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Im Laufe des Lebens verlerne der Mensch das innere Lachen, sagt Lachyoga-Trainerin Beata Sieniuto. Kinder lachen bis zu 400-mal am Tag, Erwachsene höchstens 15-mal. Erwachsene bräuchten immer einen Grund zum Lachen. Foto: ada

Beata Sieniuto bietet Lachyoga bei Wind und Wetter an

Von Anke Dankers
Lüneburg. Ihr breites Lächeln verrät Beata Sieniuto. Mit roter Weihnachtsmütze auf dem Kopf und bunten Handschuhen an den Fingern steht die Lachyoga-Trainerin unter dem Dach der Wandelhalle im Lüneburger Kurpark und lächelt. Sie lächelt den Regen und Wind weg und möchte die Menschen herbeilächeln. Jeden zweiten Sonntag im Monat bietet sie hier einen Lachyoga-Kurs an. Heute hat nur Peter den Weg in den Kurpark auf sich genommen. Der Lüneburger möchte seinen vollen Namen nicht in der Zeitung lesen, zu groß sind seine Sorgen um den Datenschutz. Überhaupt wirkt Peter wie jemand, der sich viele Sorgen macht. Beim Lachyoga bleibt dafür aber keine Zeit. „Wenn wir lachen, können wir nicht denken“, erklärt Beata Sieniuto.

Vor ein paar Monaten hat die 51-Jährige eine Wochenend-Ausbildung zur Lachyoga-Trainerin gemacht. „Lachen ist die beste Medizin, jeder weiß das“, sagt sie und erklärt, dass Kinder bis zu 400-mal am Tag lachen, Erwachsene höchstens 15-mal. „Wir verlernen das innere Lachen“, sagt Sieniuto, „in der Schule und mit dem Älterwerden entwickelt sich unser Intellekt. Er ist dafür verantwortlich, dass wir Gründe zum Lachen brauchen, zum Beispiel einen Witz.“ Kinder könnten dagegen ohne Gründe und ohne Druck lachen.

Ho ho, ha ha ha

Zeit, es ihnen gleichzutun. „Ho ho, ha ha ha“, ruft Beata ­Sieniuto in die Kälte, klatscht dabei in die Hände und strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Peter und die Reporterin machen es ihr nach. Es folgen Atem- und Dehnübungen, zwischendurch immer wieder ein lautes „Ha ha“, „Hi Hi“ oder „Ho Ho“. „Wir können nicht einfach so lachen, zuerst müssen wir so tun als ob“, sagt Sieniuto. „Dann schüttet der Körper Endorphine aus, es geht uns gut und wir lachen automatisch“.

Der Boule-Club ein paar Meter weiter scheint die Übungen schon zu kennen. Keiner wundert sich über die nachgemachten Lachlaute, niemand beschwert sich darüber. „Ho ho, ha ha ha“ klingt es wieder durch die Wandelhalle. Man lacht über sich selbst, über die Welt, über das Leben, über das Lachen. Und dann, tatsächlich, stellt es sich ein, das echte, natürliche Lachen. Fängt einer an, greift es wie ein Lauffeuer um sich.

Irgendwann lachen alle mit, das ist toll

Auch Peter kennt das Gefühl, einfach mitlachen zu müssen, sich nicht dagegen wehren zu können. „Und irgendwann lachen alle mit, das ist toll“, sagt er. Entkrampfend wirke dieses Lachen auf ihn, es helfe ihm dabei, das innere Gleichgewicht wiederzufinden. „Wenn dir einer krumm kommt und du im stillen Kämmerlein nur noch darüber lachen kannst, ist all der Ärger wie weggewischt“, erklärt er.

Krumm kommt einem hier keiner. Niemand wird ausgelacht, aber jeder angelacht. Dass das nicht alle Menschen mögen, weiß Sieniuto. „Einige Leute haben wirklich Probleme mit dem Lachen, andere können gar nicht lachen.“ Genau jene seien es, die das Lachen aber am ehesten bräuchten. Wieder schneidet sie eine Grimasse, streckt die Zunge heraus und lacht herzlich dabei — ob echt oder gespielt, lässt sich in diesem Moment kaum noch sagen. „Wir nehmen uns und das Leben viel zu ernst. Durch das Lachyoga bin ich gelassener geworden“, sagt sie und, wie soll es anders sein, lacht dabei.