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Schnelle Internetverbindungen fehlen noch immer gerade in ländlichen Gebieten. Vielen Firmen bereitet das große Probleme, einige Hotels sehen das aber auch als Chance. Foto: /t&w

Urlaub ohne WLAN: Aus der Not eine Tugend machen

Gartow/Lüneburg. Schnelles Internet? An manchen Orten in Niedersachsen können die Menschen davon nur träumen oder fluchen und für Verbesserungen kämpfen. Im dünn besiedelten Landkreis Lüchow-Dannenberg zum Beispiel. Aus der Not eine Tugend machen können die Menschen dort aber auch, Hoteliers etwa, die für einen entspannten Urlaub ohne WLAN werben.
Größere Firmen gibt es in der Region nur wenige. Ein wichtiger Arbeitgeber ist Voelkel, das Traditionsunternehmen in Familienbesitz produziert an der Elbe seit 80 Jahren Frucht- und Gemüsesäfte. Etwa 200 Menschen haben dort Arbeit.

Lange Wartezeiten wegen schlechter Verbindungen

Voelkel in der Gemeinde Höhbeck wünscht sich dringend eine bessere Internetverbindung. „Wir haben hier auf dem Lande erhebliche Probleme“, beklagt der technische IT-Leiter des Unternehmens, Fritz Tiedke. „Wir haben eine teure, aber leistungsschwache Verbindung. Die bestehende LTE-Verbindung wird nach Datenvolumen berechnet, da können erhebliche Summen zusammenkommen.“

Tiedke beschreibt die Lage in seiner Firma so: „Wir müssen verschiedene Internet-Portale nutzen, wo wir Anmeldungen etwa für Lieferungen vornehmen müssen, da hakt es manchmal.“ Wegen der schwachen Internetverbindung gebe es außerdem extrem lange Wartezeiten. Und: „Die Außendienstmitarbeiter haben manchmal Probleme, uns von draußen zu erreichen. Auch beim Home-Office ist das ein Nachteil.“

Jürgen Schulz ist Landrat im Kreis Lüchow-Dannenberg, er mahnt schon seit Jahren, dass eine unzureichende Internetversorgung zur wirtschaftlichen Überlebensfrage für die Region werden kann. Immerhin: „Die Handy-Verbindung hat sich bei uns in den vergangenen Jahren verbessert“, sagt Fritz Tiedke vom Fruchtsafthersteller.

Niedersachsen sei gut vorangekommen

Und wie sieht es in anderen Regionen in Niedersachsen aus? Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums in Hannover haben knapp 75 Prozent der 2,4 Millionen Gebäude im Land inzwischen eine Internetversorgung von 50 Megabite pro Sekunde (Mbit/s). Vor Start der Breitband­offensive der Landesregierung 2013 waren es nur 36 Prozent. Rund 54 Prozent aller Gebäude sollen mittlerweile sogar schon eine Versorgungsgeschwindigkeit von 100 Mbit/s haben. „Bis 2020 gehen wir davon aus, dass fast 100 Prozent aller Haushalte bei uns schnelles Internet haben“, heißt es aus dem Ministerium.

Auch Nick Kriegeskotte vom Digitalverband Bitkom sagt: „Niedersachsen ist beim Breitbandausbau in den vergangenen Jahren gut voran gekommen.“ In den ländlichen Regionen gebe es aber noch Nachholbedarf. So kann es auch in den Landkreisen Lüneburg, Celle, Harburg und Osnabrück ziemlich düster aussehen. Dorthin fließen deshalb besonders viele Fördergelder für den Breitbandausbau von Land und Bund (LZ berichtete). Auch für das Emsland und den Landkreis Uelzen gibt es hohe staatliche Zuschüsse.
Grundsätzlich fördere das Bundesverkehrsministerium pro Projekt rund 50 Prozent der förderfähigen Kosten bis maximal 15 Millionen Euro, erklärt Peer Beyersdorff vom Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen in Osterholz-Scharmbeck. Zusätzlich fördere das Land oder die Kommune ein Ausbauprojekt mit 2 bis 5 Millionen Euro. Vom Bund sind nach Angaben des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums insgesamt etwa 152 Millionen Euro bewilligt worden, weitere 131 Millionen Euro sind beantragt.
Doch einige wenige Unternehmer im Fremdenverkehr haben aus der Internetnot eine Tugend gemacht. Sie werben für ihre Häuser mit dem Label „Hotels ohne WLAN – Adressen für entspannte Reisen“.

Strahlungsarme Schlafzimmer

„Es zeichnet uns aus, dass wir kein Internet haben“, sagt etwa Heinz-Robert Miemert, Inhaber eines Biobauernhofs mit Ferienwohnungen am Dorfrand von Hohnebostel im Landkreis Celle. Während des Urlaubs zwischen Kühen und Katzen in der idyllischen Landschaft würden sich die Urlauber von WLAN gestört fühlen. „Wir haben sehr viele Gäste, die das nicht wünschen“, sagt Hofbesitzer Miemert.

Ganz ähnlich sieht es Barbara Kenner, Besitzerin eines Bio-Hotels im Landkreis Lüchow-Dannenberg. „Ich bin selber elektrosensitiv“, sagt sie. „Wir haben strahlungsarme Schlafzimmer, aber einen Arbeitsplatz an dem WLAN genutzt werden kann“, so Kenner. „Der Handyempfang ist mäßig, dafür haben wir auch wenig Strahlung von Handymasten“, sagt sie. „Wir freuen uns sehr, dass unsere Gäste miteinander reden, statt per SMS zu kommunizieren.“

Von Elena Metz und Peer Körner