Dienstag , 25. September 2018
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Jens Kowald und Maja Gückel von der Flusslandschaft Elbe GmbH haben das neue Tourismuskonzept erarbeitet und vorgestellt. Foto: t&w

Premium-Wandern an der Elbe

Von Malte Lühr
Lüneburg. Die Flusslandschaft Elbe GmbH mit den Landkreisen Lüneburg und Harburg als Gesellschaftern hat ein neues Tourismuskonzept für die „Destination Flusslandschaft Elbe“ bis zum Jahr 2020 vorgestellt. Darin verschiebt sich der Schwerpunkt, auf den sich Gesellschaft und Akteure vor Ort künftig konzentrieren wollen. „Ging es in den ersten acht Jahren seit Gründung der Flusslandschaft Elbe GmbH darum, die Übernachtungszahlen zu steigern, wollen wir jetzt Qualität und Service in der Elberegion verbessern“, sagte Geschäftsführer Jens Kowald bei der Konzept-Präsentation im Lüneburger Kreishaus.

Laut Statistischem Landesamt ist die Zahl der Übernachtungen seit 2008 um 24 Prozent auf rund 380.000 im Jahr gestiegen. „Dieses Jahr erwarten wir einen Zuwachs um weitere sechs Prozentpunkte, so dass wir unter dem Strich auf eine Steigerung von 30 Prozent in acht Jahren kommen“, erklärte Kowald. Tatsächlich falle die absolute Zahl deutlich höher aus, da von insgesamt 400 Übernachtungsbetrieben nur rund 50 ihre Daten an das Landesamt meldeten. Vor allem kleine Betriebe mit weniger als zehn Betten fielen durchs Raster.

Naturliebhaber sind die Hauptzielgruppe

Ähnlich wie in der Lüneburger Heide sind Naturliebhaber auch an der Elbe die Hauptzielgruppe. Und ihnen soll künftig mehr geboten werden. „Wir haben eine so hohe Vielfalt an Landschaften auf dem relativ kurzen Abschnitt von rund 120 Flusskilometern, die es sonst nirgendwo gibt“, sagte der Flusslandschafts-Geschäftsführer. Erkunden Touristen diese Vielfalt derzeit vor allem per Rad und auf dem Wasser, soll künftig eine weitere Komponente hinzukommen: das Wandern. Dazu sollen in Gesprächen mit Kommunen, Verbänden und Grundeigentümern sogenannte Premium-Wanderwege entwickelt werden, so wie es sie unter anderem mit dem Heidschnuckenweg in der Lüneburger Heide schon gibt. Dabei geht es nicht wie früher um eine vorwiegend ältere Klientel. „Inzwischen entdecken auch immer mehre jüngere Menschen das Wandern für sich, man muss dazu längst nicht mehr in die Berge fahren“, hat Kowald beobachtet.

Doch das Anlegen von Wanderwegen ist nur eine von mehreren Maßnahmen, die die touristische Infrastruktur an der Elbe verbessern sollen. Ein weiterer Bestandteil der Qualitätsoffensive ist der Ausbau von Sportboothäfen und die Aufwertung oder Einrichtung von Promenaden entlang des Stroms. Ein Beispiel ist das erst jüngst im Wirtschaftsausschuss Bleckede vorgestellt Hafenkonzept mit geplanten Investitionen von 700.000 Euro. Doch auch die Häfen in Neu Darchau und Stöckte stehen auf der Agenda der Fluss-Touristiker.

Netz der zertifizierten Landschaftsführer

Enger gewebt werden soll künftig aber auch das Netz der zertifizierten Landschaftsführer und kultureller Veranstaltungen, die vor allem das Leben auf dem Land zum Inhalt haben. Regionales Kunsthandwerk zählt für Kowald ebenso dazu wie regionale Produkte aus den Arche-Betrieben, Geschichte und Geschichten, aber auch Musik.

Erarbeitet und abgestimmt hat Kowald das Konzept in enger Absprache mit Kommunen, Verwaltungen und den Unternehmen vor Ort. Und die müssen die Inhalte jetzt auch umsetzen. „Denn das“, sagte Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer, „kann die mit nur zwei Stellen ausgestattete Flusslandschaft Elbe GmbH nicht leisten.“ Deren Budget sei mit 120.000 Euro jährlich ohnehin knapp gehalten. Zudem diene das neue Tourismuskonzept auch dazu, Fördermittel einzuwerben, Antragssteller über die Ziele der Flusslandschaft Elbe zu informieren.

Ernst zu nehmender Wirtschaftszweig

Der Tourismus im ländlichen Raum hat sich laut Jens Kowald längst zu einem ernst zu nehmenden Wirtschaftszweig gemausert. Seine Aussage untermauert der Geschäftsführer der Flusslandschaft Elbe GmbH mit Sitz in Bleckede mit Zahlen des Statistischen Landesamtes. Demnach sind in den Kreisen Lüneburg und Harburg entlang der Elbe 1670 Menschen in Betrieben beschäftigt, die ihr Geld mit dem Tourismus verdienen und insgesamt rund 101 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. „Davon bleiben 49 Millionen Euro brutto in der Region“, sagte Kowald. Größte Beherbergungsbetriebe seien die Campingplätze, die auch von der steigenden Zahl der Wohnmobilisten profitieren.

One comment

  1. … eine „Qualitätsoffensive“, mit der „Aufwertung von Promenaden“ , „zertifizierten Ladschaftsführern“ und 30-prozentigen Zuwachsraten: die „Agenda der Fluss-Touristiker“ ist zweifellos beeindruckend. Ebenso der imposante, marketing-affine Jargon, der offensichtlich von der Präsentation des Tourismuskonzepts für die „Destination Flusslandschaft Elbe“ in den Artikel gewandert ist. Feine LZ-Ironie? Oder ernst gemeint? Wir wissen es nicht. Aber eins steht fest: Wandern reicht heute nicht mehr, es muss schon „Premium-Wandern“ sein. Geht es nicht vielleicht doch etwas schlichter, also im weiteren Sinne „natürlicher“? Und warum muss ich bei der Lektüre des Artikels samt „t&w“-Foto bloss immerzu an das Lüneburger Erfolgs-Format „Roten Rosen“ denken?