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Der ADAC meldet für 2016 einen Stau-Rekord. Auch Lüneburger Pendler fahren täglich Strecken, die regelmäßig verstopft sind. Foto: be

Stau-Rekord auf den Pendler-Strecken

Lüneburg/Hamburg. Pendler haben es wohl schon lange vermutet, jetzt liefert der ADAC die offiziellen Zahlen: Die Stauzeit auf den Autobahnen rund um Hamburg, die auch viele Lüneburger jeden Tag zur Arbeit führen, hat sich im vergangenen Jahr deutlich erhöht: Insgesamt registrierte der ADAC auf den Autobahnen rund um Hamburg fast 28000 Kilometer Stau. Die Blechlawine reichte also einmal bis nach Australien und zurück. Die Fernstraßen rund um die benachbarte Hansestadt liegen damit in der bundesweiten Statistik nach Berlin auf Platz zwei.

„Wenn Autobahnen ausgebaut werden, um das Problem zu beheben, verstärkt das am Ende das eigentliche Problem, weil wieder mehr Leute mit dem Auto fahren.“
Professor Peter Pez, Verkehrswissenschaftler

Professor Peter Pez von der Leuphana Universität Lüneburg wundert das nicht. Da Lüneburg Teil des Hamburger Speckgürtels ist, beobachtet der Verkehrswissenschaftler auch hier eine Bewegung hin zur Metropole. „Wir haben hier das selbe Phänomen wie an vielen Orten in der Welt. Wenn Autobahnen ausgebaut werden, um das Problem zu beheben, verstärkt das am Ende das eigentliche Problem, weil wieder mehr Leute mit dem Auto fahren“, sagt der Wissenschaftler. Denn noch immer habe das eigene Fahrzeug eine hohe Attraktivität für Pendler. „Viele versuchen mit dem Auto nach Hamburg zu kommen. Und im Berufsverkehr sitzt im Durchschnitt nur eine Person in einem Pkw.“ Seine Schlussfolgerung: Die alternativen Verkehrswege auf den Schienen müssten stärker ausgebaut werden.

Auf drei Autobahnen rund um Hamburg staut es sich besonders häufig: auf der A39, auf der A1 und auf der A7. Laut ADAC ist die Zahl der Staus hier im vergangenen Jahr um 15 Prozent gestiegen. Karte: google maps/hm

 

Tatsächlich sind es der Ausbau und die Sanierung der Autobahnen, die immer wieder zu langen Staus führen. „Der vierspurige Ausbau der A7 wird uns noch Jahre beschäftigen“, sagt Hans Duschl vom ADAC Hansa. „Das ist natürlich ein Ärgernis, aber wenn man nichts tun würde, würde es auf Dauer noch schlimmer werden.“ Die Bauarbeiten waren für viele Pendler im vergangenen Jahr eine wahre Geduldsprobe, weiß auch der ADAC. Durch zeitweise parallele Arbeiten auf der A1 und A7 seien Autofahrer dabei teilweise von einem Stau in den nächsten geschickt worden. „Deshalb freuen wir uns, dass nun die Koordinierungsstelle für Baumaßnahmen im Raum Hamburg ihre Arbeit aufnimmt“, so Duschl, der außerdem im veränderten Reiseverhalten einen Grund dafür sieht, warum deutlich mehr Autos auf den Straßen unterwegs sind. „Urlaub in Deutschland boomt, weil die Welt unsicherer geworden ist.“ Das habe der sogenannte Reisemonitor ergeben, so der Verkehrsexperte. Auch deshalb seien vermehrt Leute mit dem eigenen Wagen unterwegs eine Tatsache, die die Autobahnen in Richtung Küste zusätzlich belasten.

Um Staus einzudämmen, empfiehlt der ADAC, bei Baustellen möglichst die Zahl der Fahrstreifen zu erhalten. Die Bauzeiten könnten durch mehr Tätigkeit in der Nacht verkürzt werden. „Ohne Staus wird es trotzdem nicht gehen“, weiß Hans Duschl. Die nächste Geduldsprobe wartet auf die zahlreichen Hamburg-Pendler ab Mai: Dann beginnen erneut Bauarbeiten auf der A39. Auch bundesweit rechnet der ADAC für 2017 mit mehr Behinderungen auf den Autobahnen.

Von Manuela Gaedicke

Hier herrscht immer wieder Stillstand

  •  921 Stunden standen Autos allein vor dem Elbtunnel. Die Staulänge auf dem A7-Abschnitt von Waltershof nach Othmarschen betrug 2216 Kilometer.
  •  Vergleichweise kurz scheint dagegen der Stau auf den Elbbrücken. Für die A1 vom Maschener Kreuz bis nach Hamburg meldet der ADAC eine Gesamt-Staulänge von 607 Kilometern bei einer Dauer von 111 Stunden.
  • Viel gebaut wurde im vergangenen Jahr auf der A39-Strecke von Lüneburg bis zum Maschener Kreuz. Dementsprechend fällt hier auch die Gesamtlänge der Staus aus, die mit insgesamt 5458 Kilometer sicherlich auch deshalb so hoch ist, weil die Strecke länger ist als die genannten Abschnitte auf der A1 und der A7. Autofahrer verbrachten hier insgesamt 1795 Stunden im Stau.