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Dieses ostfriesische Milchschaf hat den Angriff des Wolfes überlebt, im Gegensatz zu drei seiner Artgenossen. Außerdem wurden in derselben Nacht noch zwei Kamerun-Schafe gerissen. Foto: kre

Wolf reißt fünf Schafe in Kirchgellersen

Kirchgellersen. Und wieder hat ein Wolf zugeschlagen und Schafe gerissen: Dieses Mal am Ortsrand von Kirchgellersen. Ein Anwohner hatte mehrere tote Tiere am ersten Weihnachtsfeiertag morgens beim Spaziergang mit seinem Hund auf der eingezäunten Weide am Putenser Weg entdeckt. Für den Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, keine wirkliche Überraschung. „Das musste früher oder später ja so kommen!“, sagte er gegenüber der LZ. Dass die Landesregierung den Wolf nach wie vor unter strengen Schutz stellt, kann der Mann nicht nachvollziehen. Tierhalter Ole Seelenmeyer will den Schutz seiner Anlagen nun verbessern.

Auf wenig Sympathie stößt der Wolf auch bei Kirchgellersens Bürgermeister Jürgen Hövermann (CDU), im Hauptberuf Landwirt. Er fordert: „Der Wolf muss ins Jagdrecht aufgenommen werden!“ Hövermann kann die Politik in der Wolfsfrage ohnehin nur schwer verstehen: „Einerseits fördert die Politik Maßnahmen, damit wieder mehr Nutztiere auf die Weide kommen, auf der andern Seite aber unternimmt sie nichts gegen den Wolf.“ Im Gegenteil: „Der Wolf genießt alle Rechte!“

Abschuss bedeutet Verstoß gegen geltendes Recht

Tatsächlich ist der Wolf eine international und national streng geschützte Tierart, der Abschuss wäre also ein Verstoß gegen geltendes Recht. „Eine Aufnahme ins Jagdrecht ist auch theoretisch wahrscheinlich nicht möglich, da dies einem Gutachten des Bundesamtes für Naturschutz zufolge einen Verstoß gegen die Verfassungsmäßigkeit darstellt“, heißt es aus dem Umweltministerium in Hannover. Auch die Aufnahme des Wolfs ins Länderjagdrecht würde an dem strengen Schutzstatus des Tieres nichts ändern, eine Bejagung wäre laut Einschätzung von Juristen auch dann rechtlich nicht möglich. Im April hatte der niedersächsische Landtag einen entsprechenden Vorstoß der FDP abgelehnt, zumal sich zuvor in einer Landtagsanhörung weder Landesjägerschaft noch Landvolk oder Schafzüchter für eine Aufnahme des Räubers ins Jagdrecht ausgesprochen hatten (LZ berichtete).

„Auch wirals Land sind aber gebundenan einen überkandidelten Artenschutz.“ Stephan Weil, Ministerpräsident

Risse nehmen zu

Doch in den vergangenen Wochen und Monaten nehmen die Meldungen über Wolfsrisse in der Lüneburger Region zu und inzwischen mehren sich Stimmen, die fordern, den Wolf zum Abschuss freizugegeben. Die Sorgen der Bevölkerung sind spätestens Ende vergangener Woche auch bei Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) angekommen: Der hatte sich zum Gedankenaustausch mit Uelzens Landrat Dr. Heiko Blume getroffen. Ein Thema: die Rückkehr des Wolfes.

Die allseits gewollte Weidetierhaltung sei zunehmend erschwert, erklärte Blume. Kinder würden nach Einbruch der Dunkelheit mancherorts nicht mehr allein auf die Straße gelassen und teilweise würden in Kindergärten keine Waldtage mehr durchgeführt. Dies, so der Landrat wörtlich, sei „nicht hinnehmbar“.
Stephan Weil äußerte Verständnis für die Ängste. „Das Thema Wolf ist bei mir angekommen“, versicherte der Ministerpräsident den Teilnehmern der Gesprächsrunde und setzte nach: Das Problembewusstsein sei auch im Umweltministerium sehr ausgeprägt.

Land will Situation verbessern

Um die Situation sowohl für die Weidetierhalter in der Region als auch für die Gesamtbevölkerung zu verbessern, werde das Land alle Spielräume nutzen, die sich trotz der strengen rechtlichen Vorgaben böten. „Eine Regulierung des Bestandes war auch mein erster Gedanke!“, gestand Weil, schränkte dann aber ein: „Auch wir als Land sind aber gebunden an einen überkandidelten Artenschutz“. Er könne daher keine Versprechungen abgeben, die nicht umsetzbar seien.

Den gerissenen Schafen von Ole Seelenmeyer in Kirchgellersen insgesamt fünf an der Zahl würde das sowieso nicht mehr helfen. Gestern war ein Freund des Schafhalters dabei, mit Pflöcken den Zaun weiter zu sichern. Außerdem haben Seelenmeyer und sein Bekannter ein Gatter im Gatter gebaut, das jetzt auch mit einem Stromzaun gesichert werden soll. Als Nächstes will Seelenmeyer zudem noch sein gesamtes Areal mit Spezialdraht mit Untergrabungsschutz sichern eine „Heidenarbeit“, schwant es Seelenmeyer schon jetzt. Doch dem Verleger einer Musikzeitung bleibt nichts anderes übrig, weil er nicht auch die letzten Tiere an den Wolf verlieren möchte. Denn bereits im Februar und im Jahr davor hatte Seelenmeyer schon Wolfs-Besuche im Gatter. „Es reicht!“, sagt Seelenmeyer.

Von Klaus Reschke

20 Kommentare

  1. wenn ich bein schlachter war und mein kofferraum mit fleisch voll ist und ich dann mein auto auf einen parkplatz abstelle, natürlich die kofferraumklappe weit geöffnet, ob dann noch fleisch vorhanden ist, wenn ich nach ein paar stunden vom einkaufen zurückkomme?

  2. Tom Schulze-Helmke

    Schade um die Schafe. Aber wenn erst jetzt nach dem 3. Vorfall der Zaun nachgebessert wird ist das auch nicht in Ordnung. Und Ministerpräsident Weil: Es gibt keinen „überkandidelten Artenschutz“. Es gibt nur eine Natur die nicht automatisch den Interessen der Landnutzer geopfert werden darf.

    • Ich glaube und hoffe dass Sie mit ihrer Ansicht einer Minderheit angehören mit der leider kaum eine ernsthafte Diskussion geführt werden kann und Sie sich von schlagkräftigen Argumenten gegen Ihre Ansichten auch nicht überzeugen lassen. Diese aus meiner Sicht „vermeintliche Minderheit“ bezeichne ich immer als Romantiker, die im wahren Leben noch nicht ganz angekommen sind. Sorry – aber ist mein Standpunkt.

    • Wollen wir hoffen, dass wir nicht erst so lange wie bei den Kampfhunden warten, bevor wir etwas unternehmen. Zur Erinnerung: damals musste erst ein Kind zu Tode kommen.
      Wer sich für den 100%igen Schutz der Wölfe in von Menschen dicht besiedelten Gebieten einsetzt sollte sich einmal mit der Vermehrung dieser Spezies beschäftigen, welche hier keine natürlichen Feinde aber immer genug Nahrung hat.

      • Tina
        wenn man nicht ständig den wölfen ihre nahrung wegballert und im gleichen atemzug ihm ungeschützt fleischtheken zur verfügung stellen würde, wäre garnichts los.
        ihr zitat:welche hier keine natürlichen Feinde aber immer genug Nahrung hat. wer die natur schädigt , darf sich nicht wundern. wäre sie intackt , gäbe es auch bären , aber bruno wurde ja gleich erschossen. der wolf jagt übrigens auch waschbären. diese können richtigen schaden anrichten. der wolf, dein freund und helfer. schmunzel. rotkäppchens großmutter hatte übrigens überlebt.

        • Herr Bruns, wenn man von etwas keine Ahnung hat, einfach die …

          • @Eratosthenes
            Ich stimme zu 100% zu. Es ist hier kaum zum Aushalten. Keinerlei Fachwissen zu den Themen hier,aber ständig dumme Kommentare und den Anhang *schmunzel* zu Tausenden dahinter gekritzelt.

            „….der wolf jagt übrigens auch waschbären……..“

            Ohne diese tiefgreifenden und hochspirituellen „Ergüsse“ wären wir dumm.

          • Eratosthenes
            stimmt, wenn es immer nur die es täten, die es besser tun sollten. jäger tun es zum beispiel nicht.

          • https://wildbeimwild.com/2015/08/18/genf/comment-page-1/

            Eratosthenes, ich hoffe sie haben sich bei diesem thema, was übrigens schon über jahre geht, genau so schlau gemacht, wie ich. sie verhalten sich gerade mir gegenüber so, wie rechte, die nicht mehr weiter wissen. dem anderen wissen abzusprechen, ohne ein argument zu liefern ,ist in deren kreisen auch üblich.

        • Herr Bruns,
          „…wenn man nicht ständig den wölfen ihre nahrung wegballert..“

          Das ist völliger Unsinn, auch Sie sollten wissen, das Wölfe – wie alle
          Raubtiere dieser Erde – Opportunisten sind, d.h. sie gehen das geringst mögliche Risiko für maximalen Gewinn ein.
          Und das sind nunmal Nutztiere!!!
          Warum wurden denn in all den letzten Jahrhunderten die Wölfe in Westeuropa dezimiert? Weil sie den Adligen das Wild auffraßen?
          Das war bestimmt nicht der Hauptgrund, sondern eher wegen der Verluste der Bauern und Grundbesitzern.
          M.E. gehören Wölfe zur Fauna dazu, aber nicht in unseren zersiedelten Breitengraden wo gar kein Platz für so viele Wölfe ist.

  3. Die Kommentare meiner Vorredner zeugen von einer tiefen Verachtung für den ländlichen Raum. Diese Verachtung teilen sie mit dem grünen Umweltminister. Wenn der Fetisch Wolf über die öffentliche Sicherheit gestellt wird, nimmt der Staat die aus dem Gewaltmonopol hergeleiteten Verpflichtung nicht wahr. Ich würde den Verantwortlichen empfehlen sich die Gesetzeslage noch einmal genau anzuschauen. Frankreich und die Schweiz haben die selben Verträge unterschrieben und sind trotzdem handlungsfähig.
    Sollten jedoch lupophile Misanthropen wie meine Vorredner der Handlungsmaßstab sein, sehe ich für den ländlichen Raum schwarz.

    • Oh Schäfer Willi , warum schützt ihr denn nicht gleich richtig ? überall das gleiche erst nach dem 3 oder 4 Riss wird richtig geschützt und dann steht nichts mehr in der Zeitung . Schütz kostet ja aber im Wolfsgebiet wird sogar 100% der Kosten erstattet . Ich höher seit 16 Jahre Wolf nur immer geht nicht aber alle Kernen es wenns ins Geld geht und siehe da kein Riss mehr . Der Mensch muss erst wieder lernen mit den Wolf zu leben und das bitte jetzt sehr schnell 26 Jahre nur zuschauen und Jammern bringt nichts .Such der Schrei nach den Jäger ist Unsinn da ein Jäger den Wolf wenn er im Jagdrecht ist auch Pflegen und Hegen muss was schon beim Schwarzwild jämmerlich versagt hat das jetzt schon Jäger nach den Wolf schreien . PS 550 Wölfe sollen es sein bei uns . Kein Gesetzt der Welt würde eine Ausrottung erlauben vielicht mal paar wie in Frankreich aber auch da ist zu beobachten das die Risse stark zunehmen wegen der Jagt . Eigentlich kennen wir alle das vom Wildschwein bzw Bieber je mehr Geschossen wird um so mehr Welpen weil die Natur nachsteuert

    • Detlev Behrens

      Ach Willi, „tiefe Verachtung für den ländlichen Raum“ zu konstatieren ist doch, mit Verlaub, grober Unsinn.

      Als Nutztierhalter (sollte!) man um die neuerliche Existenz des Wolfes wissen und seine Tiere dementsprechend schützen – das gehört zur so genannten Daseinsvorsorge, bzw. zur Sicherung gegen Betriebsrisiken. Die Vorsorge nicht zu treffen ist fahrlässig und wird ja sogar staatlicherseits durch Ausgleichszahlungen honoriert.

      In vielen anderen Lebenslagen würden Sie den Geschädigten ja auch sagen, dass sie sich doch gefälligst selber absichern sollen, wenn ein Risiko besteht. Nur wenn es um Wölfe geht, dann ist es opportun, „Abschuss!“ zu schreien. Da haben die Gebrüder Grimm bei ganzen Generationen saubere Arbeit geleistet…
      Nennen Sie uns doch bitte mal die BESTÄTIGTEN Fälle in den letzten 200 Jahren weltweit, in denen ein Wolf Menschen angegriffen hat. Das sind nicht viele. Wenn Sie daraufhin den Wolf „abschaffen“ wollen, dann müssen Sie auch Fahrzeuge abschaffen wollen, denn über 3.000 Verkehrstote allein in der BRD sind dann auch Grund genug – vom den durch Fahrzeuge verursachten Sach- und Gesundheitsschäden ganz abgesehen.

  4. Christian Schmidt

    Mir fehlt die Meldung zum mutmaßlichen Wolfsriss am Tiergehege Kreideberg.
    Wird die LZ dazu noch berichten?

  5. Jubo
    30. Dezember 2016 at 15:32

    Oh Schäfer Willi , warum schützt ihr denn nicht gleich richtig ?
    der grund ist einfach, es geht um das geld. wölfe erschießen ist billiger. die schafe bleiben dann bis zum ,,ernten ,, am leben, es frißt sie ja dann nur noch der mensch. gut, aus resten wird noch hundefutter gemacht. auch damit kann man noch viel geld verdienen. frißt der wolf was weg, klingelt es eben weniger in der eigenen tasche.

  6. Natürlich ist es nicht schön, wenn einem die Haustiere von einem Wildtier getötet werden. Besonders wenn es nur eine Hobby-Haltung ist. Beim gewerblichen Züchter ist das doch „nur“ der wirtschaftliche Verlust. Die Tiere werden ja doch früher oder später geschlachtet.
    Was mich aber wundert, warum machen die Geflügelhalter nicht so ein Geschrei, wenn der Fuchs oder Mader zugeschlagen hat? Natürlich sind auch die wütend. Aber sie wissen auch, dass man die Tiere, die Nacht über in den Stall sperrt, um genau sowas zu vermeiden. Und für einen Hobby-Halter mit fünf Schafen sollte es doch möglich sein, die Tiere über Nacht einzusperren.
    Sicherlich war es vor dem Wolf bequem, man brauchte sich ja nicht um seine Schutzbefohlenen kümmern. Und wenn denn mal ein wildernder Hund ein Schaf gerissen hat, wurde ja auch gleich ein riesen Trara gemacht. Nach dem Motto: „Es muss doch alles 100% sicher sein“. Die Haustür schließt man doch auch ab, damit die Diebe fern bleiben und knallt nicht gleich Jeden über den Haufen, weil er zu nahe gekommen ist.
    Evtl. muss man die Wölfe durch geeignete Maßnahmen aus manchen Gebieten vertreiben, wenn sie zu aufdringlich werden. Aber gleich eine allgemeine Abschusserlaubnis zu erteilen ist sicher nicht die richtige Lösung.

    PS: Der Wolf hat keinen natürlichen Feind, außer dem Menschen.