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Mittels einer Bohrung durch das Fundament der Mensa der Grundschule Im Roten Felde soll der Untergrund nach einem Blindgänger sondiert werden. Foto: t&w

Verdacht auf Blindgänger

Von Ulf Stüwe
Lüneburg. Einen sogenannten Blindgängerverdachtspunkt lässt die Stadtverwaltung in der ersten Januar-Woche 2017 auf dem Gelände der Grundschule Im Roten Felde kontrollieren. Hierzu soll während der Winterferien durch ein Kampfmittelbergungsunternehmen eine Sondierung unterhalb des Mensaanbaus durchgeführt werden. Für die Untersuchung hat die Stadtverwaltung drei Tage angesetzt.

„Wir nutzen bewusst die Weihnachtsferien für die Sondierung, um den Schulbetrieb nicht zu stören“, sagt Stadtrat Markus Moßmann, der das für Sicherheit zuständige Dezernat der Hansestadt leitet. Eine Gefahr gehe von den Arbeiten, die vom 2. bis 4. Januar geplant sind, nicht aus, „Anwohner können trotz der Untersuchungen in ihren Häusern bleiben.“ Wie die Stadt berichtet, grenzt der Verdachtspunkt an den 2011 errichteten Mensaanbau der Schule. Mittels elektromagnetischer Felder soll untersucht werden, ob sich Kampfmittel unterhalb des Gebäudes befinden. Hierzu werde durch das Betonfundament des Gebäudes ein etwa sechs Meter tiefes und 20 Zentimeter breites Loch ins Erdreich gebohrt.

Auswertungen von Luftbildaufnahmen

„Ob dort wirklich ein Blindgänger liegt oder etwas anderes oder auch gar nichts, können wir erst sagen, wenn die Sondierung abgeschlossen ist“, erklärt Pressesprecherin Suzanne Moenck. Sollte sich der Verdacht auf einen Blindgänger bestätigen, müsse gegebenenfalls evakuiert werden. Wie ein unter dem Fundament liegender Blindgänger freigelegt, gesichert und entsorgt werden soll, dazu könne man noch nichts sagen, „so weit sind wir ja auch noch nicht“.

Grundlage für die Sondierung sind Auswertungen von Luftbildaufnahmen, wie sie bereits bei der Sondierung des Baugebiets Ilmenaugarten eingesetzt wurden, die aber laut Stadt „mit gewissen Unsicherheiten“ behaftet seien. So können beispielsweise Kampfmittelfunde noch während des Krieges durch Wehrmachtsangehörige oder in der Zeit nach dem Krieg durch Besatzungsmächte geräumt worden sein, „ohne dass dies in den Wirren der damaligen Zeit ausreichend dokumentiert wurde“.

Untersuchungen auch auf Gelände der IGS in Kaltenmoor

Warum die Sondierung an der Grundschule Im Roten Felde erst jetzt erfolgt und das Gelände nicht bereits vor der Errichtung des Anbaus untersucht wurde, erklärt Moenck mit Erkenntnissen, die man erst im Laufe der Überprüfung des Baugebiets Ilmenaugarten erworben habe.

Ein weiterer Punkt auf öffentlichem Grund befinde sich laut Stadt auf dem Gelände der IGS in Kaltenmoor. Genauere Untersuchungen seien hier für die Osterferien geplant. Insgesamt gebe es 18 Verdachtspunkte im Stadtgebiet, auf der Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet werden, sechszehn davon auf privaten Grundstücken. Die Hansestadt hat dafür eigens eine Übersichtskarte erstellen lassen.

Während die Stadt lediglich die beiden genannten Verdachtspunkte kontrolliert, da diese auf öffentlichem Grund liegen, bleibe es laut Moenck den Eigentümern der privaten Grundstücke überlassen, ob sie ebenfalls eine Sondierung durchführen. „Wir haben die betreffenden Eigentümer informiert“, erklärt Moenck. Einer von ihnen — sein Grundstück grenzt an das Gelände der Grundschule im Roten Felde — habe sich bereits für eine Sondierung entschieden. Moenck: „Die Arbeiten werden gemeinsam mit der von uns geplanten Sondierung im Januar durchgeführt.“

One comment

  1. wie praktisch, da werden baugrundstücke verhökert , ohne zu wissen, ob derjenige, der dieses grundstück kauft später in die luft fliegt. wie ist es bei vergangenen umweltsünden? muss der grundstückskäufer dann auch bluten? verantwortung scheint ein schäues reh zu sein, wenn es um geld geht.