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Der Fotoschatz der Alma Kruse

Von Anna Sprockhoff
Bonn/Wendisch Evern. Alma Kruse ist seit 34 Jahren tot, als ihrem Enkel Jochen Homann das in Leder geschlagene Fotoalbum in die Hände fällt. Seine Schwester hat es in einer der Kisten im Keller entdeckt, die dort stehen, seit ihre Eltern ins Seniorenheim gezogen sind. Der Fund ist für die gesamte Familie eine Überraschung — und für Jochen Ho­mann ein wahrer Schatz. Der 63-Jährige aus Bonn ist der Ahnenforscher der Familie, ein Detektiv auf den Spuren der eigenen Geschichte. Er nimmt sich des Fotoalbums an und versucht, sein Rätsel zu lösen. Dies führt ihn nach Wendisch Evern, die Heimat seiner Großmutter.

Rund 30 Porträtaufnahmen hat Alma Kruse einst auf das Papier mit den vergoldeten Seitenkanten geklebt, „leider hat sie nicht notiert, um wen es sich dabei handelt“, sagt Homann. Doch der Bonner Beamte hat eine Vermutung, glaubt, dass seine Großmutter das Album als „Erinnerung an ihre Freunde und Bekannten aus Wendisch“ zusammengestellt hat.

1920 heiratete Alma Kruse mit 28 Jahren den Kaufmann Adolf Johann Gottlieb Müller, verließ ihr Heimatdorf und zog mit ihm nach Scheeßel. Das Album nahm sie offenbar mit, hütete es bis zu ihrem Tod 1982. Nun fragt sich ihr Enkel: Wer waren diese Frauen und Männer auf den Fotos? Wer war seiner Großmutter so nah, dass sie sein Foto in ein Album klebte? Der Bonner entschied sich, die Zeitung um Hilfe zu bitten, seine Hoffnung: „Vielleicht erkennen Leser/innen der Lüneburger Landeszeitung ihre Vorfahren auf den Porträts und freuen sich über die Fotos.“ Im Gegenzug freut er sich über Namen und Geschichten zu den Menschen auf den Fotos.

Seine Großmutter selbst hat Jochen Homann das Album nie gezeigt. „Ich wusste nicht einmal, dass es existiert.“ Auch seine Mutter — Alma Kruses Tochter Erika — kann sich mit ihren 90 Jahren nicht an das Album erinnern. Bleibt Ho­mann nur die Hoffnung, dass jemand eine der Aufnahmen erkennt, er so das eine oder andere Geheimnis hinter den Fotos lüften kann. Nur eine Dame auf den Fotos konnte er bisher selbst identifizieren: Melitta Meyer (siehe Fotogalerie).

Aufgenommen ist ein Großteil der Porträts in einem Lüneburger Fotostudio, unter den Aufnahmen haben sich die Urheber verewigt. Beeindruckend die Vielfalt an Fotografen in der Stadt, allein sechs verschiedene Namen finden sich in dem Album: In kunstvoll geschwungenen Buchstaben stehen dort jeweils Name, Adresse und Stadt: „Wilhelm Riege, Lüneburg Stintmarkt 16“, „Hans Wrede, Grapengiesserstr. 9, Lüneburg“, „R. Pohland Lüneburg“, „Franz Vollmer, Lüneburg, Waagestr. 2“, „F. Sartorti, Lüneburg“, „Gustav Nause Nachfolger, Lüneburg, Waagestr. 2“.

Fast 100 Jahre sind vergangen, seit die Fotos aufgenommen wurden. Ob es Homann tatsächlich gelingt, die unbekannten Frauen und Männer zu identifizieren? Den Ahnenforscher würde es freuen. „Und einen Versuch ist es wert“, sagt er.

Hinweise und Kontakte gibt die LZ an Homann weiter, Tel. 04131/740287.

Zur Person

ALMA SOPHIE DORA KRUSE, nach ihrer Hochzeit Alma Müller, wurde 1892 als Tochter von Nikolaus und Anna Dorothea Kruse (geb. Schlüter) in Wendisch Evern geboren. Ihr Vater war von 1895 bis 1913 Gemeindevorsteher in Wendisch Evern. Die alteingesessene Familie betreibt dort bis heute einen landwirtschaftlichen Betrieb. Ihre Schwester Alwine Neben hatte nach Mechtersen geheiratet, wo deren Nachfahren heute noch Landwirtschaft betreiben.

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