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Wie soll der zusätzliche Güterverkehr bewältigt werden? Darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Lüneburg und andere Kommunen wehren sich gegen die sogenannte Alpha-E-Variante, durch deren Ausbau sie direkt betroffen wären.

Genossen auf Konfrontationskurs beim Thema Güterverkehr

Lüneburg. Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies hat es die Laune verhagelt angesichts der jüngsten Äußerungen aus der Region Lüneburg zur geplanten Alpha-E-Variante, mit der der zusätzliche Güterverkehr auf der Schiene in den kommenden Jahren bewältigt werden soll. „Das ist eine gute, ausgewogene Lösung für den ganzen Norden – für den Güterverkehr und für den Personenverkehr. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso Lüneburg einen Prozess, an dem es ein Jahr lang aktiv mitgewirkt hat, jetzt als ,nicht demokratisch legitimiert‘ bezeichnet. Ich weise darauf hin, dass der demokratisch gewählte Bundestag die abschließende Entscheidung über den Bundesverkehrswegeplan und damit auch über Alpha E getroffen hat“, kontert Lies die Forderungen, die Landrat Manfred Nahrstedt, Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge und die Bürgermeister aus Bardowick, Radbruch, Deutsch Evern, Bad Bevensen, Bienenbüttel und der Samtgemeinde Ilmenau erhoben hatten (LZ berichtete).

Haltung der Stadt Lüneburg für Lies nicht nachvollziehbar

Lies stellt klar: „Wir werden jetzt ganz bestimmt nicht wieder von vorne anfangen. Der Prozess der Bürgerbeteiligung geht weiter, aber jetzt reden wir nur noch über das Wie und nicht mehr über das Ob. Die Haltung der Stadt Lüneburg ist für mich unverständlich. Der Oberbürgermeister übersieht folgende, schlichte Wahrheit: Der Güterverkehr wird auf jeden Fall mehr werden. Wenn jetzt Alpha E wieder infrage gestellt würde, dann würde der Güterverkehr auf den vorhandenen Gleisen zunehmen – ohne jeglichen weiteren Lärmschutz und ganz sicher zulasten des Personennahverkehrs. Eine Blockadehaltung schadet also am Ende der Stadt.“ Im Januar wolle er Mädge in Hannover empfangen und im Februar nach Lüneburg reisen, um sich dort der Diskussion zu stellen.

Das Wirtschafts- und Verkehrsministerium verweist zudem auf die Mitschrift der Stellungnahme des Vertreters der Stadt Lüneburg am letzten Tag des Dialogforums Schiene-Nord, das am Ende die Variante Alpha E empfohlen hatte. Darin favorisiert die Stadt zwar den Neubau einer zweigleisigen Bahnstrecke entlang der A7, aber es heiße auch: „Also wir tragen grundsätzlich das Alpha E mit und zwar einschließlich des Ausbaus der Bestandsstrecke zwischen Lüneburg und Uelzen. Wir sind auch froh über die Bedingungen, weil Lärmschutz für Lüneburg ein großes Problem ist und wir hoffen, es mit den Bedingungen, die das Forum erarbeitet hat, auch lösen zu können.“ Ergänzend erhob die Stadt Forderungen zur Begrenzung der Güterzüge.

Das Ministerium weist darauf hin, dass im Dialogforum Ideen zum Trassenverlauf diskutiert und bewertet werden sollten. „Bei der ersten Sitzung wurde gefragt, welche Alternativen vom Gutachter zu bewerten seien. Die A7-Variante wurde da nicht genannt, sondern erst sehr viel später formuliert. Es gibt aber bis heute nicht mal im Ansatz eine ausgereifte A7-Lösung, weil es weder in Hamburg einen definierten und machbaren Beginn der Trasse gibt noch in Niedersachsen einen machbaren, definierten Endpunkt. Es gibt nur die Idee, mit einer Neubaustrecke die A 7 anzuschmiegen, wo im Übrigen ja auch Wohnbebauung betroffen wäre. Und die Forderungen aus Hamburg und Lüneburg sind keineswegs einvernehmlich: Während Lüneburg eine Neubaustrecke für den Güterverkehr wünscht (also eine Trassierung für geringe Geschwindigkeiten), fordert Hamburg eine Neubaustrecke für den Hochgeschwindigkeitsverkehr. Das lehnt Lüneburg aber vehement ab – wie zuvor die Y-Trasse.“

Mädges Rat an seinen Parteifreund

Mädge wertet anders: „Im Dialogforum kamen diejenigen, die nicht die Mehrheitsmeinung vertraten, nämlich die Vertreter der künftig vom Schienenlärm betroffenen Kommunen, so gut wie nicht zu Wort. Das empfinde ich als undemokratisch.“ Er stimme dem Wirtschaftsminister durchaus zu, dass Lüneburg den Prozess im Dialogforum begleitet habe. „Allerdings wehre ich mich dagegen, wenn er unterstellt, unsere Vertreter hätten ja die Chance gehabt, dort Position zu beziehen und sich aktiv in den Prozess einzubringen. Das Gegenteil ist der Fall.“

Der weiteren Entwicklung sehe er positiv entgegen: „Irgendwann muss die Deutsche Bahn die Katze aus dem Sack lassen und offenlegen, wie sie sich die Ortsumfahrungen der ansonsten vom Lärm der Güterzüge geplagten Kommunen vorstellt. Dann wird entweder deutlich, dass solche Umfahrungen technisch nicht funktionieren oder an Ortschaften entlanglaufen, die sich zuvor noch auf der Gewinnerseite der Diskussion wähnten. All diejenigen werden sich uns anschließen.“ Er rate seinem Parteifreund Olaf Lies, den Prozess „rechtzeitig zu einem allgemeinverträglichen Ergebnis zu führen – aus unserer Sicht am besten, indem er sich dem Vorschlag der Städte Lüneburg und Hamburg anschließt, eine lärmgeschützte und mindestens zweigleisige Trasse entlang der A7 für den Güterverkehr zu errichten“.

Von Alexander Hempelmann

6 Kommentare

  1. Betreff: „Bei der ersten Sitzung wurde gefragt, welche Alternativen vom Gutachter zu bewerten seien. Die A7-Variante wurde da nicht genannt, sondern erst sehr viel später formuliert. “

    Diese Aussage des Ministers ist schlicht falsch. Es lagen zur ersten Sitzung des Dialogforums im Februar 2015 zwei „Anregungen“ von Privatpersonen vor, die sich auch Gedanken zur Trassenführung, samt Anfangs und Endpunkte gemacht hatte.

    Zu finden sind die genannten PDFs noch auf der Internetseite des „Dialogforum am 13.02.2015“ unter „Anregungen“:

    1. Y-Trasse Autobahnvariante
    2. Autobahnvariante

    Direktlinks:
    http://www.dialogforum-schiene-nord.de/downloadcenter/download/d534fe5329218acdd7ddbf0ce4eab48c

    http://www.dialogforum-schiene-nord.de/downloadcenter/download/a7ea093be2d8ca21a33df736baeb78a6

    Wieso es die Autobahnvariante nicht in die Bewertung schaffte, obwohl sogar 2 Anregungen existierten weiss ich nicht. Eventuell kann sich noch einer der Beteiligten daran erinnern.

    Gutes Neues Jahr 2017

    Axel Müller

    • Ulrike Schnieder-Balke

      Könn se mir das ma genauer erklärn, Herr Müller? y, alfa/E, a39Variante? Ich steich da nich ordentlich durch nicht. Nurv die Frau Schöter-Pols, die hat unrecht, dass weiß ich von meim Mann.

      • Das ist nicht so einfach, es ist schlicht sehr viel Stoff. Alle Möglichen Optionen mit unterschiedlichen Untervarianten wurden untersucht. Diese alle irgendwie zusammenzufassen ist schwierig. Ich empfehle die hier bereits verlinkten PDFs zu lesen und dann bei Wikipedia gegenzulesen:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Y-Trasse_Hamburg/Bremen%E2%80%93Hannover

        Die von Lübeck geforderte Autobahntrasse entspricht in etwa der Variante 3 in der Karte. Der westliche Ast Verden-Walsrode würde entfallen, stattdessen dürfte es eine Verbindungskurve westlich von Soltau von der Altstrecke Bremen-Soltau-Uelzen (die sog. Amerikalinie) geben.

        Abschließend wäre vielleicht noch das VCD-Abschluss-Dokument, samt BVU-Kommentar im Anhang von Interesse:
        https://drive.google.com/file/d/0BwqXfxBJkatDb00yTzBsRVY5MnM/view

        Schöne Grüße

        AM

  2. …nur zu besseren Einordnung. Eine Trasse entlang der Autobahn war immer im Verfahren und wurde im Verlauf des Dialogforums auch entsprechend bewertet – und verworfen. Die Variante lief unter der Bezeichnung SGV-Y.

    Ansonsten finde ich als Teilnehmer des Forums die Aussagen aus dem Bereich Lüneburg erstaunlich, da man das Forum sicherlich an der ein oder anderen Stelle kritisieren kann, aber sicherlich nicht, dass es keine ausreichende Möglichkeit gab sich einzubringen. Vielleicht haben einzelne Vertreter eher darauf vertraut, dass eine so inhomogene und große Gruppe nicht in der Lage sein wird, einen Konsens zu erzielen. Das Dialogforum hat in zähem Ringen und letztlich mit überwältigender Mehrheit aber das Gegenteil bewiesen.

    Ein gutes und friedliches neues Jahr 2017.

    Olaf Muus
    Bürgermeister der Samtgemeinde Hanstedt

    • Sehr geehrter Herr Bürgermeister Muus,

      vielen Dank für Ihre Rückmeldung, leider kann ich den Inhalt allerdings nicht nachvollziehen. Unter dem Thema SGV-Y wurde eine Neubautrasse zwischen Celle sowie Jesterburg/Maschen untersucht. Celle ist von der A7 auf meinen Straßenkarten allerdings weit entfernt.

      Mit Wohlwollen kann ich eine Übereinstimmung mit der A7-Trasse im Norden zugestehen, aber im Südteil, ca. ab Höhe Soltau, entspräche der A7-Verlauf ziemlich genau dem Verlauf der ehemals geplanten Y-Trasse, die dort eben auch schon autobahnparallel verlaufen sollte.

      Aus meiner Sicht ist die A7-Variante die Ideallösung. Es werden nur wenige Anwohner gestört, es gibt keine neuen Zerschneidungen, der Bau könnte zusammen mit dem Ausbau der A7 koordiniert werden, was Kosten sparen würde und der verkehrliche Nutzen läge um Größenordnungen über dem Alpha-E, da die besonders wichtige Nord-Südverbindung ausgebaut werden würde.

      Billig wäre die Lösung natürlich nicht, aber das wäre ein 3. Gleis mitten durch Lüneburger Wohngebiete auch nicht. Eine Kosten-Nutzenrechnung plus Umweltanalyse hätten mich sehr interessiert, leider wurden sie nicht durchgeführt.

      Mit freundlichen Grüßen

      Axel Müller