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Der Bauausschuss beschäftigt sich mit dem alten Bowling-Center am Handwerkerplatz. Der neue Eigentümer will es abreißen lassen, entstehen soll an gleicher Stelle ein Komplex mit Wohnungen. Foto: A/t&w

Wohnungen statt Bowling

Lüneburg. Der Standort ist markant und geschichtlich bedeutsam: Am heutigen Handwerkerplatz stand einst die ehemalige MTV-Sporthalle. In dem 1880 errichteten Gebäude, das vor den Turnern von der Feuerwehr genutzt worden war, fand 1945 der erste Kriegsverbrecherprozess nach Ende des Zweiten Weltkrieges statt. Wachleute des Konzentrationslagers Bergen-Belsen mussten sich für ihre Morde und andere Gräueltaten verantworten. Nach dem Abriss 1976, aus heutiger Sicht ein Frevel, entstand dort ein unansehnlicher Klotz, nachdem im vergangenen Jahr ein Bowling-Center und zuvor ein Matratzenmarkt schlossen, stehen viele Teile leer. Aktuell sind dort noch ein Sonnenstudio und eine Bäckerei untergebracht. Nun soll der Klotz abgerissen werden und einem Neubau mit Wohnungen weichen.

Der Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung beschäftigt sich mit dem Vorhaben in seiner Sitzung am Montag, 23. Januar, Beginn ist um 15 Uhr im Traubensaal des Rathauses. Dann soll zunächst geprüft werden, ob der aktuell gültige Bebauungsplan aus den 70er-Jahren mit seinen Vorgaben für das Eckgrundstück Lindenstraße/Barckhausenstraße noch ausreichend ist oder ob die Festlegungen – beispielweise hinsichtlich der äußeren Gestaltung oder der Geschosszahl – geändert werden sollen. „Es geht vor allem darum, Ansätze für eine städtebauliche Neuordnung und Gestaltung festzuschreiben und die kommunale Planungshoheit sicherzustellen. Der städtebauliche Anspruch resultiert aus der exponierten Lage des Grundstücks am Stadtring und nicht zuletzt auch aus dem historisch bedeutsamen Standort“, begründet Suzanne Moenck, Pressesprecherin der Stadt. „Es geht darum, Fehler aus den 70er-Jahren zu korrigieren.“ In jedem Fall soll die Öffentlichkeit an dem Verfahren beteiligt werden.

Noch liegt der Verwaltung weder eine Bauvoranfrage noch ein Bauantrag vor. Allerdings habe der neue Besitzer, der das Grundstück mit dem Gebäude im vergangenen Jahr erworben hatte, der Verwaltung schon unterschiedliche Konzepte zur Bebauung vorgelegt. Danach plant der Eigentümer in den Obergeschossen Wohnungen, aber auch wieder Verkaufsflächen im Erdgeschoss. ahe

One comment

  1. “ Nach dem Abriss 1976, aus heutiger Sicht ein Frevel…“ Sehr schade dass das erst Heute eingesehen wird. Es gab damals von sehr, sehr vielen Bürgern vehemennte Proteste gegen den Abrriss der alten MTV-Halle. Die Halle war ein Wahrzeichen an dieser Kreuzung. In den kalten Jahreszeiten fand dort unser Schulsportunterricht statt. Und über viele Jahre fand dort die überaus beliebte Maskerade des MTV, der Lumpenball und die Feier am Rosenmontag statt. Erinnerungen die haften geblieben sind. Bis der Rat der Stadt blind alles zunichte machte ohne die Einwände der Bürger zu berücksichtigen.

    Jetzt soll nach Stadtsprecherin Suzanne Moenck die Öffentlichkeit an den Planungen für einen Neubau beteiligt werden um die Fehler aus den 70er-Jahren zu korrigieren. Nur eine Farce um den Anschein einer Wiedergutmachung zu erwecken oder doch ernsthaft gemeint. Ich weiß es nicht. Aber ich beteilige mich. Hier, jetzt und sofort.

    1. Ich plädiere für einen Neubau in alter Backsteinoptik die der alten MTV-Halle ähnelt.
    2. Auch, wenn vielleicht nur ansatzweise, wünsche ich mir die beiden damals markanten Türme zurück.
    3. Auf gewerbliche Einheiten in einem Neubau sollte verzichtet werden. Ohnehin eine 3c-Lage ohne große Umsatzaussichten.
    4. Ein kleiner Vorplatz soll eingeplant werden
    5. Der Bürgersteig und Radweg vor dem neuen Gebäude muß größzügiger gestaltet werden.

    Ganz konkrete Vorschläge einer gebürtigen Lüneburgerin Frau Moenck. Ich möchte nur das der Character unserer Stadt so weit wie möglich erhalten bleibt. Denn das ist das Aushänge- und Werbebildschild dieser ansonsten sehr schönen (Innen-) Stadt. Lässt sich da vielleicht was machen?