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Aschenbecher für den neuen Raucherraum. Im Sommer 2007 (Archiv-Foto) war Christos Dovas vom Comodo einer der ersten Wirte, die einen solchen Raum hatten. Die Zahl der Raucher sei über die Jahre weniger geworden, Dovas hat den Raucherbereich wieder abgeschafft. Foto: A/t&w

10 Jahre Rauchverbot: Was hat sich geändert?

Lüneburg. Der Geruch erinnert an frühere Zeiten. Eine Rauchwolke, die langsam durch das Kaminzimmer zieht. Und die so nostalgisch rüberkommt wie die ganze Einrichtung aus rustikalem Mobiliar zwischen alten Büchern und Backsteinmauern. Es ist noch früh für einen Kneipen-Abend im September. Auf dem Sofa sitzt eine Gruppe von Studenten, die Packung Gauloises auf dem Tisch ist noch fast voll. Die Studenten sind Anfang 20, sie haben die Zeit, in der Zigarettenqualm wenig mit Nostalgie, sondern viel mit Alltag zu tun hatte, wohl als Kinder, aber nie in zugequalmten Diskos oder verrauchten Kneipen erlebt. Das Rauchverbot in der Gastronomie gilt nun seit zehn Jahren. Was hat sich geändert?

Einige Raucherbereiche schon wieder geschlossen

„Das gibts noch?“ Diesen Satz bekommt Lars Fleischmann, der Inhaber des September, häufiger zu hören, wenn Touristen aus anderen Bundesländern bei ihm im Laden landen und den großen Raucherraum entdecken. Fleischmann ist selbst Nichtraucher. Als Gastronom war das 2007 eingeführte Rauchverbot für ihn zunächst ein Schock. Wie viele musste er damals Geld in die Hand nehmen, Scheiben und Fenster einbauen lassen: Für 30 abgetrennte Raucher-Plätze, die auch zehn Jahre später immer noch sehr gut frequentiert seien. „Wir sind eine Kneipe. Da gehts um Trinken und Spaß haben“, sagt er. „Die Kneipengänger wollen das.“ Darüber, dass Niedersachsen das Rauchen unter diesen Bedingungen überhaupt noch erlaubt, ist Fleischmann froh. Anderswo seien Läden wegen der strikteren Handhabung verschwunden.

„Am Anfang war der Raucherbereich beliebt, über die Jahre sind es immer weniger Raucher geworden.“
Christos Dovas, Wirt des Comodo

Ein Phänomen, das in Lüneburg ausgeblieben ist. „Wir haben hier keinen signifikanten Strukturwandel erlebt“, bestätigt Dehoga-Geschäftsführer Heinz-Georg Frieling. Auch er erinnert sich gut an den großen Aufschrei 2007. Angst vor Umsatzeinbußen, gar Pleiten, machten damals auch in Lüneburg die Runde. Heute habe sich die Situation komplett entspannt. „Hotels und Gastronomen haben sich darauf eingestellt“, weiß Frieling, „Mittlerweile gehen alle gelassen und souverän mit dem Thema um.“

Vielleicht, weil auch die Gäste von Jahr zu Jahr gelassener geworden sind. Das hat zumindest Christos Dovas im Comodo an der Schröderstraße beobachtet. „Am Anfang wurde unser Raucherbereich sehr stark angenommen, schon morgens. Aber dann sind es über die Jahre immer weniger Raucher geworden.“ Viele Raucher hätten dann von sich aus einen Platz im Nichtraucher-Bereich gesucht und seien freiwillig rausgegangen. Die Konsequenz: Vor zwei Jahren hat Dovas den Raucherbereich ganz abgeschafft.

Teil einer Entwicklung, die viele Kollegen beobachtet haben. „Bei jungen Leuten wird das immer weniger mit dem Rauchen. Wenn ich mich bei jüngeren Kollegen umgucke, da raucht fast keiner mehr“, erzählt Anne Janßen, die an der Bar im Pons arbeitet. Sie musste damals zwischen Raucher- und Nichtraucherbereich hin- und herjonglieren. Es gab eine Glastür, die immer wieder geschlossen werden musste, ehe sie vor drei Jahren bei einem Umbau entfernt wurde. „Die meisten Leute freuen sich, dass nicht mehr geraucht wird, das Luftklima ist insgesamt besser“, erzählt Janßen. Es komme schon vor, dass Leute nochmal fragen, ob sie rauchen dürfen. „Aber es geht niemand mehr deshalb.“ Das sei am Anfang anders gewesen, einige Stammkunden blieben nach dem Umbau weg. Wo die jetzt rauchen?

Ein Stück Kneipenkultur am Lüneburger Stintmarkt

Möglichkeiten gibt es in der Nachbarschaft am Stint einige. Nicht überall ist es so offiziell wie in der Ente, die mit dem Schild „Raucherkneipe“ gleich ankündigt, was Besucher hinter der Tür erwartet. Andere sind auch so von draußen als raucherfreundlich zu erkennen, wie die Galerie. Hier sind die Gäste stolz auf ihre gesellige Runde um den großen Tresen, der wie Wirtin Anna zum Inventar gehört. Dass bei ihr jemand zum Rauchen rausgeht, kommt für Anna nicht in Frage. „Da kommt doch gar keine Gemütlichkeit auf.“

Gemütlich und eng ist es hier. Anna und ihre Stammgäste teilen sich deutlich weniger als die 75 Quadratmeter, die ihnen der Gesetzgeber zugestehen würde, um das Rauchverbot zu umgehen. Eine Schüssel mit Erdnussflips ist das einzige Essen, das serviert wird und das den Gästen ausreicht. „In Restaurants finde ich das ja gut mit dem Rauchverbot“, gesteht Monika, eine modern gekleidete Frau in den Fünfzigern, die gern auf die eine oder andere Zigarette herkommt. „Aber solche Kneipen gehen doch kaputt, wenn man da nicht mehr rauchen darf. Da würden die Leute nicht mehr kommen“, ist sie sich sicher.

Die anderen Gäste stimmen zu. Die Zigarette sie führt hier viele Menschen am Tresen zusammen. Für sie bedeutet das Rauchen beim Bier oder beim Longdrink auch heute noch ein Stück Kneipenkultur.

Von Manuela Gaedicke