Dienstag , 25. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | Bienenbüttel | Bienenbüttel klagt gegen Ingenieurbüro
Pfusch am Bau: Im vergangenen Jahr musste das Pflaster der sanierten und umgestalteten Bienenbütteler Bahnhofstraße neu verlegt werden. Nicht der einzige Baumangel. Foto: phs

Bienenbüttel klagt gegen Ingenieurbüro

Bienenbüttel. Die unendliche Geschichte der neu gestalteten Bahnhofstraße in Bienenbüttel hat jetzt ein juristisches Nachspiel: „Die Gemeinde hat Klage gegen das Ingenieursbüro wegen Planungs- und Aufsichtsmängeln eingereicht“, erklärte Bürgermeister Dr. Merlin Franke am Montag in der Gemeinderatssitzung. Das Büro soll nun für die vielen Mängel am Bau einen Schadensersatz in Höhe von 350.000 Euro zahlen.

Die Straße im Zentrum des Ortes sorgte in den letzten Jahren für viel Ärger — nicht nur bei den Anliegern. Der nahm 2011 seinen Lauf, als die Straße neu gestaltet wurde: Barrierefrei und schöner sollte die Einkaufsmeile werden, rote Pflastersteine ersetzten grauen Asphalt. Doch schon ein Jahr später stand fest: Beim Bau wurde gepfuscht, die Ziegel müssen neu verlegt werden. Im vergangenen Jahr gab es dann für die Gemeinde und anliegende Geschäfte die nächste Hiobsbotschaft. Unterbau und Gossenbau müssen wieder erneuert werden, wieder war es ein Baufehler. Dabei stellte sich heraus, dass der Unterbeton nicht mit einer einheitlichen Stärke und Zusammensetzung hergestellt worden ist. Auch wurden Hohlräume unter der Rinnenanlage festgestellt. Und es mussten sogar noch Fehler aus der ersten Sanierung nachgebessert werden: Einzelne Steine lockerten sich, die Fahrbahn war uneben, das Wasser konnte nicht abfließen.

Die beauftragte Baufirma ist mittlerweile insolvent

Etwa 990.000 Euro kostete die Umgestaltung der Bahnhofs­staße damals. Da aber schon zum Ende der Bauarbeiten klar wurde, dass diese nicht ordnungsgemäß ausgeführt worden sind, zahlte die Gemeinde die volle Summe nicht. Die beauftragte Baufirma ist mittlerweile insolvent, noch bevor die Gemeinde Ansprüche geltend machen konnte. Doch trotz nicht bezahlter Rechnungen und einer Bürgschaft werden Mehrkosten auf die Gemeinde zukommen — momentan sind das etwa 150.000 Euro. „Es wird bei der Sanierung des Restteils aber noch steigen“, erklärte Franke auf LZ-Nachfrage. Beim unteren Teil der Bahnhofsstraße stehen die Sanierungen noch aus.

Dass diese Mängel nicht schon vorher erkannt wurden, könnte dem damals zuständigen Planungsbüro jetzt zum Verhängnis werden. Denn bei ihnen lag vertraglich die Bauaufsicht. Schon im vorigen Jahr wurden rechtliche Schritte geprüft, vor gut zwei Wochen ging im Landgericht Lüneburg die Klage ein. Gerichtspressesprecher Nicolas Uwe Vollersen erklärt zu den jetzt folgenden Schritten: „Die Klage ist dem Planungsbüro zugestellt worden. Das ist nun zu einer Stellungnahme aufgefordert.“ Vermutlich ließe sich in der zweiten Januarwoche mehr über den weiteren Verlauf sagen, dann sollten die Stellungnahmen eingegangen sein und es werde entschieden, ob es zum Prozess kommt. Das sei in solchen Fällen nicht unwahrscheinlich, meinte Vollersen.