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Viele Schmierereien sind schon am Geländer der neuen Ilmenaubrücke am Wasserturm zu sehen. 250 Euro pro Quadratmeter würde es kosten, die Schmierereien zu beseitigen. Foto: t&w

Gerade fertig, schon beschädigt

Lüneburg. Die Farbe ist noch frisch. Schwarze große Buchstaben, die jemand auf das neue Hinweisschild an der Wandrahmbrücke gesprüht hat. „Das muss heute Nacht passiert sein“, vermutet Jörg Silex, der solche Schmierereien allzu gut kennt. Sie sind Teil seiner Arbeit: Silex ist als Brückenbauingenieur bei der Stadt Lüneburg für die Instandhaltung der 50 Brücken in der Hansestadt verantwortlich.

Eigentlich ist er heute zur neuen Wandrahmbrücke gekommen, um sich einen ganz anderen Schaden anzugucken: Drei Plexiglasplatten wurden hier abmontiert und gestohlen sie müssen dringend ersetzt werden. „Die Platten dienen als wichtiger Schutz vor Vögeln und Fledermäusen, die sich hier sonst ein Winterquartier suchen und dann womöglich nicht mehr herausfinden.“ Damit das nicht passiert, muss die Stadt jetzt rund 1100 Euro aufbringen, um die Platten zu ersetzen. „Geld, das nun an anderer Stelle fehlt“, weiß Silex.

Schmierereien und demontierte Platten

Längst nicht alle Schäden kann die Stadt beheben, zusammen mit den vielen Graffiti würde jedes Jahr eine fünfstellige Summe zusammenkommen. „Grundsätzlich bringen wir alles zur Strafanzeige, aber es ist schwer, die Leute auf frischer Tat zu ertappen“, erzählt der 51-Jährige, während er auf die neue Fußgängerbrücke am Wasserturm zeigt, die nur wenige hundert Meter entfernt am ehemaligen Standort der Nordlandhalle Farradfahrer und Fußgänger über die Ilmenau führt. Grüne, gelbe und violette Schmierereien, oft in einem sehr ähnlichen Stil, zieren das noch neue, dunkelbraune Holz. Auch viele Häuser in der Nachbarschaft sowie Teile des Museums wurden offenbar vom selben Täter beschmiert. Kosten für die Entfernung: 250 Euro pro Quadratmeter Fläche.

Schmierereien trotz Graffiti

Hinter diesen Schäden an der Friedrich-Ebert-Brücke lauern Gefahren, weiß Jörg Silex. Unbekannte haben Glasplatten zertrümmert, die die Oberleitungen der Bahn schützen sollen. Foto: t&w

Damit die neue Wandrahmbrücke von dieser Form von Vandalismus verschont bleibt, hat die Stadt sich hier für ein Modellprojekt entschieden. Die professionellen Graffiti-Sprayer Jonathan Sachau und Björn Lindner haben unterhalb der Brücke ein kleines Kunstwerk geschaffen. Eine Methode, die beliebt ist, um beispielsweise Stromkästen vor ungewollten Graffiti zu schützen. Doch der Vandalismus macht auch an anderen Stellen in der Stadt nicht Halt.

Ortswechsel. Jörg Silex ist zum nächsten Sorgenkind gefahren, der Friedrich-Ebert-Brücke. Bahngleise, wohin das Auge reicht. Und drei Bauzäune am Brückengeländer, die der Bauingenieur hier zur Sicherheit hat aufstellen lassen. „Man kann hier theoretisch von oben einen Stromschlag kriegen, wenn man mit einem Stock oder Regenschirm an die Oberleitung kommt“, erklärt er besorgt, „außerdem sind wir hier im Weichenbereich. Wenn da etwas herunterfällt von oben…“ Silex will sich gar nicht ausmalen, was alles passieren könnte, nur weil jemand womöglich aus Langeweile Glasplatten kaputtgemacht hat, die enorm wichtig sind: Sie wurden hier als sogenannter Berührungsschutz für die Oberleitungen angebracht.

8000 Euro koste es nun, die drei schweren Platten zu ersetzen. „Wir brauchen dafür eine Sperrzeit von der Deutschen Bahn, müssen den Strom aus der Oberleitung rausnehmen, hier auf der Brücke eine Fahrspur sperren, brauchen Spezialwerkzeug, da kommen die Kosten schnell zusammen“, sagt der Experte der Stadt. Er weiß, dass viele Lüneburger sich über die entsprechenden Behinderungen im Straßen- und Bahnverkehr nicht gerade freuen werden.

Von Manuela Gaedicke

One comment

  1. Werner Schneyder

    Ja, wer hat denn die Wandrahmbrücke so konzipiert? Weder Kinder noch Rollstuhlfahrer können irgend etwas sehen. Dies rechtfertigt natürlich nicht die Sachbeschädigung, aber den Ärger über die Brücke schon.