Mittwoch , 19. September 2018
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Wilhelm Lohmar alias Heinrich der Löwe zeigte bei der Verleihung im Jahr 2007 die Urkunde: Lüneburg ist seither wieder Hansestadt. Foto: t&w

Das Wir-Gefühl hat zugenommen

Lüneburg/Uelzen. Nach Uelzen kommen Besucher allenfalls wegen des Bahnhofes. Der nach den Plänen des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser umgestaltete Bau mit farbenfrohen Ornamenten ist die Sehenswürdigkeit der 34000 Einwohner zählenden Stadt. Die einzige, lästern Lüneburger gern, die um die oftmals neidischen Blicke aus der 40 Kilometer entfernten Nachbarstadt wissen. Doch während Uelzen in Sachen Baukunst mit Lüneburg nicht mithalten kann, hat die Zucker- mit der Salzstadt zumindest in einem Punkt gleichgezogen: Seit einem Jahr ist Uelzen ebenfalls Hansestadt. Was hat der Titel hier wie dort gebracht?

Begriff ist fast ausschließlich positiv besetzt

Vormann der neuen Hanse ist Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe. Der SPD-Politiker sieht in einer Mitgliedschaft viele Vorteile. „Im Wesentlichen kann gesagt werden, dass man einen Image-Vorteil gegenüber anderen Städten erlangt, da der Begriff Hanse oder Hansestadt nahezu ausschließlich positiv besetzt ist“, sagt er. „Hansestädte gelten als ebenso schöne wie traditionsreiche Städte.“

Erste Erfolge seien auch in Uelzen bereits messbar, heißt es im Rathaus, und das gelte nicht nur für den Tourismus. „Ich kann mit Stolz sagen, dass der Titel uns viele neue Möglichkeiten bietet“, freut sich Bürgermeister Jürgen Markwardt. Sein Eindruck: „Auch im Konzert der anderen Städte wird Uelzen wahrgenommen, und in der Metropolregion Hamburg spüre ich eine Aufmerksamkeit, die wir bisher nicht hatten.“

Bürger entwerfen Hanse-Logo mit

Mit Beteiligung von Bürgern wurde ein neues Hansestadt-Logo entworfen. „Derzeit sind wir dabei, das Stadtmarketing auf neue Beine zu stellen, um weiterzuentwickeln, was der Titel Uelzen bietet“, sagt Stadtpressesprecherin Ute Krüger. „Für die vergangenen acht Monate können wir bereits sagen, dass die Übernachtungszahlen um rund 8,5 Prozent gestiegen sind.“ Auch andere touristische Angebote würden stärker genutzt. So gebe es zum Beispiel bei der Nachtwächterführung eine viel größere Nachfrage als früher. „Ich habe betont, dass der Titel vor allem den Bürgern die Möglichkeit gibt, mit stärkerem Selbstbewusstsein auf ihre Stadt zu blicken“, sagt der parteilose Bürgermeister. „Tatsächlich nehme ich eine Aufbruchstimmung und großes Engagement wahr.“ Im September feierte Uelzen ein Hansefest mit rund 12 000 Besuchern.

Rückbesinnung auf hanseatische Werte

Lüneburg ist bereits seit 2007 wieder Hansestadt, war 2012 auch Gastgaber des Internationalen Hansetages. Auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) wird nicht müde, bei fast jeder Gelegenheit darauf hinzuweisen. Keine noch so kleine Pressemeldung findet heute ohne den Begriff Hansestadt den Weg aus dem Rathaus. Er sieht in der Hanse weit mehr als nur ein Tourismuslabel. „Der Titel Hansestadt hat bei uns in Lüneburg das Wir-Gefühl in der Stadt gestärkt und zu einer Rückbesinnung auf hanseatische Werte und Tugenden geführt“, betont er. Dazu gehörten zum Beispiel Verlässlichkeit, gegenseitige Achtung und Toleranz gegenüber Fremden und Andersdenkenden, vom Wohlstand etwas abzugeben, die Gültigkeit des gesprochenen offenen Wortes sowie die Wertschätzung von Kultur, Kirche und freiem Handel. „Selbstverständlich ist der Titel auch touristisch von großer Bedeutung“, bestätigt Mädge.

Aus Sicht von Lübecks Bürgermeister Saxe kann die Verleihung des Titels ein Mittel sein, die eigene Geschichte neu zu beleben, auch mit ihren Traditionen und Partnerschaften von einst. „Auf der anderen Seite führt dieser Titel dazu, dass viele Menschen und Unternehmen aus einem weiteren Umfeld auf diese Stadt aufmerksam werden und dadurch auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten“, ist der Vormann der neuen Hanse überzeugt.

Von Peer Körner

Handelsverbund

Die Hanse war eine mächtige Vereinigung von niederdeutschen Kaufleuten, die im Mittelalter lange den Fernhandel in Nordeuropa beherrschte. Das Bündnis bestand vom 13. bis zum 17. Jahrhundert, zeitweise gehörten ihm bis zu 200 Städte an. Konkurrenz vor allem aus den Niederlanden und England, der stetig wachsende Überseehandel sowie moderne Finanzierungsmethoden und nationale Herrschaftsansprüche ließen den Einfluss der Hanse schwinden.

Anknüpfend an die reiche Tradition wurde 1980 im niederländischen Zwolle die Hanse der Neuzeit gegründet. Der neue Bund mit Sitz in Lübeck will einen Beitrag zur wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und staatlichen Einigung Europas leisten. Er will für die Hansestädte werben und die Zusammenarbeit fördern. Höhepunkt ist alljährlich der Internationale Hansetag. Die neue Hanse zählt bereits 187 Mitglieder in 16 Staaten, 102 sind es allein in Deutschland.