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Mit dem Longobard-Logo wird jetzt auch im Archäologischen Museum in Oldendorf/Luhe geworben. Für die neue Kulturroute setzen sich ein (v.l.) Dietmar Gehrke, Erika Marbs-Cornils, Dr. Frank Andraschko, Claudia Kalisch, Michael Göbel, Peter Vogt und Helmut Borkowski. Foto: t&w
Mit dem Longobard-Logo wird jetzt auch im Archäologischen Museum in Oldendorf/Luhe geworben. Für die neue Kulturroute setzen sich ein (v.l.) Dietmar Gehrke, Erika Marbs-Cornils, Dr. Frank Andraschko, Claudia Kalisch, Michael Göbel, Peter Vogt und Helmut Borkowski. Foto: t&w

Hier waren die Langobarden + + + Mit Video

Von Dennis Thomas
Oldendorf/Luhe. Das Archäologische Museum in Oldendorf/Luhe gehört jetzt zu den Gründungsmitgliedern für die geplante neue Kulturroute „Longobard Ways across Europe“ („Wege der Langobarden durch Europa“), die jetzt offiziell auf der Kandidatenliste des Europarates steht. Im Mittelpunkt des Kulturprojektes steht die Bedeutung des elb-germanischen Stammes der Langobarden aus der Zeit der Völkerwanderung, das rückblickend ein Band über die Lüneburger Heide bis nach Ober- und Süditalien spannt. Für die Realisierung wird derzeit ein Netzwerk aufgebaut.

„Die Langobarden verdienen eine größere historische Aufmerksamtkeit und kulturelle Würdigung, als es bisher der Fall war. Sie wurden bisher unterschätzt“, sagt der Reppenstedter Archäologe Dr. Frank Andraschko, der als Vorsitzender des Hamburger Vorgeschichtsvereins zusammen mit vielen anderen mit dem Aufbau der europäischen Langobardenstraße befasst ist. Andraschko ist auch Vizepräsident der italienischen „LAssociazione Longobardia“, von der die Initiative für die Kulturroute ausgeht. Laut Andraschko sei die Kulturroute gleichwohl Grundlage für eine europäische Kooperation von Kommunen, Regionen und Institutionen, um neue Ansatzpunkte zu entwickeln — vom Tourismus bis hin zu einer gemeinsamen Jugendarbeit.

Partnerlogo als Point of Interest

Andraschko: „Nachdem einige schwere Hürden beim Kulturstraßeninstitut des Europarates in Luxemburg genommen werden konnten, haben einige Museen das offizielle Partnerlogo als Point of Interest erhalten, darunter das Archäologische Museum in Oldendorf und das Museum Lüneburg.“

„Die Langobarden sind die ersten namentlich bekannten Bewohner unserer Gegend“, sagt Lüneburgs Kreisarchäologe Dietmar Gehrke. Im Zusammenhang mit einer römischen Expedition, die unter dem Feldherrn Tiberius im Jahr 5 n. Chr. bis an die Elbe unternommen worden war, sei erstmals von den „Longobardi“, Langbärten, die Rede gewesen, schreibt der Bardowicker Chronist Christian Schlöbke im Jahr 1704. Die meisten Langobarden waren schließlich im 3. und 4. Jahrhundert aus dem norddeutschen Raum aufgebrochen, zogen über Jahrhunderte durch verschiedene Teile Europas.

Mythischer Ursprung in Skandinavien

Eine anekdotenhafte Variante der Namensgebung beschreibt der langobardische Historiker Paulus Diaconus im 8. Jahrhundert. Demnach sei der germanische Stamm, der seinen mythischen Ursprung in Skandinavien hat, beim Überqueren eines Flusses im Kampf auf die Vandalen gestoßen: „Die Langobarden aber geboten ihren Weibern, ihr Haupthaar um Backe und Kinn zu binden, um durch den Anschein von Männertracht … eine große Feindesmacht vorzutäuschen. Da soll eine Stimme über beiden Heeren gesagt haben: Dies sind die Langbärte.“ Nachdem die Langobarden ihre Gegner besiegt hatten, fielen sie in Teilen Pannoniens ein — im heutigen Westungarn. Ab 568 eroberten die Langobarden Oberitalien und legten mit einem Königreich das Fundament der heutigen italienischen Lombardei.

Besondere Bedeutung auch für die Region um Amelinghausen

Auch für die Region um Amelinghausen haben die Langobarden laut Gehrke eine besondere Bedeutung. Dabei kommt dem Archäologischen Museum in Oldendorf mit der Totenstatt eine zentrale Funktion zu, es liegt zwischen den bisher bekannten, größten Urnenfriedhöfen der Region mit Wetzen/Putensen und Drögennindorf/Amelinghausen-Sottorf. Gehrke sagt: „Allein in Putensen sind bis zu 2000 langobardische Bestattungen entdeckt worden.“ Aus dieser Zeit sind auch Exponate im Oldendorfer Museum zu sehen.

Die musealen Aktivitäten der geplanten Kulturroute werden von Professor Rainer Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums Hamburg, koordiniert. Daneben sind auch Kommunen der Region gefragt, sich dem Langobarden-Netzwerk anzuschließen. Unter anderem als erste mit dabei ist die Samtgemeinde Amelinghausen, die dazu eine Absichtserklärung, unterzeichnet hat. Michael Göbel von der Samtgemeinde sagt: „Wir sehen darin eine Möglichkeit, zusammen mit anderen Partnern in ganz Europa unsere Geschichte aufzuarbeiten und für Interessierte darzustellen.“ Hoch spannend findet das auch Samtgemeindebürgermeisterin Claudia Kalisch: „Das ist für uns ein Aushängeschild.“ Neben touristischen Attraktionen gehe es auch darum, die Identität der Region weiterzuentwickeln.