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Wendisch Evern steht als ein möglicher Bahnhaltepunkt an der Strecke Lüneburg-Dannenberg auf der Streichliste. Foto: cw

Haltepunkte auf Streichliste: Bahnhöfe vor dem Aus

Barendorf. Die gute Nachricht: Die Wendlandbahn zwischen Lüneburg und Dannenberg könnte in Zukunft deutlich schneller fahren. Die schlechte: Drei Bahnhöfe auf der Strecke müssen dafür wohl geschlossen werden (LZ berichtete). Welche, steht noch nicht fest das sorgt für viele Diskussionen und Proteste. Seit Jahren tuckert die eingleisige Wendlandbahn etwa alle drei Stunden mit 60 Kilometern in der Stunde durch die Landschaft. Schon lange versuchen der Fahrgastverband Pro Bahn und die anliegenden Kommunen die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) davon zu überzeugen, die Taktzahl zu erhöhen.

In seiner Broschüre „Die Zukunft der Wendlandbahn“ machte Pro Bahn bereits 2002 Vorschläge, wie die Geschwindigkeit auf 80 Stundenkilometer und damit zu einem Zweistundentakt erhöht werden könnte. Dazu gehörte unter anderem, dass „alle Haltepunkte außer Dahlenburg und Hitzacker wegen des äußerst geringen Fahrgastaufkommens zunächst als Bedarfshaltestellen ausgewiesen werden“.

Jetzt hat die LNVG den Ball wieder aufgenommen. Allerdings will sie drei Haltepunkte entlang der Strecke schließen. „Die Entscheidung, ob und welche Haltestellen nicht mehr bedient werden, hat die LNVG der Region überlassen“, erklärt deren Pressesprecher Rainer Peters. Es sind jedoch bereits Bahnhöfe im Gespräch: Im Landkreis Lüchow-Dannenberg soll es den Halt in Leitstade treffen, im Landkreis Lüneburg gilt das Aus für Neetzendorf als sicher, zur Disposition stehen zudem die Haltepunkte in Bavendorf, Vastorf und Wendisch Evern. Unwahrscheinlich ist, dass alle drei Bahnhöfe im Landkreis Lüneburg liegen. Die Vertreter der Regionen sollen laut Peters nun „nach interner Abstimmung“ mitteilen, „welche Stationen geschlossen werden können“. Umsetzen will die LNVG das Projekt innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre.

Landauf landab formierte sich Protest gegen die Schließung der Haltestellen. Allein in Leitstade versammelten sich am Sonntag 150 Menschen, um für den Erhalt der Station zu demonstrieren. Die Anwohner sind empört, dass alles so heimlich, still und leise, ohne große Debatte und ohne Rücksprache mit den betroffenen Pendlern und touristischen Betrieben ablaufen soll. Dass die Züge schneller fahren sollen, finden sie gut. Doch den Weg, um dieses Ziel zu erreichen, lehnen sie ab.

Man fühlt sich in der abgelegenen Region hinter Hitzacker „systematisch abgekoppelt vom ÖPNV“. Drei Seminarhäuser gibt es dort, mehrere Gästehäuser und andere touristische Anbieter. „Jahr für Jahr reisen mehr Menschen mit der Bahn aus Hamburg an“, berichtet etwa Johann-Bernd Schulze, der in Wiet­zetze ein Hotel betreibt.

Bislang haben alle Gemeinderäte die Schließung der Haltepunkte als falsches Signal abgelehnt. Wendisch Evern verabschiedete eine Resolution. Auch Pro Bahn glaubt nicht, dass die Schließung aller Haltepunkte nötig ist, um Tempo 80 zu erreichen. „Wir glauben, dass es völlig reicht, Wendisch Evern und Neetzendorf zu schließen“, erklärt ProBahn-Sprecher Klaus Böckmann. Wendisch Evern liege im städtischen Umfeld und sei gut angebunden, Neetzendorf sei zu schlecht frequentiert. Die Lösung sieht der Fahrgastverband nach wie vor in Bedarfshaltestellen. „Der Zug muss nicht überall halten, wenn niemand ein oder aussteigen will“, erklärt Klaus Böckmann. Schon alleine damit könne man mehr Tempo erreichen. Auch gebe es entlang der Wendlandbahn viele Bahnübergänge, die nicht mehr benötigt würden.

Die LNVG hält an ihren Plänen fest: Bis Jahresende sollen die Kommunen entscheiden, welche Haltestellen aufgegeben werden. Peters: „Sollte keine Lösung in der Region gefunden werden, ist es wahrscheinlich, dass die LNVG von dem Ausbau der Strecke Abstand nehmen wird.“

von Claudia Wesch Und Benjamin Piel