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Das Kernkraftwerk Krümmel soll in den kommenden Jahren zurückgebaut werden. Jetzt beantragt der Kreis Lüneburg Mittel, mit denen die den Prozess begleitende Öffentlichkeitsarbeit finanziert werden soll. Foto: tja

Kernkraftwerks Krümmel: Stillgelegt und dann…?

Lüneburg/Krümmel. Was kommt auf die Anwohner zu, wenn das Kernkraftwerk Krümmel zurückgebaut wird? Warum dauert das 15 Jahre? Um die Bürger über einen solchen AKW-Rückbau zu informieren, möchte der Landkreis Lüneburg jetzt Mittel beim niedersächsischen Umweltministerium beantragen. Mit dem Geld sollen unter anderem Broschüren gedruckt und eine Infoveranstaltung durchgeführt werden, heißt es in der Beschlussvorlage des Feuerschutzausschusses des Kreises. Der tagt am Mittwoch, 11. Januar, um 15 Uhr im Sitzungssaal der Kreisverwaltung. Der Betrag, den der Kreis beantragen wolle, „sei noch in der Findungsphase“, sagt Sprecherin Katrin Holzmann.

Antrag aus 2016 wurde zurückgezogen

Schon 2016 stellte das Land Mittel in Höhe von 80000 Euro für begleitende Öffentlichkeitsarbeit beim Rückbau von Atomkraftwerken zur Verfügung. Das AKW Krümmel steht zwar auf schleswig-holsteinischem Boden, jedoch sind etwa 65 Prozent aller Einwohner des Landkreises Lüneburg den Wirkungen des AKW ausgesetzt. Daher können die Mittel beantragt werden. Auch im vergangenen Jahr stellte der Landkreis einen Antrag auf 25000 Euro aus diesem Topf doch dieser kam zu spät: Der Landkreis Wesermarsch, in dem sich das seit 2012 im Rückbauverfahren befindliche AKW Unterweser befindet, hatte bereits vorher aus dem Fonds Mittel in Höhe von 75000 Euro beantragt. Damit waren die Mittel des Landes 2016 nahezu ausgeschöpft.

Der Antrag aus dem Lüneburger Kreishaus kam erst im Juli obwohl die vom Land gesetzte Frist eigentlich schon im April endete. Anträge, die danach eingingen, wurden nur berücksichtigt, wenn noch Mittel zur Verfügung standen. Der Grund für das späte Handeln liegt an einem sogenannten Scoping-Termin, der Ende Juni 2016 stattfand. „Bei diesem Termin wurde der Landkreis erstmals über den zeitlichen Rahmen der Stilllegung informiert“, erklärt Holzmann. Vorher seien dem Kreis noch keine Pläne über den Ablauf bekannt gewesen. Der Termin wurde vom Umweltministerium Schleswig-Holstein anberaumt. Behörden, Sachverständige, Umweltverbände und „sonstige Dritte“ legten dort die weitere Planung für den Rückbau fest. Knapp zwei Wochen später ging dann der Antrag des Landkreises im Umweltministerium ein, wurde dann jedoch aufgrund der Aussichtslosigkeit zurückgezogen.

Landesregierung will zur Meinungsbildung beitragen

Ministeriumssprecherin Justina Lethen verspricht aber die Fortführung des Projekts. „Den gleichen Topf mit der gleichen Summe wird es sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr geben.“ Das Angebot sei im vergangenen Jahr jedoch nicht sehr gefragt gewesen. Neben dem zurückgezogenen Antrag aus Lüneburg sei der aus der Wesermarsch der einzige gewesen.

Dass das Land für die Öffentlichkeitsarbeit zahlt und nicht der Betreiber des Atomkraftwerks in diesem Fall Vattenfall begründet das Land mit der Vielschichtigkeit des Themas. „Die Landesregierung hält es für wichtig, die Komplexität der gesetzlichen Vorgaben und der konkreten Verfahren allseitig sachkundig erläutern zu lassen,“ sagt Lethen. Damit wolle sie auch zu der Meinungsbildung bei kontroversen Standpunkten beitragen.

von Robin Williamson