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Aktuell fällt die Stadt Bäume bei Gut Wienebüttel, darunter sind kranke und befallene genauso wie gesunde Eichen. (Foto: nh)

Eine Eiche bringt rund 2000 Euro

Lüneburg. Wenn Bäume gefällt werden, noch dazu große, gesunde Eichen, dann blutet vielen Naturfreunden das Herz. Vor allem dann, wenn die Bäume den Charakter ihrer Umgebung prägen. So wie jetzt rund um Gut Wienebüttel. Deshalb erklärt Lüneburgs Forstamtsleiter Michael Stall den Hintergrund der Arbeiten.

„Es liegt im Wesen der Forstwirtschaft, dass auch Bäume geschlagen und wirtschaftlich verwertet werden“, sagt er. Und die Nachfrage nach dem Rohstoff Holz sei anhaltend hoch. „Das Material für die Möbel, die überall bei uns zu Hause rumstehen, muss ja auch irgendwo herkommen. Und ökologisch ist es ja auch viel gesünder und sinnvoller, als wenn überall Plastikmöbel herumstünden.“

Gefällt werden Bäume mit und ohne Makel

Zwar würden derzeit viele kranke oder vom Umsturz bedrohte Bäume gefällt, aber eben auch solche ohne jeden Makel. Eine gesunde Eiche stattlicher Größe bringe bei Festmeterpreisen von 500 bis 700 Euro schon mal rund 2000 Euro. Weise er dagegen bereits erste Fäule auf, seien es vielleicht noch 100 Euro für die Verwertung als Brennholz.

Entscheidend sei für ihn, wie der Rohstoff gewonnen werde. „Wir machen das nicht großflächig durch einen radikalen Kahlschlag“, stellt Stall klar. Stattdessen würden eher einzelne Bäume geschlagen, wenn sie eine „Zielstärke“ erreicht haben. Stall erklärt: „Bei einer Eiche bedeutet das, dass sie in 1,50 Metern Höhe etwa 80 Zentimeter dick sein sollte, dann ist sie sozusagen reif. Zur Einordnung sei gesagt, dass eine Eiche in 15 Jahren etwa fünf Zentimeter Umfang zulegt.“

Gratwanderung zwischen Ökologie und Ökonomie

Er wisse aber: „Es ist immer eine Gratwanderung zwischen Ökologie und Ökonomie.“ Denn wenn man einen Baum letztlich doch stehen lasse und er zwei, drei Jahre von Fäule oder einem Pilz befallen wird, bedeutet das auch einen finanziellen Verlust. Er, seit nunmehr 31 Jahren im Amt, und seine Mitarbeiter würden auf Erfahrungswerte setzen. Das Prinzip dabei: „So alt und dick wie möglich, aber eben noch nicht entwertet. Aber wir haben auch den Grundsatz, dass wir in jedem Hektar Wald mindestens zehn alte Bäume stehen lassen und gar nicht verwerten.“

Trotz Fällungen und Verwertung wachse der Wald in Lüneburg. Stall sagt: „Nur 80 Prozent dessen, was mengenmäßig jedes Jahr neu gepflanzt wird, wird pro Jahr gefällt.“ Gerade erst wieder würden im Bereich der Il­menauaue nahe der Teufelsbrücke in der Roten Schleuse 6350 Eichen und 475 einheimische Straucharten gepflanzt.

Von Alexander Hempelmann