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Alle Vöglein sind schon da, oder? Frank Allmer hat genau im Blick, was sich am Kreidebergsee tut. Foto: ada

Viele Wintervögel sind ausgeflogen

Lüneburg. Seine Lippen bewegen sich kaum merklich, während Frank Allmer das Fernglas auf den Kreidebergsee richtet. Es ist still. Nur das Quaken der Enten und ein paar entfernte Vogelstimmen sind zu hören. „46“, sagt Frank Allmer plötzlich und lässt das Fernglas sinken, „es sind 46 Stockenten“.

Große Zählaktion findet zum siebten Mal statt

Allmer ist Ornithologe und Mitglied des Naturschutzbundes in Lüneburg. Wie er, griffen am Wochenende Vogelfreunde aus ganz Deutschland zu Fernglas, Stift und Zettel, um die Vögel im eigenen Garten oder im benachbarten Park zu zählen. Zur „Stunde der Wintervögel“ hatte der Nabu am Wochenende alle Bürger aufgerufen, das aktuelle Vogelaufkommen einer Stunde im heimischen Garten zu dokumentieren. Es ist nunmehr die siebte bundesweite Zählaktion dieser Art. Der Grund: Es häuften sich Beobachtungen, nach denen aktuell besonders wenig einheimische Vögel zu sehen sind.

Zufall oder eine beunruhigende Entwicklung? Frank Allmer will zunächst die Ergebnisse der Zählung abwarten. „Wir wissen nicht, woran es liegt, dass dieses Jahr weniger Wintervögel zu beobachten waren“, sagt er, „das gilt es herauszufinden. Wir wollen wissen, wo viele und wo wenige Vögel zu beobachten sind.“ Es wäre möglich, dass viele Vögel im kalten November nach Süden zogen oder, dass das Ausbleiben der Vögel die Folge verschiedener Krankheiten, beispielsweise des Grünfinkensterbens, sei. „Aber das sind bisher nur Spekulationen“, sagt Allmer. Nur in einem ist er sich jetzt schon sicher: Die Vogelgrippe habe nichts mit dem Ausbleiben der Wintervögel zu tun, sie betreffe bisher nur Wasservögel.

„Jetzt habe ich eine Blaumeise gehört“, sagt Frank Allmer und lauscht. Dann zückt er Bleistift und Notizbuch und notiert eine Eins. Es herrschen eisige sechs Grad minus an diesem Morgen. Wer nicht raus muss, bleibt lieber im Warmen. Frank Allmer zieht es trotzdem in die Natur. Alle vierzehn Tage ist er am Kreidebergsee und anderen Gewässern, zählt dann vor allem die Wasservögel. Ziel sei es, Trends zu erkennen: Wann sind welche Vögel wo zu finden? Schon als Kind faszinierte es Allmer, Natur und Tiere zu beobachten. Er notierte seine Beobachtungen und fand es spannend, sie zu analysieren. „Und dann ist da natürlich noch die Schönheit der Tiere, der Blaumeise oder der Elster“, seiner Lieblingsvögel, erklärt Allmer.

Mit dem Fahrrad dem Haussperling hinterher

Noch einmal greift er zum Stift. Gerade sind 21 Lachmöwen auf dem Wasser gelandet und gesellen sich zu ihren Artgenossen. „Es wir die Höchstzahl der zur selben Zeit an einem Ort sichtbaren Vögel einer Art gezählt“, sagt Allmer und notiert: Lachmöwe 47. Dass ein korrektes Zählen und Bestimmen der Art nicht für jeden Hobby-Ornithologen einfach ist, weiß Allmer. „Also macht so eine Bürgeraktion überhaupt Sinn? Ich denke schon“, sagt er. Zum einen könnten fehlerhafte Zählungen mithilfe von Statistiken gut ausgeglichen werden, zum anderen gehe es vielmehr darum, allgemeine Entwicklungen festzustellen, als einzelne Zählergebnisse. Und die, lassen sich aufgrund der vielen Teilnehmer gut abbilden. Im vergangenen Jahr meldeten bundesweit 93000 Menschen ihre Zählergebnisse, in Lüneburg wurde in 251 Gärten und Parks gezählt und gerechnet.

„Gerade in der Stadt sind Vögel kaum erfasst. Der Nabu hilft damit der Wissenschaft“, sagt Allmer. 45 Minuten sind vergangen und etliche Vögel gezählt. Längst ist die Kälte in die Finger und Zehen der Reporterin und des Vogelkundlers gekrochen. Frank Allmer ist das egal. Er wird sich nun auf sein Fahrrad setzen und noch einmal dem Ruf der Haussperlinge, ein paar hundert Meter weiter, folgen, um auch sie zu zählen. Am Ende werden auf seiner Liste verschiedene Wasservögel, zwei Elstern, zwei Dohlen, fünf Amseln, 14 Haussperlinge, ein Grünfink, zwei Trompeten-Gimpel und ein paar weitere Vögel stehen. Allmer wird sagen: „Heute ist es hier sehr ruhig.“

Von Anke Dankers

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