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Sie wollen bei den Frauen verborgene Talente wecken (.l.): Workshop-Leiterin und Coach Heike Hein, Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Salzhausen, Astrid Warburg-Manthey, und Michaela Klomp, Leiterin der Salzhäuser Volkshochschule. Foto: t&w

Workshop für berufliche Wiedereinsteigerinnen

Salzhausen. Auch heute noch haben es Frauen schwerer als Männer, ihren Wunschjob zu bekommen. Noch schwieriger ist der berufliche Wiedereinstieg für Frauen etwa nach einer Babypause. Drei Frauen wollen das ändern. Dazu haben Astrid Warburg-Manthey, Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Salzhausen, Michaela Klomp, Leiterin der Salzhäuser Außenstelle der Volkshochschule, und Heike Hein, Beraterin und Coach, die Workshop-Reihe „Mut zum Durchstarten“ ins Leben gerufen, die jetzt zum dritten Mal läuft. Im LZ-Interview sprechen sie über das Ziel, veraltete Rollenbilder und verborgene Talente.

Interview

Warum ist es für Frauen schwierig, nach einer Pause wieder ins Berufsleben einzusteigen?
Astrid Warburg-Manthey: Im beruflichen Sektor sind nach wie vor Frauen unterprivilegiert. Trotz Gleichstellungsgesetzen haben Frauen es immer noch schwer, in die gleiche Positionen wie Männer zu kommen. Trotz höherer Bildung an Schulen und Hochschulen haben sie gegenüber ihren männlichen Mitbewerbern bei der Jobsuche oft das Nachsehen. Viele Arbeitgeber fürchten auch den Ausfall der Frau beispielsweise durch eine weitere Schwangerschaft. Vor allem junge Frauen haben das Problem, auch wenn es den Chefs gesetzlich verboten ist, nach dem Kinderwunsch der Bewerberinnen zu fragen. Dagegen können sie sogar klagen.

Heike Hein: Frauen bewerten ihre eigenen Fähigkeiten oft schlechter als Männer. Sie lesen eine Annonce, denken: „Das kann ich nicht.“ Ein Mann sagt: „Klar kann ich das, was ich nicht kann, lerne ich vorher.“ Frauen sind zögerlicher, wollen vor der Bewerbung alle Anforderungen erfüllen. Ihr eigenes Potenzial können sie oft nicht einschätzen.

Was übersehen Frauen dabei häufig?
Warburg-Manthey: Sie übersehen, was sie alles gelernt haben in der Zeit, in der sie sich beispielsweise um die Kindererziehung gekümmert haben. Das sind Familienplanung, Familienorganisation, Familienführung. Das wird gerne als selbstverständlich genommen. Im Workshop sollen sie sich dieser Talente bewusst werden.

Also ist das beruflich gesehen keine „verlorene Zeit“?
Michaela Klomp: Nein, man lernt ungeheuer viel. Zum Beispiel auf verschiedenen Ebenen zu arbeiten. Viele Mütter haben ja neben der Kindererziehung noch einen Minijob. Auch private Veranstaltungen werden gerne von Müttern alleine organisiert jedenfalls geht mir das so. Organisieren das haben die Frauen drauf.
Hein: In dem Workshop sollen die Frauen sich selbst besser kennenlernen, sehen, wo ihre Stärken liegen und wo sie Potenziale haben. Dabei spielt auch das Feedback der anderen Teilnehmerinnen eine große Rolle. Ihnen ist oft gar nicht klar, wie sie auf andere wirken. Wir reden auch über die individuelle psychische Belastbarkeit, die Resilienz, wie konfliktfähig die Frauen sind und wie sie das verbessern können.

Und das ist natürlich sehr hilfreich bei der Jobsuche.
Hein: Das sind sehr wertvolle Elemente. Nach dem Workshop sollen die Frauen ihre berufliche Zukunft deutlich besser planen können. Sie sollen wissen, was ihre nächsten Schritte sind. Bei der Agentur für Arbeit würde eine Frau zum Beispiel sagen: Ich bin in Elternzeit, habe Bürokauffrau gelernt, das würde ich gerne wieder machen. Aber Bürokauffrau ist überhaupt nicht präzise genug! Am Ende des Workshops soll herauskommen: Bürokauffrau, gerne in einem kleinen Büro, beispielsweise ein Ingenieurbüro, weil mich diese Arbeit interessiert. Wenn ich das weiß, kann ich mich viel klarer positionieren. Ich mache Mut für Initiativbewerbungen. Frauen haben den Firmen was zu bieten!

Inwieweit stehen noch klassische Rollenbilder im Weg?
Hein: Es gibt immer noch Frauen, die sich in der Ehe versorgt fühlen und sich nicht um eine eigene Altersvorsorge kümmern. Allerdings ändert sich das seit geraumer Zeit.
Warburg-Manthey: Heutzutage werden wesentlich mehr Ehen geschieden. Das Unterhaltsrecht ist geändert worden. Frauen stehen auf einmal mit Mitte 50 vor dem beruflichen Wiedereinstieg, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Auch sie gehören zur Zielgruppe des Workshops.

Wie ist der Workshop aufgebaut?
Hein: Die sechs Workshops behandeln jeweils ein Kernthema, beispielsweise Kommunikation. Dort lernen wir erst einmal, was Kommunikation überhaupt bedeutet, schauen uns die Theorie an. Wichtiger sind mir allerdings praktische Aspekte: Wie kommuniziere ich in welchen Situationen. Was macht mir Stress? Ein anderes Thema ist der Umgang mit Ablehnung, beispielsweise: Wieso ist es so schwierig, „Nein“ zu sagen? Wenn ich mir klar mache, was es braucht, um ein „Nein“ zu akzeptieren, lerne ich es selber auszusprechen. Ich habe zwar einen Plan für den Ablauf ich stelle diesen aber in Absprache mit der Gruppe auf den Prüfstand. Wir als Gruppe entscheiden also, wie wir weitermachen, was Sinn macht: Die Begegnung geschieht auf Augenhöhe. Da es sich um eine Workshop-Reihe handelt, wir einige Zeit miteinander verbringen, soll und ist individuelle Entwicklung möglich. Im Idealfall wächst die Gruppe in der Zeit so gut zusammen, dass hinterher ein Netzwerk entsteht.

Haben Sie Verständnis für Frauen, die zu Hause bleiben?
Warburg-Manthey: Ich kann absolut akzeptieren, wenn Frauen das für sich so entschieden haben. Was ich nicht akzeptieren kann, ist, wenn das von den Frauen gefordert wird. Ich bin eine absolute Gegnerin des Betreuungsgeldes. Viele Frauen sind heutzutage von der Altersarmut betroffen. Frauen müssen schauen, dass sie finanziell abgesichert sind! Und sich selbst absichern können. Denn nur so können wir tatsächlich Gleichberechtigung erreichen.

Hein: Selbstverständlich kann ich das akzeptieren. Ich erlebe es aber auch immer wieder, dass Frauen zwar sagen, dass sie gerne zu Hause bleiben, aber dabei eher für ihren Mann sprechen. „Mein Mann will eigentlich nicht, dass ich arbeite“, höre ich dann. Oder: „Wir haben es nicht nötig.“ Dahinter stecken manchmal „Glaubenssätze“, die man hinterfragen könnte.
Klomp: Ich wünsche mir eine offenere Gesellschaft, in der jede Familie, jede Partnerschaft sich fragt: „Wie wuppen wir das mit der Familie“. Und dann gemeinsam ein Plan ausgehandelt wird, wie sich Familie und Arbeit am besten im Lebensmodell vereinbaren lassen. Es müssen ja nicht beide 40 Stunden arbeiten. Besser wäre ein „Alle-arbeiten-ein-bisschen-weniger“-Modell.

Warburg-Manthey: Eben. Wir haben ja nur das eine Leben.