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Oberbürgermeister Heinz Schlawatzky (r.) und Oberstadtdirektor Hans-Heinrich Stelljes stecken Käthe Krüger den Ehrenring an den Finger. Foto: A/mac

Erbe will Ehrenring verkaufen

Von Rainer Schubert
Lüneburg. Wer den Ehrenring der Stadt Lüneburg trägt, zählt zum kleinen Kreis engagierter Bürger, die sich in außergewöhnlichem Maß um die Stadt verdient gemacht haben. Nur 27 Lüneburgern, die sich gleichzeitig ins Goldene Buch eintrugen, wurde diese Ehre bislang zuteil. Der Ehrenring hat vor allem ideellen Wert. Eigentlich unvorstellbar, dass ihn jemand verkauft. Eigentlich. Denn jetzt ist erstmals ein Exemplar auf dem Markt.

Käthe Krüger engagierte sich als Armenpflegerin

Beim Internet-Netzwerk Facebook bietet Sören Hansen aus Flensburg einen der Ringe an, verlangt dafür locker 12.345 Euro und hat dabei eine Bedingung: „Der Ring soll zurück nach Lüneburg gehen.“ Den Ring hatte ihm seine Großmutter Käthe Krüger vererbt, sie war die fünfte Trägerin des Ehrenrings. Der 46 Jahre alte Hansen erzählt: „Ich fand den Ring immer schon schön, schaute ihn mir immer an, wenn ich meine Oma besuchte. Direkt nach ihrem Tod 1984 haben mir meine Eltern den Ring gegeben.“ Selbst habe er ihn nie getragen: „Ich müsste ihn dafür extrem weiten.“ Der Post-Angestellte beteuert, das gute Stück nicht aus Geldnot veräußern zu wollen: „Bei mir liegt der Ring nur rum, da kann ich ihn doch auch zu Geld machen. Vielleicht findet sich ja ein Liebhaber.“

Die 12.345 Euro sind laut Sören Hansen eine Fantasiesumme: „Ich weiß nicht, was er wert ist.“ Das allerdings weiß Daniel Gritz, Pressesprecher der Stadt Lüneburg: „Ein Ring kostet uns 2700 Euro. Das ist aber der materielle Wert, der ideelle Wert ist unermesslich.“ Daher sehe die Stadt diese Verkaufsaktion auch ungerne. Vielleicht könnte die Stadt den Ring ja kaufen — eine Lösung, die Hansen gefallen könnte: „Oder vielleicht hat das Museum Interesse, das ja Erinnerungsstücke von meinem Urgroßvater ausstellt. Es ist schon bemerkenswert, was meine Familie in Lüneburg geleistet hat.“

Verwalterin des städtischen Kleiderlagers

Sein Urgroßvater ist Johannes Lopau, der von 1920 bis 1933 Senator der Stadt war. Dessen Tochter Käthe Krüger wirkte 28 Jahre lang als Armenpflegerin für unzählige Menschen auf der Schattenseite des Lebens. Nach dem Krieg verhalf sie in Lüneburg als Verwalterin des städtischen Kleiderlagers manchem Flüchtlingskind zu einem Mantel gegen die Kälte, mancher ausgebombten Hamburgerin zu einem Rock. Vier Wahlperioden lang — von 1956 bis 1968 — kümmerte sie sich als SPD-Ratsherrin und Senatorin in besonderer Weise um soziale Probleme. Zudem war sie viele Jahre Vorsitzende der Lüneburger Arbeiterwohlfahrt und des Hilfswerkes der freien Wohlfahrtsverbände.

Sören Hansen hat seine Oma noch in guter Erinnerung: „Wir haben sie in ihrem Haus an der Soltauer Straße zwei Mal im Jahr besucht. Als sie im Alter von 82 Jahren starb, war ich 14.“ Mit „wir“ meint er sich und seine Eltern, Käthe Krügers Tochter Änne Käthe und Günter Hansen: „Mein Vater stammt aus Flensburg, hatte da eine Ausbildung gemacht und arbeitete später in einem Lüneburger Möbelgeschäft. Eines Tages kam meine Mutter als Kundin ins Geschäft.“ Es funkte, die Heirat folgte und noch in den 1950er-Jahren zog das Paar nach Flensburg.

Erinnerungen an die Kindertage in Lüneburg

Auch nach dem Tod seiner Oma besuchte Sören Hansen Lüneburg hin und wieder: „Zuletzt im vergangenen Sommer. Ich bin die Straßen meiner Kindheit abgegangen.“ Und er kommt wieder, sollte sich ein Käufer finden lassen.

Senator Johannes Lopau

Der Vater von Käthe Krüger war Johannes Lopau, Jahrgang 1878, Senator in Lüneburg von 1920 bis 1933. Er kam als „fremdgeschriebener Maurergeselle“ vor der Jahrhundertwende nach Lüneburg. Eines der ersten Vorhaben, an dem er handwerklich mitwirkte, war der Neubau des Landeskrankenhauses. Auch bei der Erneuerung des Turmes der Johanniskirche 1909 stand Lopau mit auf dem hohen Gerüst. 1914 zog er in den Krieg. Er engagierte sich für seine Mitmenschen. 1919 gehörte er dem Arbeiter- und Soldatenrat an. Er war in der Gewerkschaft, wurde Stadtverordneter und Senator. Die Lüneburger Gartenanlagen waren sein besonderes Anliegen. Mit Sorge sah er das NS-Regime heraufziehen. Als die Nazis die Macht ergriffen, brachte sich Lopau um.

6 Kommentare

  1. „Bei mir liegt der Ring nur rum, da kann ich ihn doch auch zu Geld machen“. Ja, natürlich. Stolz auf das familiäre Erbe? Fehlanzeige. Dankbarkeit für das verdienstvolle Wirken der Großeltern? Warum das denn? Respekt vor der Ehrung durch die Stadt Lüneburg? Nö. Hauptsache Kohle für die nächste AllInk-Reise nach Malle oder eine neue Monsterglotze. Was für eine Generation von selbstsüchtigen, geschichtsvergessenen Erben wächst da heran.

  2. @magnusausonius
    Warum meinen wir heute eigentlich uns zu allem und jedem eine Meinung bilden zu können/ müssen und diese dann auch noch, in teilweise beleidigender Art und Weise, öffentlich zu machen.
    Der Mann wird schon seine Gründe haben. Und wenn Sie nur monetärer Natur sind, geht es auch nimanden etwas an. Sollte niemand bereit sein, diesen Preis zu zahlen, wird er das Erbstück sowieso behalten müssen oder wollen. So oder so kommt niemand zu Schaden.

    • Aus dem gleichen Grund, aus dem über diesen unschönen Vorgang berichtet wurde, liebe Lüneburgerin. Es geht hier eben nicht nur um „monetäre“ Gründe eines Einzelnen, sondern um den Umgang mit einer Auszeichnung, die die Bürger der Stadt Lüneburg verliehen haben. Und deswegen geht es diese auch sehr wohl etwas an. Zumal der betreffende Erbe ja auch auf einen Rückkauf durch die Stadt spekuliert. Ich lese aus Ihrem Beitrag heraus, dass auch Ihnen ideelle Begriffe wie Respekt und Dankbarkeit weniger zu bedeuten scheinen, wie Preis, Besitz und Schaden. Schade eigentlich.

    • Lüneburgerin
      Warum meinen wir heute eigentlich uns zu allem und jedem eine Meinung bilden zu können/ müssen und diese dann auch noch, in teilweise beleidigender Art und Weise, öffentlich zu machen.
      weil wir es können. schmunze.l wer oder was hindert uns daran?

  3. diese art von ehrungen sind so völlig daneben. meine meinung. wenn man es richtig machen will, sollte es an die lebenszeit des betroffenen gebunden sein. somit gibt es keine vererbung von verehrungen. und auch keine möglichkeit es zu versilbern.