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Elke Frost, Vorsitzende der Lüneburger Bürgerstiftung, zeigt Oberbürgermeister Ulrich Mädge den Baufortschritt des Rote-Hahn-Stifts. Der dritte Abschnitt der Sanierung ist jetzt beendet worden, im Frühjahr sollen noch Innenhof und Scheune gestaltet werden. Foto: t&w

Rote-Hahn-Stift — ein Zuhause für Künstler

Lüneburg. Seit 1478 hat der Rote Hahn immer wohltätigen Zwecken gedient. Eine Zeit lang soll das historische Gebäudeensemble im Wasserviertel aber auch eine schlechte Adresse gewesen sein. Das weiß Elke Frost, Vorsitzende der Lüneburger Bürgerstiftung und verantwortlich für die Restauration und Sanierungen des Baudenkmals an der Rote-Hahn-Straße, genau. „Da wollte keiner wohnen.“ Der dritte von vier Bauabschnitten ist geschafft, schon jetzt ist der Rote-Hahn-Stift wieder ein belebter Ort. Die Baukosten liegen aktuell bei 1,5 Millionen Euro, 2013 war noch von einer Million die Rede. Sieben Menschen haben nun mitten in der Lüneburger Innenstadt ein Zuhause erhalten allesamt sind Künstler mit kleinem Geldbeutel.

Es mussten mehr neue Wände gezogen werden als geplant

Wer den runden Torbogen durchquert, steuert geradewegs auf die beiden Gebäudeteile zu, die in diesem Jahr modernisiert wurden. Bis auf einige böse Überraschungen seien die Arbeiten glatt gelaufen, sagt Frost. So habe beispielsweise zwischen den beiden Gebäudeteilen die Statik nicht mehr gestimmt, auch mussten mehr neue Wände gezogen werden als geplant. Fassaden mussten saniert, Fachwerke instandgesetzt, Mauerwerk ausgebessert werden. Außerdem wurden Dächer erneuert, Trennwände entfernt, um große helle Räume zu erzeugen, Fenster repariert und teilweise neu eingebaut. Im „Stipendiatenhaus“, dem linken der beiden jetzt fertig gestellten Gebäudeteile, ist zudem eine zweigeschossige Atelierwohnung entstanden. In zwei Wochen zieht der letzte Künstler ein, ein Stipendiat der Uwe-Lüders-Stiftung. Nebenan wohnt schon seit sechs Wochen ein kreativer Kopf.

Elke Frost, Vorsitzende der Lüneburger Bürgerstiftung, steht im Eingang der Hausnummer 16 b. In zwei Wochen zieht dort ein Maler ein, nebenan wohnt bereits seit einigen Wochen ein Künstler.  Foto: t&w
Elke Frost steht im Eingang der Hausnummer 16 b. In zwei Wochen zieht dort ein Maler ein, nebenan wohnt bereits seit einigen Wochen ein Künstler. Foto: t&w

Wie berichtet, gehört der Rote Hahn seit 2005 der Lüneburger Bürgerstiftung. Die mittelalterlichen Gebäude drohten zu zerfallen, deshalb beschloss die Stiftung, die vom Rat der Stadt gegründet wurde, kurzerhand den Roten Hahn zu retten. Einen starken Partner fand sie in der Stadt, die sowohl Fachkompetenz als auch finanzielle Mittel zur Verfügung stellte. Doch trotz der Finanzspritze der Stadt, Mitteln aus dem Topf der städtebaulichen Förderung fürs Wasserviertel und einem Kredit der NBank musste noch eine Lücke von rund 300000 Euro geschlossen werden, denn der Zahn der Zeit hatte dem Wohnstift stärker zugesetzt als anfangs angenommen. „Wir haben 100 Zustifter gefunden“, sagt Elke Frost stolz. Darunter seien kleinere Spenden in Höhe von 5 Euro, aber auch große Zuwendungen.

Im kommenden Jahr soll wieder Ruhe einkehren

2013 wurden Restaurierungs- und Sanierungspläne entworfen, außerdem vier Bauabschnitte entwickelt. Rund 520000 Euro hat der erste Bauabschnitt gekostet, der 2014 abgeschlossen wurde. 460000 Euro wurden in die zweite Etappe gesteckt, die ebenfalls ein Jahr gedauert hat. Jetzt ist der dritte Abschnitt abgeschlossen, die Kosten belaufen sich hierbei auf 360000 Euro.
Die letzten Arbeiten betreffen jetzt noch den Hof und die Scheune. Der Kostenvoranschlag beziffert 60000 Euro, das Bauvorhaben hat die Bürgerstiftung aber jetzt erst ausgeschrieben. „Die finalen Kosten können wir deshalb noch nicht absehen“, sagt die Stiftungsvorsitzende. Im Frühjahr sollen die Arbeiten starten, die Scheune zur sommerlichen Galerie, einige historische Wände und der Wasserabfluss des Hofes ausgebessert werden. Außerdem arbeite eine Gruppe von Leuphana-Studenten an einem kleinen Garten, sagt Elke Frost. Im nächsten Jahr soll für die Bewohner des Rote-Hahn-Stifts wieder Ruhe einkehren. Denn vier Wohnparteien mussten den Baulärm über vier Jahre aushalten.

Neben dem Mieterkonzept, das Wohnungen für Künstler bereithält, die noch nicht den großen finanziellen Durchbruch erlangt haben, sind auch Kooperationen entstanden. Die Kulturbäckerei stellt beispielsweise Ateliers zur Verfügung, auch das Theater konnte als Partner gewonnen werden. „So haben wir immer eine Wohnung, wenn die Spielzeit zu Ende ist“, sagt Elke Frost. So habe man zurzeit nicht nur chinesische Tänzerinnen in den 40 bis 70 Quadratmeter großen Wohnungen unterbringen können, sondern auch Maler, einen Schlagzeuger und eine Kinderbuch-Illustratorin.

Mehr zum Projekt der Bürgerstiftung erfahren Interessierte bei Elke Frost, Tel.: (04131)47634.

Von Anna Paarmann