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Gefahr oder Verbesserung? Lüneburger Apotheker uneinig bei Diskussion um Rabatte auf Arzneien Bundestagsabgeordnete sin gegen Verbot. Symbilbild: A/be

Lüneburger Apotheker uneinig in Sachen Rabatte

Lüneburg. Nachdem der Europäische Gerichtshof ein Urteil gesprochen hat, wonach ausländische Versandapotheken Rabatt auf verschreibungspflichtige Medikamente geben dürfen, regt sich Unmut bei deutschen Apothekern (LZ berichtete). Viele unterstützen einen Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, der per Gesetz den Versand von rezeptpflichtigen Arzneien untersagen will. Dirk Düvel, Sprecher der Inhaber der „wir Leben“-Apotheken, wendet sich jedoch gegen ein Verbot.

„Wir betreiben auch zwei Versandapotheken, eine in Winsen und eine in Marschacht“, sagt Düvel, stellvertretender Vorsitzender des Bezirks Lüneburg im Landesapothekerverband. Den Versandhandel in Deutschland gebe es seit 2004, er sei für viele Patienten wichtig. „Wir beliefern unter anderem kleine Patienten, die an Spina-Bifida offenem Rücken leiden, mit speziellen Rezepturen, die dafür hergestellt werden müssen und die nicht jede Apotheke erstellen kann.“ Rund 20 Prozent der 10000 Patienten bundesweit würden über diesen Versandhandel beliefert. Andere Apotheken würden spezielle Herzmittel herstellen, weil diese von der pharmazeutischen Industrie vom Markt genommen worden seien, „und die Patienten nur über diesen Weg des Versandhandels weiter versorgt werden können“. Auch viele Rollstuhlfahrer würden den Versandhandel nutzen.

Düvel tritt damit seiner Kollegin Katharina Gonzales-Krückeberg entgegen, die unter anderem erklärt hatte, dass per Internet individuell hergestellte Arzneien nicht geordert werden könnten. Per Unterschriftensammlung will sie wie andere Apotheker den Gesundheitsminister bei seinem Gesetzesvorhaben unterstützen.

Existenz durch Rabatte bedroht

Sie befürchten, dass Rabatte des ausländischen Handels auf verschreibungspflichtige Arzneien die Existenz vieler Apotheken und damit die wohnortnahe Versorgung von Patienten bedroht. Düvel hält dagegen, dass der Versandhandel die flächendeckende Versorgung sogar verbessert.

Derweil äußert sich auch die Lüneburger SPD-Bundestagsabgeordnete Hiltrud Lotze zum Thema. Sie nehme die Sorgen der Apotheker ernst, aber wie ihre Partei spreche sie sich gegen das beabsichtigte Verbot aus. „Erstens, weil ein Verbot im digitalen Zeitalter nicht mehr zeitgemäß ist. Es gibt außerdem verfassungsrechtliche Bedenken, ein seit 2004 bestehendes Recht einzuschränken, weil dies in die vom Grundgesetz geschützte Berufsausübungsfreiheit eingreift. Zweitens, weil wir auch die Situation der chronisch Kranken, der Älteren und der multimorbiden Patienten im Blick haben müssen. Insbesondere die Menschen auf dem Land mit weiten Wegen zum nächsten Arzt und zur nächsten Apotheke wollen auf die Möglichkeit des Versandhandels nicht mehr verzichten.“

Zugleich sichert Lotze zu: „Wir wollen die Apotheken unterstützen, zum Beispiel bei der Beratung vor Ort und im Notdienst. Dazu prüfen wir alle verfügbaren Handlungsoptionen. Denkbar ist zum Beispiel ein Verbot oder die Einschränkung von Bonuszahlungen, um einen nicht gewollten Preiswettbewerb, den insbesondere umsatzschwächere Landapotheken nicht überstehen könnten, zu verhindern.“ as