Mittwoch , 19. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | Weihnachtsmärkte bleiben geöffnet, aber ohne Musik
Ein Kondolenzbuch für die Opfer von Berlin liegt im Rathaus der Hansestadt Lüneburg aus. Landrat Manfred Nahrstedt und Oberbürgermeister Ulrich Mädge waren die ersten, die unterschrieben haben. Foto: Hansestadt Lüneburg

Weihnachtsmärkte bleiben geöffnet, aber ohne Musik

sp Lüneburg. Die Weihnachtsmärkte in Lüneburg bleiben auch nach dem Anschlag in Berlin weiterhin geöffnet. Die Hansestadt Lüneburg hat sich intensiv mit der Polizeiinspektion Lüneburg-Lüchow-Dannenberg über die aktuelle Sicherheitslage ausgetauscht und sich dazu entschieden, der Empfehlung des Bundesinnenministeriums zu folgen, die Weihnachtsmärkte geöffnet zu lassen. Der Schaustellerverband Lüneburg und Umgebung e.V. hat unterdessen beschlossen, auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus das tägliche Musikprogramm mit Trompeter und Chor zu streichen. Ebenso handhaben es die Organisatoren des Weihnachtsmarktes vor St. Johannis. Um 18 Uhr ist eine Schweigeminute vorgesehen, der Verkauf wird eingestellt.

Die Polizeiinspektion schätzt die Lage für Lüneburg analog zu anderen Orten in Niedersachsen so ein: „Es besteht eine abstrakt hohe Gefährdungslage, ohne konkrete Anhaltspunkte auf ein gefährdungsrelevantes Ereignis.“ Weiter sagt Pressesprecher Kai Richter: „Wir werden die Lage genau beobachten und vor allem auch auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Lüneburger Rathaus die Polizeipräsenz erhöhen, um das Sicherheitsempfinden der Besucher zu verstärken. Alle unsere Beamtinnen und Beamten sind besonders sensibilisiert.“

Flaggen auf halbmast gehisst

Die Hansestadt Lüneburg stimmt sich eng ab mit der Polizei über alle nötigen Schritte. Markus Moßmann, Dezernent für Sicherheitsfragen bei der Hansestadt Lüneburg, sagt: „Die Polizei ist die zuständige Instanz, wir haben 100-prozentiges Vertrauen in ihre Arbeit und tragen alle Entscheidungen mit.“ Hansestadt und Polizei bitten alle Besucher des Weihnachtsmarktes nach wie vor aufmerksam zu sein, wenn sie die Märkte vor Ort besuchen und verdächtige Beobachtungen an die Polizeistreifen vor Ort weiterzugeben.

Die Weihnachtsmärkte vor dem Rathaus und vor St. Johannis dauern noch bis Freitag, 23. Dezember, an. Die Stände am Sande bleiben noch bis einschließlich 30. Dezember geöffnet.

Vor dem Rathaus (Eingang K) sind die Flaggen als Zeichen der Anteilnahme auf halbmast gehisst, ebenso wie auf anderen öffentlichen Gebäuden.

Die Hansestadt Lüneburg hat im Rathaus ein Kondolenzbuch ausgelegt. Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Landrat Manfred Nahrstedt waren die Ersten, die ihre Gedanken an die Angehörigen der Opfer in Berlin darin in Worte fassten.

4 Kommentare

  1. Keine Musik – was ist das denn für ein Murks? Natürlich soll man einen richtigen Umgang mit dem Geschehen finden und auch respektvoll den Opfern gegenüber sein. Aber dass ein Weihnachtsmarkt zwar öffnet, aber dann „ohne Musik“, soll genau was ausdrücken? Es gibt nur zwei Wege: a) wir lassen uns vom Terror nichts verbieten – auch nicht die Musik, oder b) wir bleiben alle zu Hause, aber dann darf auch kein „Spaß“ auf dem Weihnachtsmarkt sein. Alles dazwischen ist nichts Halbes und nichts Ganzes.

  2. „Aber dass ein Weihnachtsmarkt zwar öffnet, aber dann „ohne Musik“, soll genau was ausdrücken?“

    Ich möchte jetzt auf dem Weihnachtsmarkt jetzt nicht hören „Fröhliche Weihnacht überall…“ weil 12 Tote und viele Schwerverletzte die auf ihrem Weihnachtsmarkt auch nur „Spaß“ haben wollten keine fröhliche Weihnacht mehr erleben werden und deshalb jeden Menschen der auch nur einen Funken Empathie besitzt bedrückt.. Genau das soll es ausdrücken. So kann ein Weihnachtsmarkt durchaus auch ein Ort der Besinnung und des Gedenkens sein.
    Und wenn sie unter „Spaß“ ausreichende Mengen Glühwein mit Schuss meinen, dann können sie auch woanders dafür hingehen. Ich finde ihren Beitrag beschämend.

  3. Lüneburger Jung

    Ich würde hier niemanden der Kommentarverfasser Empathie absprechen. Es ist eine (für Alle) neue Situation und ein „Zustand“, welchen wir bis dato nur aus der Ferne betrachtet haben. Ich denke jeder ist von den Ereignissen und Bildern geschockt und macht sich dazu seine Gedanken. Den Umgang mit derartigen Extremsituationen kann man nicht lernen und jeder versucht anders damit umzugehen. Auch meine ich, gibt es kein schlüssiges Rezept für Vorbeugung und Nachbearbeitung. Aber wenn wir uns nun Einschränkungen auferlegen, haben diejenigen welche ggf. für diese Tat verantwortlich sind, in Teilen genau das erreicht was sie wollen, nämlich dass wir unsere Kultur und unsere Werte dem Terror unterordnen und uns dem Diktat dessen ergeben. Ich denke mit einer Schweigeminute ist den Opfern des Anschlags gedacht. Vergessen werden wir sie/es nicht und jeder kann für sich Anteil nehmen und ggf. Konsequenzen ziehen.

  4. In den Medien überwiegen die Kommentare, die uns zu einer „jetzt erst recht“ Einstellungen auffordern. Genauso empfinde ich auch. Wenn ich jetzt auf einen Weihnachtsmarkt gehe, so ist das gleichzeitig auch ein Statement dafür, dass ich mich dem Terror und der damit verbreiteten Angst nicht beuge. Dazu passt eine Gedenkminute sehr gut und vielleicht könnte auch ein tägliches ökumenisches Gebet Trost spenden. Eine Einschränkung des Kulturprogramms rund um den Weihnachtsmarkt ist hingegen kontraproduktiv. Dadurch wird niemand getröstet, vielmehr entsteht der Eindruck, dass die Veranstalter durch diese Kürzung Geld sparen möchten, um mögliche Umsatzeinbussen auszugleichen. Am Ende wird der Umsatz aber wegen dieser Einschränkung mindestens so stark sinken, wie durch eine eher abstrakte Angst vor dem Besuch eines Weihnachtsmarktes. So bleibt nur zu hoffe, dass der Schaustellerverband seine Entscheidung noch einmal überdenkt.