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In Lüneburger werden die Grenzwerte in Sachen Strahlenbelastung unterschritten. Foto: A/t&w

Wie stark strahlt es an der Ilmenau?

Lüneburg. Das Smartphone ist aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken: Wer eins hat, ist jederzeit erreichbar, kann unterwegs ins Internet gehen oder Freunde anrufen. Doch um Sprache oder Daten zu übertragen, werden hochfrequente elektromagnetische Felder genutzt. Doch wie groß ist die Strahlung eigentlich, die von diesen Geräten freigesetzt wird? Und ist sie gesundheitsgefährdend? Ein Professor für Elektrotechnik hat deutschlandweit die sogenannte Feldstärke gemessen. Die Lüneburger können aufatmen: Die Hansestadt steht auf Platz 111, die Strahlungen sind also vergleichsweise gering.

Grenzwerte werden in Lüneburg unterschritten

„Die Grenzwerte werden deutlich unterschritten“, sagt Prof. Dr. Matthias Hampe, der an der Ostfalia-Hochschule in Wolfenbüttel lehrt und seit knapp zwei Jahren zusammen mit Studenten durchs Land tourt. Das Fortbewegungsmittel der Wahl ist ein silberfarbener Golf, auf dem Dach eine Kunststoff-Box. Da­rin befindet sich eine Hochleistungsantenne, die im Vorbeifahren die Stärke der unsichtbaren elektromagnetischen Wellen auffängt. Ein Messgerät im Kofferraum misst die empfangenen Frequenzen, ein Laptop zeichnet die Daten auf.
Die Idee kam dem 39-Jährigen 2014. In Vorlesungen berichtete er seinen Studenten von Feldstärkemessungen. Die Bundesnetzagentur, die in Deutschland überprüft, ob die Grenzwerte eingehalten werden, hatte zu dem Zeitpunkt ein Messgerät auf dem Dach der Hochschule. „Da kam ein Zahlenwert heraus, der uns sagte, dass alles in Ordnung sei“, erinnert sich Hampe. „Messungen für einen Ort sind sehr genau.“ Hundert Meter weiter hätten die Verhältnisse aber ganz anders sein können, deshalb sei die Idee aufgekommen, nicht lange an einem Ort zu messen, sondern „ganz viele Momentaufnahmen“ zu sammeln.

Die Karte, die das Team jetzt zum Veranschaulichen erstellt hat, kann sich sehen lassen: 203 Orte in ganz Deutschland wurden schon vermessen. Die Feldstärke ist anhand einer Farbskala aufgeschlüsselt, so steht blau beispielsweise für geringe Strahlungen, violett für hohe Messwerte. „Wir haben alle Landeshauptstädte und alle Millionenstädte besucht“, sagt Hampe, „mittlerweile aber auch viele Dörfer.“ Er habe es den Studenten teilweise freigestellt, wohin sie fahren wollen. So hätten sie beispielsweise auch entschieden, nach Lüneburg zu fahren. „Einige meiner Studenten stammen aus Lüneburg.“

Die Karte zeigt die Messergebnisse für Lüneburg: In blau gefärbten Straßen ist die Strahlung gering, höhere Werte wurden in gelb-orange gekennzeichneten Bereichen gemessen. Foto: screenshot/feldkarte.de

Auf Platz 1 steht Düsseldorf, danach kommen München, Frankfurt und Hamburg. Während der maximale Ausschöpfungsgrad in Lüneburg in der Ebs­torfer Landstraße gerade mal bei 6,38 Prozent liegt, kommt Düsseldorf nahe der Rheinbrücke auf 31 Prozent. Selbst das ist deutlich unter den Grenzwerten, fügt der Professor hinzu. „Bei 50 Prozent kommt die Bundesnetzagentur und überprüft den Sender, bessert gegebenenfalls nach.“ Einen Verstoß gegen gesetzliche Vorgaben habe man bislang nirgends finden können. „Wenn neue Sender aufgestellt werden, wird das in der Regel auch sehr penibel kontrolliert.“

Höchste Messwerte ander Erbstorfer Landstraße

Mögliche gesundheitliche Auswirkungen hat auch Prof. Dr. Anthimos Georgiadis im Blick. Der geschäftsführende Direktor des Instituts für Produkt- und Prozessinnovation der Leuphana hat auf LZ-Nachfrage einen Blick auf die Lüneburger Messergebnisse geworfen und gibt ebenfalls Entwarnung. „Die Strahlungen liegen im Gigahertzbereich, dringen also nicht mal in den menschlichen Körper ein.“ Auch betont er, dass elektromagnetische Strahlung nicht immer schädlich sein muss. So gebe es beispielsweise Wechselwirkungen mit Körperfunktionen. „Man kann beispielsweise schon mit kleinen Signalen eine Funktion des Auges reaktivieren.“ Das Paradebeispiel sei der Defibrillator für den Herzmuskel.

„Natürlich gibt es auch negative Wirkungen.“ So habe die radioaktive Strahlung beispielsweise einen akkumulativen Effekt, das könne zu Veränderungen des Stoffwechsels und Zellveränderungen, kurzum also zu Krebs führen. Einen solchen Effekt könne ein Handy aber niemals erzeugen. Auch ein Sendemast nicht, „wenn dort die europäischen Normen eingehalten werden“. Trotzdem bleibe bei manchem ein ungutes Gefühl zurück.

In Lüneburg wurden die höchsten Werte dort gemessen, wo die Straßen orangefarben leuchten. „Dort können sich die Anwohner zumindest sicher sein, dass das Telefonnetz stark ist, gesundheitsgefährdend ist das keineswegs“, sagt Georgiadis. Die Karte ist im Internet unter www.feldkarte.de einsehbar.

Von Anna Paarmann

Tipps zur Reduzierung der Belastung

Durch das eigene Verhalten kann man die Strahlenbelastung im Alltag senken. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt für den Umgang mit Smartphone und Tablet: Beim Kauf eines Handys auf niedrigen SAR-Wert achten: Die Spezifische Absorptionsrate gilt als Maß für die Energieaufnahme. Um gesundheitliche Wirkungen der hochfrequenten Felder auszuschließen, sollte der Wert eines Handys nicht mehr als 2 Watt pro Kilogramm betragen.

Bis 0,6 gilt ein Gerät als strahlungsarm. SAR-Werte von aktuellen Smartphones sind unter www.bfs.de/sar-werte-handy zu finden. Telefonieren Sie mit einem Headset. Möglichst nur bei gutem Empfang oder über WLAN im Internet surfen. E-Mails manuell abrufen. Schalten Sie beim Telefonieren den Hintergrunddatenverkehr ab. Wenn Sie Ihr Smartphone am Körper tragen, achten Sie auf den vom Hersteller angegebenen Mindestabstand. Die Belastung mit hochfrequenten Feldern verringert sich deutlich je größer der Abstand ist.