolle auch.

Diakon Henry Schwier hatte die Idee

Diakon Henry Schwier hatte die Idee, zwei Fragen standen dabei im Mittelpunkt: „Was passiert da in der Szene, und was sind das für Menschen, die dort am Tisch sitzen? Immerhin ist es der Moment, in dem Jesus seinen Jüngern sagt, dass er von einem von ihnen verraten wird.“

Diese Spannung darzustellen, die Emotionen der Tischrunde szenisch einzufangen und sich darüber mit dem Thema auch inhaltlich auseinanderzusetzen — das war der Sinn des Projekts. „Wir wollten es nicht einfach nachstellen, sondern in die Originalszene eintauchen, und zwar so wie wir sind“, erklärt Hannes Richter, der den Apostel Andreas verkörpert, zeitgemäß in dunklem Sweatshirt oder — wie Tom Behrend, der in die Rolle des Verräters Judas schlüpfte — mit Kapuzenpulli und Marken-Logo auf der Brust.

Mit dem Kapitelsaal des Klosters Lüne fanden sie einen Raum, der in der Lage war, den rund acht Meter langen Tisch aufzunehmen. „Wir haben dort alles so nachgestellt wie im Original, selbst die Getränke und die Lebensmittel auf dem Tisch sind echt“, berichtet Schwier. Eine weitere Herausforderung: Der Lüneburger Fotograf Horst Lüdeking brauchte entsprechende Raumtiefe, um die gesamte Breite der Szene aufs Bild bannen zu können. Nach zweieinhalb Stunden Fotoshooting hatte Lüdeking das Motiv im Kasten, und er war es dann auch, der Foto und Originalvorlage digital passgenau zusammenstellte.

Bildungsprojekts für die Jugend

„Die Arbeit hat uns allen nicht nur viel Spaß gemacht, das Besondere daran war: Als wir am Tisch waren, übertrug sich die Stimmung der Szene auf uns. Plötzlich passierte etwas im Raum“, beschreibt Schwier die Situation im Kapitelsaal, eine Stimmung, die Sebastian Schütt teilt, der als Jesus im Zentrum des Bildes wirkt. „Ich musste erstmal schlucken, als mir die Rolle zufiel“, sagt der 18-Jährige.

Das Ergebnis dieses „Bildungsprojekts für die Jugend“, wie Henry Schwier es nennt, wird künftig nicht nur das Gemeindehaus schmücken, auch Gemeindemitglieder können das in zwei Formaten erhältliche Poster erwerben. Und eine Idee ist den 13 Teamern jetzt auch noch gekommen: „Es wäre schön, wenn wir das Original einmal gemeinsam in Mailand sehen könnten.“