Dienstag , 17. September 2019
Aktuell
Home | Lokales | Nitratbericht 2016: Wurde zu viel gedüngt?
Ein Landwirt im Kreis Uelzen düngt sein Feld. Im Schnitt ist die Nitratbelastung des Grundwassers durch die Landwirtschaft in Niedersachsen sehr hoch. Ein Lichtblick ist der Kreis Lüneburg. Foto: phs

Nitratbericht 2016: Wurde zu viel gedüngt?

Lüneburg. Der „Nitratbericht 2016“ des Bundes legt den Finger erneut in die Wunde: In Niedersachsen ist die Konzentration von Nitrat im Grundwasser nach wie vor sehr hoch. Ein Lichtblick: der Landkreis Lüneburg. „Die Belastungen durch die Landwirtschaft sind in der Region Lüneburg im niedersächsischen Maßstab vergleichsweise gering“, erklärt Herma Heyken, Sprecherin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Nitrat sei hier meistens nur direkt unter der Grundwasseroberfläche zu finden, bereits wenige Meter darunter sei es bereits abgebaut. „In den tieferen Grundwasserstockwerken findet sich hier in der Regel kein Nitrat.“ Auch geht aus dem „Nitratbericht 2016“ hervor, dass die Werte in der Region stabil bleiben, teilweise sogar abnehmen.

Schwankende Werte in Horndorf

Durch landwirtschaftliche Düngung geraten große Mengen des stickstoffhaltigen Nährstoffes in den Boden Pflanzen brauchen die Stickstoffverbindung zum Wachsen. Doch alles, was von den Pflanzen nicht aufgenommen wird, sammelt sich im Boden. Im menschlichen Körper droht das Nitrat in Nitrit umgewandelt zu werden, und damit zu dem eigentlich giftigen Stoff.
Dass Nitrat kaum ins tief gelegene Grundwasser vordringt, belegen auch die Werte, die in der Region gemessen wurden: An den Messstellen Radbruch, Eichholz, Dachtmissen, Echem und Horndorf liegen die Nitratwerte in den tieferen Schichten bei Null.

In Radbruch, Eichholz und Echem sind auch in den Schichten nahe der Oberfläche nur sehr geringe Mengen von dem Nährstoff gefunden worden, etwas anders sieht es jedoch in Dachtmissen und Horndorf aus: Während in Horndorf sehr schwankende Werte zwischen 1 bis 20 mg/l gemessen wurden und sich laut NLWKN hier keine steigende Tendenz feststellen lasse, liegen die Dachtmissener Werte zwischen 65 und 70 mg/l und damit über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Eine stark erhöhte Nitratkonzentration sei unter anderem auch in Lüdershausen gemessen worden, sagt Michael Schneemann vom Wasserbeschaffungsverband (WBV) Elbmarsch. „Die Werte liegen bei über 100 mg/l“, berichtet er.

Lehm isoliert Grundwasser

Auswirkungen auf die Trinkwasserqualität in der Region habe das aber nicht. „Unsere Trinkwasserbrunnen sind bis zu 300 Meter tief, die Werte wurden wenige Meter unter der Oberfläche gemessen“, sagt Schneemann. Und dank des vielen Lehms in der Erde seien die verschiedenen Grundwasserleiter gut voneinander isoliert. Auch Sven Harms, Leiter der Purena, Netzgebiet Nord, sieht keine Gefahr für das Trinkwasser. „Der Nitratgehalt liegt teilweise im nicht mehr messbaren Bereich.“

Dennoch plädieren Wasserversorger und NLWKN für ein Umdenken in der Landwirtschaft. „Die Fähigkeit des Bodens zum Nitratabbau ist nicht unendlich, und so weit wie möglich zu schonen“, stellt Heyken fest. Daher sollte ein weiterer Eintrag des Nährstoffs auf ein Minimum reduziert werden. Dem stimmt Schneemann zu. „Wir haben zu viel Stickstoff im System, zu viel Dünger auf den Äckern.“ Das sei auch auf den verstärkten Maisanbau und dem Erfolg der Biogasanlagen zurückzuführen, deren stickstoffhaltiges Abfallprodukt als Dünger verwendet wird. „Die Werte werden steigen, wenn sich nichts ändert.“

Und an so einer Veränderung wird bereits gearbeitet: In der Region bietet das Lüneburger Ingenieursbüro „INGUS“ Landwirten eine kostenlose Intensivberatung. Unter anderem helfen sie, den Einsatz von Dünger auf den Äckern so weit wie möglich zu reduzieren, damit die Pflanzen nur so viel Nährstoffe erhalten, wie sie tatsächlich aufnehmen können und nichts im Boden versickert.

Von Robin Williamson

3 Kommentare

  1. „Nitratbericht 2016: Wurde zu viel gedüngt?“

    “ Auch geht aus dem „Nitratbericht 2016“ hervor, dass die Werte in der Region stabil bleiben, teilweise sogar abnehmen.“

    Wie passt die Überschrift zum Inhalt?

    Und Nitrit ist nicht per se gesundheitsschädigend, teilweise gelten Vorschriften zur Behandlung von Lebensmitteln mit Nitrit. Da wird Nitrit dann direkt aufgenommen.
    Die höchste Aufnahme an Nitrat erfolgt über Gemüse, natürliche Nitratgehalte von 2000mg/KG bei einigen Gemüsearten schaden dem Menschen auch nicht.
    Das würde bedeuten, man müsste über 40 Liter Wasser trinken, welches den Grenzwert 50mg/l hätte, um an die Nitrataufnahme von 1 Kg Rucola zu kommen.

    Wer Nitrat pauschal als gesundheitsschädlich einstuft, der sollte weniger Gemüse essen und mehr Fleisch.

  2. Wie es um die deutsche Landwirtschaft steht, kann sich jeder hier auf der Seite ansehen, im LZ-Multimedia-Projekt „Hightech – die Zukunft der Landwirtschaft“: ein subventioniertes, naturzerstörerisches und gnadenlos auf „Effizienz“ getrimmtes System, das Landwirte in Abhängigkeit großer Agrarunternehmen hält und unsere natürlichen Lebensgrundlagen (auch dank „Freihandel“ und gnadenlosem Expansionsdrang großer Agrar-Konzerne) in absehbarer Zeit vollends zerstören wird. Wer wirklich an die Verharmlosung von Monokulturen, Gülle, Kunstdünger und Agrargift wie z.B.Glyphosat glaubt, ist selber schuld und sollte aufwachen. Es könnte evtl. helfen , sich einmal bewusst mit den Prinzipien und Grundlagen der Natur und der Funktionsweise ihrer natürlichen Kreisläufe zu beschäftigen. Die Weltbevölkerung ernähren – das können wir nämlich langfristig nur mit gesunden Böden, freiem Saatgut und funktionierenden, vielfältigen Ökosystemen. Und ganz bestimmt nicht durch Gentechnik, Patente auf Pflanzen, Beseitigung der Artenvielfalt, Pestizideinsatz und Massentierhaltung auf kleinstem Raum. Informationen über Alternativen gibt es genug. Ich empfehle daher unerschütterlich, die schönen Vierfarb-Kataloge und Broschüren der Agrarkonzerne mal zur Seite zu legen, innezuhalten und sich stattdessen Z.B. mal vorurteilslos mit dem Stichwort „Permakultur“zu beschäftigen, als kleine Einführung vielleicht z. B. dieser kleine Film über die Arbeit des „Agrar-Rebellen“ Sepp Holzer: https://www.youtube.com/watch?v=T7gktuTUOJs
    Aber leider gibt es wohl nicht viel Hoffnung, und es bleibt dabei: “ Gülle, Gift und Nitrat sind fein und müssen sein.“ Ein in Blick auf den spärlichen Rest der letzten, brachial niedergewalzten und in Bodennähe abgehackte Schlehen-Hecke am Rande der „landwirtschaftlichen Nutzfläche“ in unserem Dorf reicht aus, um das hierzulande vorherrschende Naturverständnis zu erfassen. Im üblichen Jargon der konventionellen Landwirtschaft nennt sich so etwas dann wohl „Pflege der Kulturlandschaft“ …

    • Sie sprechen von natürlichen Kreisläufen, haben Sie verstanden wie die funktionieren?
      Gülle gehört zu den natürlichen Kreisläufen oder glauben Sie die Nährstoffe zum Pflanzenwachstum fallen vom Himmel?

      Wenn es um Nitrat geht, einfach auf Gemüse verzichten, darin steckt ganz natürlich viel von drin.

      Wie sieht es mit dem Expansionsdrang von Automobilkonzernen aus?
      Warum werden doch recht kleine Agrarkonzerne immer erwähnt in der Marktwirtschaftskritik?
      Was hat das mit dem Thema zu tun, dass in der Region Lüneburg die Nitratwerte auf niedrigem Niveau liegen und immer noch leicht abnehmen?
      Kennen Sie die Vielfalt der in dieser Region angebauten Kulturen, die Anbauverhälstnisse?
      Monokulturen werden Sie hier kaum finden, abgesehen von den Spargelfeldern, was aber auch nicht anders funktioniert.

      Und Effizienz wird eines der zentralen Punkte für die zukünftige Ernährungssicherheit sein, nicht jedes Land auf dieser Erde ist mit einem Aldi und vollen Regalen an jeder Ecke gesegnet.