Dienstag , 19. September 2017
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Die beiden jüngsten Sturmfluten an der Nordsee hatten nicht nur Auswirkungen auf den Wasserstand am Pegel in Hohnstorf, sondern im gesamten Gebiet des Artlenburger Deichverbandes. Foto: vbm

Sturmflut auch in Bleckede spürbar

Hohnstorf. Die Auswertung der Pegeldaten haben Geschäftsführer Norbert Thiemann und Deichhauptmann Hartmut Burmester die erwartete Gewissheit gebracht. Die beiden jüngsten Sturmfluten an der Nordsee haben sich weit in das Gebiet des Artlenburger Deichverbandes (ADV) spürbar ausgewirkt. „Wieder einmal“, sagt der ADV-Geschäftsführer. „Zum letzten Mal drückte das Wasser bei der Sturmflut 2013 in Folge des Orkans Xaver so heftig in die Elbe stromaufwärts, dass wir stark steigende Pegelstände bis Bleckede verzeichneten“, blickt er zurück.

Verband ist skeptisch, ob Deiche hoch genug sind

So war es nun auch wieder bei den Sturmfluten am zweiten Weihnachtstag 2016 und am vergangenen Mittwoch. In Hohns­torf waren es rund 70 Zentimeter an Weihnachten und 52 Zentimeter am 4. Januar, in den beiden gleichen Zeiträumen in Bleckede acht beziehungsweise 38 Zentimeter. Auch wenn aktuell keine Gefahr für die Menschen hinter den Deichen bestand, weil die Elbe zurzeit einen normalen Wasserstand führt, so kann es dennoch ein Risiko für die Sicherheit geben. „Und zwar dann, wenn eine Sturmflut an der Nordsee und ein Hochwasser vom Oberlauf gleichzeitig auftreten und sich das Wasser bei uns staut.“ Dann wird es kritisch. „Wir wissen nämlich für einen solchen Fall nicht, ob unsere Deiche hoch genug sind“, sagt Norbert Thiemann.

„Es muss sich deshalb dringend etwas ändern“, fordert Deichhauptmann Hartmut Burmester. Das Land Niedersachsen müsse dafür sorgen, dass der Art-lenburger Deichverband neben dem Hochwasserschutz im Binnenland auch konzeptionell und finanziell in den besser gestellten Küstenschutz eingebunden wird. Eine Forderung, die Hannover aber bislang ablehnt. „Unter normalen Abfluss- beziehungsweise Tideverhältnissen bildet im Falle der Elbe das Wehr Geesthacht eine künstliche Tidegrenze, da dann oberhalb dieses Wehres keine wechselnden Wasserstände mehr zu beobachten sind. Die Grenze des Tidebereiches ist daher wie auch die Grenze des ADV auf Höhe der Staustufe Geesthacht festgelegt worden“, erklärt Dunja Rose, Sprecherin im niedersächsischen Umweltministerium. An dieser Einschätzung halte das Ministerium auch trotz der jüngsten Ereignisse durch die Sturmflut fest. Da oberhalb der künstlichen Tidegrenzen der Hauptzweck der Elbdeiche ganz überwiegend im Schutz vor Hochwasserereignissen aus dem Oberlauf dienen, sei eine Finanzierung der Deiche der niedersächsischen Mittelelbe aus Küstenschutzmitteln ausgeschlossen.

Länder überprüfen Bemessungswasserstände

Der ADV hält aber trotz der Absage aus Hannover an seinen Forderungen fest. Er wünscht sich eine Erhöhung der Hochwasserschutzanlagen so wie sie in Hamburg gerade in Planung ist. Um 80 Zentimeter sollen die Deiche dort aufgestockt werden, erklärt Burmester. Norbert Thiemann fügt hinzu: „Für uns ist bewiesen, dass Geesthacht nicht die Tidegrenze der Elbe ist. Sie muss mindestens bis in den Raum Bleckede verschoben werden, da die Deiche ein zusammenhängendes Sturmflut- und Hochwasserschutzsystem bilden.“

Die einst auf Grundlage für die Errichtung des Wehres herangezogenen Berechnungen des Wasserstandes bei einer Sturmflut müssen ihm zufolge dringend erneuert und auf den Prüfstand gestellt werden. Das Zusammentreffen von Sturmflut und Hochwasser wurde nämlich nicht in die Berechnungen einbezogen. Das Land führt dahingehend aber bereits Gespräche, heißt es aus dem Umweltministerium: „Derzeit stimmen die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen die Bemessungswasserstände im Tidebereich der Elbe ab“, berichtet Rose. Bevor weitere Planungen erfolgen, werde eine Harmonisierung dieser Werte angestrebt auch für den Binnenbereich. „Sobald ein Ergebnis vorliegt, werden die Landräte und die Deichverbände informiert.“

von Stefan Bohlmann und Robin Williamson