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Grabungsleiterin Anja Rutter und Bezirksarchäologe Dr. Mario Pahrlow auf dem Feldherrenhügel aus aufgeschüttetem Mutterboden. Foto: dth

Archäologen auf Spuren Heinrichs des Löwen

Bardowick. Schriftliche Überlieferungen zur Zerstörung Bardowicks im Jahr 1189 durch Herzog Heinrich den Löwen gibt es zuhauf. Nun könnten Experten auch den ersten archäologischen Beleg für den Untergang des damals prosperierenden Handelsplatzes entdeckt haben. Laut dem Lüneburger Bezirksarchäologen Dr. Mario Pahlow vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege sei dies zwar noch sehr spekulativ, läge aber zumindest im Bereich des Möglichen.

Ausgrabungen in Bardowick

Aufschluss sollen weitere Untersuchungen geben. Fest steht, dass die umfangreichen Grabungen auf dem künftigen Baufeld einer geplanten Seniorenresidenz im Bardowicker Altdorf ein neues wichtiges Puzzlestück sind bei der Ergründung der Geschichte der mittelalterlichen Stadt Bardowick.

Grabungen oft erst durch Bauvorhaben Dritter möglich

Auch in Bardowick können Archäologen nur selten dort graben, wo sie sich die meisten Erkenntnise versprechen, sondern sind meist darauf angewiesen, dass Dritte ein Bauvorhaben umsetzen wollen. Dann schlägt die Stunde der sogenannten Rettungsarchäologie. Unter Zeitdruck wird der künftige Bauplatz auf archäologische Besonderheiten untersucht und dokumentiert, bevor wichtige Funde, die Aufschluss über vergangene Zeiten geben könnten, unwiderbringlich in der Baugrube verschwinden. Die Ausgrabungsstätte an der Großen Straße in Bardowick auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei erstreckt sich über rund 4000 Quadratmeter.

„Das deutet darauf hin,dass da eine ganze Weile Menschengelebt habenund dann … hat‘s gebrannt.“
Anja Rutter, Grabungsleiterin

Hoffnung auf reichhaltige Funde hatte die zurückliegende Grabung auf dem Nachbargrundstück des heutigen Lidl-Marktes geweckt. 2012 fand der damalige Bezirksarchäologe Jan Joost Assendorp dort Hinweise auf eine mittelalterliche Münzprägestätte: In einem von acht entdeckten Ofenstandorten, der zu einem Schmelztiegel gehörte, wurden bei einer metallurgischen Untersuchung durch die Uni Hannover Silber- und Kupferreste ausgemacht. Offensichtlich wurde das Material zur Münzprägung verwendet, die entsprechenden Münzen selbst fanden die Archäologen aber nicht. Dafür aber eine Klappwaage, ein Arbeitswerkzeug für Silberschmiede oder -händler.

Hohe Funddichte auf Lidl-Grundstück

Die Funddichte auf dem Lidl-Grundstück war seinerzeit derart hoch, dass das jetzige Grabungsteam aus sechs bis zehn Kräften bei der neuen Fläche rund 1000 Fundstücke erwartet hatte. „Wir sind jetzt bei knapp 500“, sagt Grabungsleiterin Anja Rutter ernüchtert. „Im Vergleich ist es eher wenig, aber wir haben noch nicht alles aufgemacht.“ Aber das, was Rutter und ihr Team bisher gefunden haben, ist nicht weniger bemerkenswert.

Unter den Funden sind beispielsweise Scherben dickwandiger Gebrauchskeramik, handgeformt aus grobem Ton, sowie Reste von feinerer Keramik mit Verzierungen. „Bei Letzterem handelt es sich meistens um Importware“, sagt Bezirksarchäologe Pahlow. Zur zeitlichen Einordnung der groben Gebrauchskeramik sagt Rutter: „Die findet man jahrhundertelang, von der Bronzezeit in der Levante bis weit ins Mittelalter.“

Anfangs sammelten die Wissenschaftler sogar noch haufenweise Knochen auf dem Gelände ein. Doch leider gab es keine Entsprechung zu dem berühmten altsächsischen Gräberfeld von Rullstorf, bei dem die Überreste von Pferden als Grabbeigaben entdeckt worden waren. Vielmehr eröffnete eine Anwohnerin in Bardowick den Forschern, dass ihre Großeltern in jüngerer Zeit dort Schlachtabfälle entsorgt hatten. Passiert.

Zudem entdeckten die Archäologen mehrere Baumstamm-Brunnen, ausgehöhlte Baumstämme, die als Brunnenschacht in die Erde gesetzt wurden. Teilweise räumte das Grabungsteam das Gelände um die Brunnenfunde über zwei Meter tief ab bis sie auf Grundwasser stießen. Rutter: „Normalerweise sind Brunnen wunderbare Fundlagerstätten, weil das Sediment da drinnen feucht ist. Da erhalten sich auch organische Sachen. Drüben hatten wir Seile gefunden und Lederstücke, aber hier ist nichts. Wirklich nichts.“ Rätsel gibt den Bodenforschern noch etwas ganz anderes auf: der „Zerstörungshorizont“.

Hinweise auf Siedlungsaktivität

Rutter: „Das ist nur eine erste Interpretation, aber wir haben mehrfach diffuse Flecken beobachtet, die viel Holzkohle enthalten, also etwas, was verbrannt ist, und unglaublich viele Tiergänge, als ob eine Weile keine Leute dagewesen wären, die den Biestern Einhalt geboten hätten.“
In den Bodenschichten darunter gebe es aber relativ scharf umrissene Gruben, die auf eine rege Siedlungsaktivität hinwiesen. „Das deutet darauf hin, dass da eine ganze Weile Menschen gelebt haben und dann hats gebrannt. Mehr wissen wir erstmal nicht, aber es hat offenbar an mehreren Stellen gebrannt.“

Dass der Zerstörungshorizont dem Bardowicker Schicksalsjahr 1189 und damit der Zerstörung des Ortes durch Heinrich den Löwen zuzurechnen sein könnte, sei nach den Worten des Bezirksarchäologen Pahlow eine naheliegende Assoziation. Aber: „Ohne eine Auswertung können wir das nicht sagen. Wir müssen uns nach der Grabung die Keramik anschauen, sowohl aus dem unzerstörten Bereich sowie aus dem Zerstörungshorizont, in Erfahrung bringen, von wann sie datiert.“ Dazu haben die Archäologen Boden- und Holzkohleproben genommen. Doch deren Untersuchung wird dauern.

Zudem müssen die Erkenntnisse mit anderer Grabungen verglichen werden für eine genauere Einordnung. Pahlow: „Man kann Bardowick als ein großes Puzzle verstehen. Jede Ausgrabung ist ein Mosaikstein, den wir ins Gesamtbild einsetzen.“

Von Dennis Thomas

Leonis Vestigium

Als Warnung über die Jahrhunderte soll die noch heute vorhandende Löwen-Figur am Portal des Bardowicker Doms verstanden werden, ergänzt um die Worte „Leonis Vestigium“, des Löwen Spur. Herzog Heinrich der Löwe soll die Türme, Befestigungsanlagen und herrschaftlichen Bauten Bardowicks 1189 niedergerissen haben, nachdem die Bewohner ihrem Herzog nach dessen Verbannung ins Exil durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa die Treue verweigert hatten.

Der Sage nach haben die Bardowicker von der Stadtmauer aus dem Herzog die blanken Hintern gezeigt. Im Zorn darüber soll der die einst stolze Stadt 1189 zerstört haben. Der Untergang Bardowicks 1189 ist unstrittig, nur über den tatsächlichen Hergang weiß man wenig. Bisherige archäologische Grabungen konnten allenfalls Schlaglichter auf die Entwicklung werfen.

Tatsache ist jedoch, dass Bardowick seit dem Ende des 12. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung verlor und die Rolle als Handelsplatz mit den Slawengebieten im Osten von Lübeck übernommen wird. dth

2 Kommentare

  1. Der Sage nach haben die Bardowicker von der Stadtmauer aus dem Herzog die blanken Hintern gezeigt.
    ob man bei den ausgrabungen noch einen blanken mors finden wird? es soll ja alles so schnell gegangen sein, als ein esel dem feind die furt zeigte. es war einfach keine zeit mehr , sich die hose wieder hochzuziehen. schmunzel.