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Das Haus auf dem gelb markierten Grundstück steht eigentlich auf Überschwemmungsgebiet der Ilmenau. Der Landkreis Lüneburg genehmigte jedoch den Bau unter der Voraussetzung, dass auf dem Grundstück eine Ausgleichsfläche in Form einer Kuhle entsteht. Doch die drückt bei Hochwasser auf die Drainageanlage des Besitzers des türkis markierten Grundstücks - deshalb legte der Klage ein. Karte: google maps, Grafik: hm

Ilmenauwasser macht mächtig Druck

Lüneburg/Bardowick. Wer an der Ilmenau bauen möchte, muss sich nicht nur mit Themen wie Hochwasserschutz und Ausgleichsflächen herumschlagen. Auch die Nachbarn können Schwierigkeiten machen. Manchmal trifft beides zu. So wie jetzt in Bardowick: Auf dem Überschwemmungsgebiet der Ilmenau an der St.-Wilhadi-Straße baut ein lokaler Träger ein Mehrfamilienhaus. Um dafür vom Landkreis Lüneburg eine Genehmigung zu erhalten, grub er eine rund 240 Kubikmeter große Kuhle als Ausgleichsfläche im Hochwasserfall. In der soll das überschüssige Wasser versickern können. Der Kreis gab dem Antrag statt, erteilte eine „Wasserbaurechtliche Ausnahmegenehmigung“.

Keine Entscheidung ohne Gutachten doch wer zahlt?

Dagegen wehrt sich schon seit einiger Zeit der Eigentümer eines Nachbargrundstücks. Das Problem des bei Stadt und Landkreis wohlbekannten Klägers: Um sein Haus liegt eine Ring-Drainage, die den Keller trocken halten soll. Die besagte Kuhle des Baugrundstücks befindet sich nur etwa zwei Meter daneben. Im Hochwasserfall, so die Argumentation des Klägers, fülle sich die Kuhle und das Wasser drücke auf die Drainage.

Dem von 240 Kubikmetern Wasser ausgehenden Druck sei die Drainage nicht gewachsen, erklärte der Nachbar. Und reichte Klage gegen den Landkreis ein das Haus indes steht bereits, die Kuhle ist ausgehoben. Bei der gestrigen Verhandlung vor der 6. Kammer am Lüneburger Verwaltungsgericht wies der Kreis die Anschuldigungen zurück. „Der Kläger macht nicht deutlich, warum das Bauvorhaben dafür verantwortlich gemacht werden soll“, erklärte Kreisjustitiarin Silke Fürst. Es gebe kein Gutachten, das die Klage begründen würde. Das hatte zuvor bereits das Oberverwaltungsgericht Lüneburg bemängelt, das sich ebenfalls schon mit dem Fall befasste.

Richter braucht noch Zeit zum Grübeln

Ohne eine Einschätzung von Sachverständigen, ob eine gefüllte Kuhle sich überhaupt auf die Drainage auswirke, könne keine Entscheidung getroffen werden. Das entsprechende Gutachten möchte der Kläger jedoch nicht selbst zahlen. Würde das vom Gericht in Auftrag gegeben, müsste der Landkreis bei einem Prozessverlauf zu seinen Ungunsten für die Summe aufkommen.

Für den Vorsitzenden Richter Thomas Pump stellte sich nun die Frage, ob er die Klage abweist oder weiterverhandelt wird, ein Gutachten aus der Prozesskasse bezahlt werden muss. Nach den Vorschriften des Wasserhaushaltsgesetzes müssen Dritte in diesem Fall der Kläger nicht in den Hochwasserschutz von Privatgrundstücken einbezogen werden. Es sei denn, sie sind in erheblichem Maße negativ davon betroffen. „Darüber muss ich noch grübeln“, sagte Pump zum Abschluss der Sitzung, eine Entscheidung wird vermutlich in der kommenden Woche zugestellt.

Von Robin Williamson