Aktuell
Home | Lokales | Blitzer an der Ostumgehung: Kein Punkt für zu schnelles Fahren
Dieser Blitzer an der Ostumgehung war Stein des Anstoßes. Er stand im Sommer quasi unter Dauerfeuer. Foto: A/t&w

Blitzer an der Ostumgehung: Kein Punkt für zu schnelles Fahren

Lüneburg. Die Empörung war groß, viele Betroffene fühlten sich für dumm verkauft, sprachen von behördlicher Abzocke und der Lizenz zum Gelddrucken. Die kollektive Aufregung galt einem Blitzer, der seit Jahren in Höhe der Auffahrt Ebensberg an der Ostumgehung steht, im Sommer vergangenen Jahres aber Hunderten Autofahrern zum Verhängnis wurde. Grund war ein vorübergehend eingeführtes Tempolimit wegen Bauarbeiten an der dortigen Lärmschutzwand und eine umstrittene Beschilderung. Gegen den Bußgeldbescheid des Landkreises legte ein Kraftfahrer der Firma Holz Herbst Einspruch ein. Gestern wurde am Amtsgericht Lüneburg das Urteil gesprochen.

Messgerät an der Ostumgehung blitzte 1301 Mal

„Die Höhe des Bußgeldes wurde auf 55 Euro abgesenkt, damit entfiel dann auch der Punkt in Flensburg“, berichtete Rechtsanwalt Ralf Pagels, der den Kraftfahrer vor Gericht vertrat, nach der Verhandlung. Der Landkreis hatte dem Lkw-Fahrer, der seit Jahren für das Lüneburger Unternehmen fährt und laut Angabe seines Anwalts die Strecke bestens kennt, vorgeworfen, auf der Tempo-reduzierten Strecke deutlich schneller als die damals erlaubten 60 km/h gefahren zu sein. Sein Mandant sei am Abend des ersten Tages des neu eingerichteten Tempolimits aus Scharnebeck gekommen und in Lüne auf die Ostumgehung in Richtung Hamburg gefahren. Dort, wo normalerweise Tempo 100 für Autos und Tempo 80 für Lkw erlaubt ist, rauschte er dann in den Blitzer, der bereits auf die neue Maximalgeschwindigkeit eingestellt war. „Laut Messprotokoll fuhr er knapp über 80 km/h, hätte aber nur 60 fahren dürfen“, erklärte Anwalt Pagels.

Doch anders als der Landkreis, der trotz der heftigen Kritik in LZ-Artikeln an der Beschilderung des neuen Tempolimits unbeirrt am Bußgeldbescheid festhielt, sei das Gericht zu der Überzeugung gekommen, dass die Beschilderung an der Auffahrtstelle „nicht ausreichend und zu unübersichtlich“ gewesen sei. Genau das hatten zahlreiche Autofahrer beklagt, die Ende Juni in dieselbe Falle getappt waren. Wie berichtet, hatten sie kritisiert, dass die Schilder mit dem Tempolimit anders als üblich auf halber Strecke des Beschleunigungsstreifens angebracht waren, dort, wo viele sich auf das Einfädeln in den fließenenden Verkehr auf der Ostumgehung konzentrieren mussten. Erst durch das Blitzen sei einigen bewusst geworden, dass sie offenbar mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs waren.

1301 Fotos an einem Tag

Dass die Beschilderung mindestens fragwürdig war, wurde schon im Juni schnell deutlich: Während das Tempomessgerät normalerweise bis zu 20 Mal an dieser Stelle auslöst, schoss der Blitzer am Tag nach der Umstellung quasi im Dauerfeuer: 1301 Fotos kamen laut Landkreis allein an diesem Tag zusammen. Wenige Tage später wurde die Beschilderung dann durch weitere Schilder ergänzt.

Für den Landkreis war es in jedem Fall eine lukrative Sondereinnahme, auch wenn Landrat Manfred Nahrstedt damals erklärte, die Ordnungswidrigkeiten wohlwollend prüfen zu lassen. Für den Lkw-Fahrer hat sich der Einspruch gelohnt. Statt der ursprünglich geforderten 80 Euro muss er zwar immer noch 55 Euro bezahlen, bekommt aber nun keinen Punkt mehr in Flensburg. Daran könnten sich nun auch andere Autofahrer orientieren, denn nach Einschätzung von Anwalt Pagels wird das Gericht diese Linie auch bei noch anstehenden Verhandlungen verfolgen. Pagels: „Pech nur für die, die bereits bezahlt haben.“

Von Ulf Stüwe