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Kater Chiano ist erst seit einigen Wochen im Lüneburger Tierheim. Zusammen mit den anderen 55 Katzen wird er hier Weihnachten feiern. Ab 2. Januar dürfen die Tiere wieder vermittelt werden. Foto: t&w

Keine Tiere unterm Tannenbaum

Von Manuela Gaedicke
Lüneburg. Ricardo, Rolf und Püppi haben schon einen gelben Zettel. „Vorgemerkt“ steht darauf, dazu eine Notiz, ob die drei Katzen eher temperamentvoll oder schüchtern sind, ob sie Zeit brauchen oder zu den Tieren gehören, die unbedingt zwischendurch „mal raus“ müssen.

Raus aus dem Katzenhaus würden sicherlich gern einige der 55 wuscheligen Vierbeiner, die im Tierheim Lüneburg leben, auch wenn Tierpflegerinnen wie Tina Wunderling sich rührend um sie kümmern. Aktuell gibt es allerdings einen Vermittlungsstopp. Wie jedes Jahr zu Weihnachten, damit Tiere nicht unüberlegt unter dem Tannenbaum landen und ein paar Wochen später womöglich wieder zurückgebracht oder gar ausgesetzt werden.

„Lüneburger sind gute Tierschützer“

Die Aufklärungsarbeit der vergangenen Jahre hat offenbar Wirkung gezeigt. „Bei uns ist die Rücklaufquote sehr gering“, erzählt Tina Wunderling, Leiterin des Heims an der Bockelmannstraße. „Wir prüfen im Gespräch genau, wie die Gegebenheiten bei den Leuten zu Hause sind, ob sie Zeit für das Tier haben und über die finanziellen Mittel verfügen.“ Außerdem trage der Hundeführerschein, den es in Niedersachsen seit drei Jahren gibt, dazu bei, dass die Menschen sich mehr Gedanken machen.

Auch heute sind wieder viele da, die Hunde zum Gassigehen mitnehmen. Für sie ist das eine tolle Gelegenheit, um zu prüfen, „ob man einen Draht zueinander hat“, sagt Wunderling. Es gehe aber gar nicht nur um Hunde und Katzen, „jedes Lebewesen braucht viel Zuwendung“, sagt Geschäftsführerin Frauke Girus-Nowoczyn. Ein einzelnes Meerschweinchen, mit dem die Kinder nur in den ersten zwei Wochen spielen, verkümmere irgendwann. Gerade bei Familien müssten immer viele Dinge abgeklärt und die Entscheidung gut überlegt werden. „Insgesamt sind die Lüneburger aber gute Tierschützer, wir haben da wenig Probleme.“

Steigendes Verantwortungsbewusstsein

Auch die Zoohandlungen in der Stadt beobachten ein steigendes Verantwortungsbewusstsein. „Das ist vielleicht so ein Generationen-Ding“, sagt Darius Milcharkowsky, Marktleiter des Futterhauses. „Heute sind die Leute viel besser informiert und wissen meistens schon vieles aus dem Internet, wenn sie zu uns kommen.“ Spontankäufe von Hamstern, Mäusen und Meerschweinchen erlebe er vor Weihnachten gar nicht mehr. Auch einen „Boom“ wie nach dem Disney-Film „Findet Nemo“ habe es lange nicht mehr gegeben. „Das war schwierig damals. Alle wollten Nemo. Aber einen Salzwasserfisch kann man einem Siebenjährigen natürlich nicht einfach unter den Tannenbaum legen.“

Dass es dann eher der Käfig und das Zubehör sind, das an Heiligabend verschenkt werde, ist die Erfahrung von Friedrike Sech, Marktleiterin bei „Zoo&Co“ in Lüneburg. „Wenn eine Familie Weihnachten als Zeitpunkt wählt, dann versuchen wir es eigentlich immer so hinzukriegen, dass das Kind sich sein Herzenstier an den Tagen zwischen den Jahren selbst aussuchen kann.“ Insgesamt kämen zur Weihnachtszeit genauso viele Kunden wie sonst. „Wir haben auch schon über einen Verkaufsstopp vor den Feiertagen nachgedacht, auf der anderen Seite wollen wir den Menschen die Freude nicht vorenthalten“, sagt Sech, die sehr viel Wert auf eine ausführliche Beratung legt. Ist der Käfig groß genug? Sind sich die neuen Besitzer über die Kosten bewusst? Wissen sie über Risiken und Impfungen Bescheid?

Fragen, die auch im Tierheim gestellt werden, bevor die Vierbeiner zu einem neuen Herrchen oder Frauchen umziehen. Bis zum 2. Januar bleiben aber jetzt erst einmal alle 55 Katzen, 21 Hunde und drei Kaninchen an der Bockelmannstraße.

Hundeführerschein

Seit 1. Juli 2013 müssen Hundehalter in Niedersachsen ihre Sachkunde nachweisen. Seitdem ist für alle angehenden Hundehalter vor der Anschaffung eine Theorieprüfung Pflicht, in der 35 Fragen beantwortet werden müssen. In der praktischen Prüfung müssen sie zeigen, dass sie ihren Hund in der Öffentlichkeit führen können, ohne andere Menschen zu belästigen oder zu gefährden.