Dienstag , 17. September 2019
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So soll der Ehrenhain mal aussehen: Durch ein kleines Tor führt ein Weg vorbei an den alten, überwachsenen Gräbern auf den Gedenkstein zu. Sechs Stelen werden am Kopfende der sechs Gräberreihen aufgestellt, sie tragen die Namen der Opfer. Foto: nh

Neues Aussehen für Ehrenhain

Lüneburg. Die ehemaligen Grabreihen der Gedenkstätte im Tiergarten sind in einem miserablen Zustand, das Areal ist mit Rhododendren überwuchert. Die Stadt will das Gelände im kommenden Jahr neu gestalten, Pläne dafür liegen bereits vor. Doch die kritisiert die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) (siehe Artikel unten).

Am 7. April 1945 wurde im Lüneburger Bahnhof ein KZ-Transportzug bombardiert, der Häftlinge des Konzentrationsaußenlagers „Alter Banter Weg“ in Wilhelmshaven zum KZ Neuengamme bringen sollte. Viele Häftlinge starben bei dem Angriff, weitere wurden später erschossen. Die Leichen wurden zunächst in einem Massengrab in der Nähe des heutigen Ehrenhains verscharrt. Die englische Besatzungsmacht veranlasste die Umbettung der Toten am 3. Oktober 1945. Ursprünglich hatten dort einmal 256 KZ-Häftlinge gelegen, heute sind es noch 167 zwischen 1951 und 1959 wurden die identifizierbaren Toten in ihre jeweiligen Heimatländer überführt.

Rhododendren sind ein Problem

Die Idee zur Neugestaltung des Geländes kam laut Stadtbaurätin Heike Gundermann vor drei Jahren auf: „Da tauchten Namen auf, die man Opfern zuordnen konnte.“ Nach Recherchen von Jan Effinger vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge konnten 16 Namen von Opfern mit hoher Wahrscheinlichkeit ermittelt werden, zudem einige Häftlingsnummern. Es wurde eine städtische Arbeitsgruppe „Umgestaltung Ehrenhain Tiergarten“ eingerichtet, die auch die Opfer-Organisationen Französische Amicale Neuengamme, Amicale International KZ Neuengamme, den Landesverband der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen und die VVN-BdA einbezog. Zuletzt tagte die Gruppe im Juni.

Danach entwickelte die Verwaltung laut der Stadtbaurätin folgendes Konzept: „Durch ein kleines Tor führt ein Pflasterband, also ein Weg, vorbei an den gepflegten Rhododendren über den alten Gräbern an beiden Wegesseiten auf den Gedenkstein zu. Sechs Stelen werden am Kopfende der sechs Gräberreihen aufgestellt, sie tragen die Namen der Opfer.“

Das Problem bei der Neugestaltung sind die Pflanzen, Heike Gundermann erläutert: „Die kleineren Rhododendren beginnen etwa 20 bis 30 Zentimeter unter der Erde, die Ballen der großen in 60 bis 80 Zentimetern Tiefe.“ Ein solch tiefgreifender Eingriff ins Erdreich würde allerdings die Totenruhe stören. Also wurden ein schrittweiser Rückschnitt und die Pflege der Pflanzen beschlossen, möglicherweise könnten die Rhododendren auch zehn Zentimeter unter der Erdoberfläche abgeschnitten werden. „Die Pflanzen mit Gift zerstören, das geht natürlich überhaupt nicht an einem Ort, wo jüdische Opfer liegen.“

Voraussetzung für die Neugestaltung ist laut Heike Gundermann die Bewilligung eines Fördermittelantrags aus Hannover: „Dann starten wir in diesem Jahr.

Von Rainer Schubert