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Sabine Reckermann, Geschäftsführerin des DRK-Ortsvereins Lüneburg-Stadt, zeigt, was die Ehrenamtlichen der Kleiderkammer in der nächsten Zeit sortieren müssen. Foto: t&w

Altkleider: eine zweite Karriere für die Mode

Lüneburg. Nach dem Start ins neue Jahr oder mit Blick aufs Frühjahr nimmt sich mancher Kleiderschrank oder Kommoden vor, um Garderobe auszusortieren. Doch wohin mit der Kleidung? Anlaufstellen können karitative Organisationen sein, die die Spenden dann für Bedürftige und Menschen mit geringem Einkommen bereitstellen. Die LZ nennt einige Beispiele.

Die Pioniere des Diakonieverbandes

„Wir waren der erste Kleiderkeller in Lüneburg, 1947 wurde er als sogenannte Mütterhilfe eingerichtet“, sagt Inge Peterson, die den Kleiderkeller des Diakonieverbandes Nordostniedersachsen im Haus der Kirche An den Reeperbahnen betreut. Immer montags von 9 bis 11 Uhr sowie donnerstags von 16 bis 18 Uhr ist er geöffnet, hat Baby- und Kinderkleidung sowie Garderobe für Erwachsene, Schuhe, Bettzeug und Handtücher im Angebot. Die Spendenbereitschaft sei gut, aber nicht alles, was abgegeben werde, ist auch im angemessenen Zustand, wie Inge Peterson umschreibt. „Aber überwiegend wird gepflegte, zeitgemäße Kleidung gespendet, die dankbar von den Besuchern des Kleiderkellers angenommen wird.“

Andrea Henkel (l.), Galina Schreiner und Berthold Schweers räumen die Waren im „Sozialen Kinderland“ ein, das sich jetzt im ökumenischen Gemeindezentrum St. Stephanus befindet. Foto: t&w
Andrea Henkel (l.), Galina Schreiner und Berthold Schweers räumen die Waren im „Sozialen Kinderland“ ein, das sich jetzt im ökumenischen Gemeindezentrum St. Stephanus befindet. Foto: t&w

Ebenfalls An den Reeperbahnen öffnet das Deutsche Rote Kreuz dienstags und mittwochs von 9 bis 12 Uhr seine Kleiderkammer. „Wir geben pro Jahr 25000 Teile raus. Rein kommt noch erheblich mehr.“ 15 Ehrenamtliche sortieren die Ware und geben sie heraus: Kleidung, Handtaschen, Schuhe, Bettzeug, Handtücher, Tischdecken. Auch beim DRK ist die Erfahrung, dass manche Sachen verdreckt oder zerschlissen sind, so dass man sie keinem mehr anbieten könne. Ehrenamtliche holen außerdem immer montags innerhalb von Lüneburg auch Spenden ab, „das nehmen zum Beispiel gerne ältere Bürger an“, sagt Sabine Reckermann. Kunden der DRK-Kleiderkammer werden um eine kleine Spende gebeten.

„Wir geben pro Jahr 25 000 Teile raus. Rein kommtnoch erheblich mehr.“
Sabine Reckermann, DRK Lüneburg-Stadt

Gerade umgezogen ist das „Soziale Kinderland“, das bisher in der St.-Stephanus-Passage einen Raum hatte. Da die Stadt das Einkaufszentrum in Kaltenmoor umgestalten will (LZ berichtete), ist der Caritasverband mit dieser Einrichtung übergangsweise ins ökumenische Gemeindezentrum St. Stephanus gegangen. Angeboten wird alles rund ums Kind, von der Kleidung für Schwangere über Baby-Erstausstattung, Kinderkleidung bis hin zu Spielzeug. Die Öffnungszeiten sind dienstags und freitags von 10 bis 17 Uhr. „Wir weisen im Rahmen unserer Schwangerenberatung darauf hin“, sagt Berthold Schweers, Geschäftsführer des Caritasverbandes.

Sportschuhe werden derzeit besonders gesucht

Für viele Menschen in Kaltenmoor, darunter auch viele ­Migranten, sei dies eine wichtige soziale Adresse, die sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda in ganz Lüneburg rumgesprochen habe. „Obwohl heutzutage manches Aussortierte übers Internet verkauft wird, haben wir immer noch viele großzügige Spender. Wir bekommen sogar Sachen, die noch nie getragen wurden.“ Gegen einen kleinen Obolus von ein bis fünf Euro wechseln die Waren den Besitzer. „Denn wir haben die Erfahrung gemacht: Was nichts kostet, taugt nichts“, erläutert Schweers.

Allerdings gebe es Ausnahmen. Als die Notunterkunft für Flüchtlinge in der Theodor-Körner-Kaserne eingerichtet wurde, habe man Sachen unentgeltlich zur Verfügung gestellt, helfe so auch Menschen in Notsituationen. Einen zweiten Standort hat die Caritas mit „Marys soziale Kinderklamotte“ in der Friedenstraße 8, vis-à-vis der Beratungsstelle. „Früher hatten wir einen Kleiderkeller herkömmlicher Art in unserem Hauptgebäude an der Johannisstraße, den wir aber zugunsten des Angebots in St. Stephanus aufgelöst haben.“
Die Kleiderkammer der Willkommensinitiative für Flüchtlinge bittet um Kleidung für Kinder in allen Größen sowie um Bettzeug und Bettwäsche. „Was wir auch brauchen, sind Sportkleidung und -schuhe sowie Winterkleidung für Männer in kleinen Größen“, sagt Antje Brodersen. Diese Einrichtung an der Bleckeder Landstraße 57 hat freitags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Von Antje Schäfer

Genau hinschauen

Bei Straßensammlungen sollte man die Handzettel genau durchlesen und kritisch hinterfragen, denn es könnten sich unseriöse Geschäftemacher dahinter verbergen, rät die Verbraucherzentrale Hamburg. Garantiert sicher und seriös sei das Label von FairWertung, das Siegel des Deutschen Zentral­instituts für soziale Fragen (DZI) sowie das BVSE Qualitätssiegel Textilsammlung vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung. Alttextilsammelbehälter müssen bei der Stadt angemeldet werden, wenn sie auf öffentlichem Grund stehen.

„Wir erteilen ein bis zwei kommerziellen Firmen die Erlaubnis, Container an Sammelplätzen für Altpapier und Altglas der GfA aufzustellen“, sagt Joachim Bodendieck, Bereichsleiter Ordnung. Es gibt 64 Standorte mit zirka 100 Containern. Die kommerziellen Anbieter zahlen eine Sondernutzungsgebühr nach der Satzung der Stadt. „Selbstverständlich überprüfen wir, dass es sich um seriöse Firmen handelt. Dazu gehört auch, dass sie zügig Verschmutzungen beseitigen.“

Wer unerlaubt aufstellt, wird aufgefordert, die Container zu entfernen. „Wenn das nicht geschieht, lassen wir sie sicherstellen.“ „Wir geben pro Jahr 25 000 Teile raus. Rein kommtnoch erheblich mehr.“