Mittwoch , 20. September 2017
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Auf dem Marktplatz demonstrieren Anwohner der Bahnstrecke Lüneburg-Uelzen gegen den geplanten Bau des dritten Gleises. Foto: t&w

Protest gegen Bahnpläne

Lüneburg. Mit lautem Trommeln auf dem Marktplatz, mit Trillerpfeifen und anschließendem Protestmarsch zur Ritterakademie machten rund 100 Anwohner der Bahnstrecke Lüneburg-Uelzen gestern ihrem Unmut gegen den geplanten Bau des dritten Gleises der sogenannten Variante Alpha E Luft. In der Ritterakademie fand auf Einladung der Deutschen Bahn in Lüneburg die erste Infoveranstaltung zum Ausbauprojekt Hamburg-Bremen-Hannover statt.

„Möglichkeiten für Umfahrungen wollen wir mit den Betroffenen vor Ort erarbeiten.“
Matthias Hudaff, Bahnmanager

Um 396 Kilometer soll das Schienennetz in Niedersachsen, Bremen und einem Teil Nordrhein-Westfalens erweitert werden, um so den zunehmenden Güterverkehr vor allem aus den norddeutschen Seehäfen auch in Zukunft bewältigen zu können (siehe Grafik). So sieht es der Bundesverkehrswegeplan 2030 und das im Dezember 2016 vom Bundestag verabschiedete Bundesschienenausbaugesetz vor. Auf die Alpha-Variante E hatten sich 2015 die Mitglieder des Dialogforums Schiene-Nord verständigt, gemäß der Devise: Ausbau vor Neubau (LZ berichtete).
Jetzt also soll es in die Planung gehen nicht an den betroffenen Bürgern vorbei, „sondern im Dialog mit ihnen“, machte Matthias Hudaff, Leiter des Bahnprojektes Hamburg/Bremen-Hannover gestern in der Ritterakademie deutlich.

Alpha E, geh! — Protest gegen drittes Gleis

Doch bei aller zur Schau getragenen Gesprächsbereitschaft: Widerstand wurde gestern schon bei der Auftaktveranstaltung deutlich. Prominentester Kritiker des Verfahrens ist Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). Der machte aus seinem Missfallen für die Alpha-E-Variante keinen Hehl: „Wir reden nicht über das Wie, sondern über das Ob“, griff der Lüneburger Rathauschef leicht verändert ein Zitat des Niedersächsischen Wirtschaftsministers Olaf Lies (SPD) auf. Der hatte sich vor wenigen Tagen verärgert über die Kritik aus Lüneburg geäußert und betont, dass das Verfahren nicht mehr neu aufgerollt, sondern nur noch über das „Wie“ der Umsetzung, nicht mehr über das „Ob“ diskutiert werde.

Den Lüneburger Oberbürgermeister beeindruckte das nicht, und er bekräftigte erneut seine Kritik am Dialogforum Schiene-Nord, das 2015 in Celle stattgefunden hatte. „Demokratisch wäre eine Bürgerbefragung vor Ort in der Region“, betonte Mädge. „Fragen Sie die Lüneburger, wie die das finden, wenn täglich 200 Züge mehr mitten durch die Stadt fahren…?“ Für Mädge ist klar: Der Bau des dritten Gleises, um mehr Güter aus den Nordseehäfen auf der Schiene ins Hinterland zu bringen, ist keine Option.

Die Grafik zeigt die Strecken des Ausbauprojektes Hamburg/Bremen-Hannover, mit dem die Deutsche Bahn das Schienennetz im Norden zukunftsfähig machen will.

Das hat man womöglich auch in Berlin erkannt, denn entgegen der ursprünglichen Pläne, die nur den Bau des dritten Gleises zwischen Lüneburg und Uelzen vorsahen, werden nun auch Ortsumfahrungen für Lüneburg, Deutsch Evern, Bad Bevensen und Uelzen angedacht. Konkrete Pläne dafür gibt es freilich nicht. „Kann es auch noch nicht geben“, verdeutlichte Hudaff, „Möglichkeiten für Umfahrungen wollen wir mit den Betroffenen vor Ort erarbeiten.“ Eine Einschränkung nannte der Bahnmanager dann doch: Die Umfahrungen sollten möglichst nah an der Bestandsstrecke liegen.

Alleine die Planungskosten für das Großprojekt schätzt Hudaff auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Geht es nach dem Bahnmanager, soll nächstes Jahr mit den Vorplanungen für den Ausbau des drittes Gleises und womöglich auch für die Umfahrungstrecke(n) begonnen werden.
Die Stadt Lüneburg dagegen drängt jetzt mehr denn je auf ein Raumordnungsverfahren durch das Land Niedersachsen. Die gleiche Forderung stellt auch die Gemeinde Deutsch Evern und der „Verein Anwohner gegen den Ausbau DE21“ (AgaDE21).

Raumordnungsverfahren beim Streckenausbau nicht notwendig

Eine Forderung, die Staatssekretär Enak Ferleman (CDU) im Bundesverkehrsministerium ablehnt. Begründung: Das sei beim Streckenausbau nicht notwendig. Und auch die möglichen Umfahrungen sieht Ferlemann nicht als Neubauten. Im Gegensatz zu Ulrich Mädge. Selbstverständlich wären Umfahrungen Neubaustrecken, sagt der Verwaltungschef. Denn damit die Züge die geforderten Geschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometer in der Stunde fahren können, seien nur geringe Radien möglich. Das heißt: „Eine Umfahrung müsste bei Radbruch beginnen und hinter Bad Bevensen auf das Hauptgleis zurückführen“ Und: „Diese Strecke muss getunnelt oder gedeckelt werden.“ An den Bau des dritten Gleises glaubt Mädge nicht mehr „schon aus Lärmschutzgründen“.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols ist mit dem Verfahren unzufrieden: Dass die Kommunen bei der Suche nach möglichen Umfahrungs-Alternativen mithelfen sollen, ist auch für ihn undenkbar. „Das ist Aufgabe der Bahn-Ingenieure!“ Pols abschließend: „Wir werden um ein Raumordnungsverfahren nicht umhin kommen.

Von Klaus Reschke

One comment

  1. Es gibt Interessengemeinschaften und Bürgerinitiativen die kämpfen gegen den Ausbau von Straßen und speziell gegen die Verlängerung der A 39. Ebenso kämpfen Vereine und andere Zusammenschlüsse für den Ausbau von Radwegen und den Rückbau von Straßen. Viele dieser Gemeinschaften fordern zudem mehr Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene. Jüngst in der Diskussion anlässlich der Zulassung von Giga-Linern auf bestimmten Strecken. Auch die Partei „Die Grünen“ verlangt mehr Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene.

    Doch wie dumm. Da kämpfen Anwohner dafür, dass bei ihnen keine Schienen verlegt werden sollen. Und wenn ich durch die Landkreise Lüneburg, Harburg oder Uelzen fahre sehe ich immer wieder Schilder die sich gegen eine neue Bahntrasse wenden. Und jetzt kommen auch noch Politiker und wollen für eine Verlegung mit Ortsumfahrungen (ich sehe da schon neue Gegner aus dem ländlichen Raum) ein Raumordnungsverfahren. Vielleicht demonstrieren demnächst auch noch die Spediteure weil ihnen evtl. Aufträge entgehen könnten und Arbeitsplätze gefährdet sind. Was stecken da für Widersprüche drin. Bald demonstriert jeder gegen jeden, weil jeder nur an sich denkt. Wie soll das weiter gehen und zu einer Lösung führen. Vielleicht Doch mehr Güterverkehr durch die Luft? Braucht keine Schienen. Aber oh je… Was fallen mir da schon wieder Kritiker und Gegner ein.. Und mehr Flughäfen wären dann auch erforderlich. Schon wieder neue Demonstranten und Gegner. Und wer holt die Waren vom Flughafen ab und transportiert sie weiter? Pferdefuhrwerke? Wir drehen uns bald ohne Ende und Ergebnis im Kreis.