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Vor zehn Jahren wütete der Orkan Kyrill auch in Lüneburg. Unter anderem kippten in der Bastionstraße Bäume auf die Straße. Foto: A/be

Zehn Jahre nach Orkan Kyrill

Lüneburg. Genau zehn Jahre ist es her, dass der Orkran Kyrill über Deutschland hinweg fegte und dabei eine Spur der Verwüstung anrichtete. Auch im Landkreis Lüneburg wütete der Sturm, knickte Bäume um wie Streichhölzer, kappte Telefon- und Stromleitungen, deckte Dächer ab. In Lüneburg blieb es zum Glück bei Sachschäden, deutschlandweit aber kamen bei dem bis dato stärksten Sturm seit 20 Jahren ein halbes Dutzend Menschen ums Leben. Alleine in der Orkan-Nacht mussten die Brandschützer in Stadt und Kreis zu 207 Einsätzen ausrücken. Der Gesamtschaden der Versicherungsbranche in Deutschland durch Kyrill betrug mehr als zwei Milliarden Euro. In den vier Landkreisen Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen und Harburg schätzten die Versicherer den Schaden auf 15 Millionen Euro.

Die Spuren der Verwüstung waren bald beseitigt und auch die Windwurfflächen in den heimischen Wäldern sind zehn Jahre nach Kyrill kaum noch auszumachen. Getreu der Devise: Jede Katastrophe bietet auch die Chance zu einem Neuanfang. „Insgesamt wurden in den Wäldern der Niedersächsischen Landesforsten durch den Orkan rund 1,4 Millionen Kubikmeter Holz geworfen“, berichtet der regionale Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten, Rainer Baumgart. Schwerpunkte waren seinen Worten zufolge vor allem das Bergland (Harz, Solling) im Süden Niedersachsens und das Forstamt Ankum in Westniedersachsen. „Es entstanden in den Landesforsten rund 4000 Hektar schwer geschädigte Waldflächen, hiervon mussten 2000 Hektar in den folgenden Jahren neu aufgeforstet werden“, erinnert sich der Forstexperte. Statt Fichten wachsen hier nun Eichen, Buchen, Lärchen und Douglasien.

Und die übrigen 2000 Hek­tar? Hier half sich die Natur im Wortsinne selbst, brauchten die Forstmitarbeiter keine aufwändigen Wiederaufforstungen vorzunehmen. „Auf diesen Flächen stand die Naturverjüngung quasi schon Gewehr bei Fuß“, berichtet Rainer Baumgart.

Schäden im Landkreis vergleichsweise gering

Die Schäden, die der Sturm Kyrill in den Wäldern rund um Lüneburg anrichtete, waren dagegen vergleichsweise gering: In der Revierförsterei Scharnebeck bei Burkhard von List waren es rund 400 Festmeter Windwurfholz überwiegend Nadelholz. Rund 800 Festmeter waren es in der Nachbarförsterei Barendorf. „Katastrophen-Waldbau“ hatte der Barendorfer Förster Oliver Christmann die Zerstörungswut des Orkantiefs Kyrill tituliert. Eine Windhose war zudem durch den Wald am Ebensberg in Richtung Barendorf gezogen, hatte dabei an einigen Stellen bis zu 50 Bäume umgeknickt und so Platz für die Naturverjüngung geschaffen.

„Für die Natur sind solche Windwürfe im Nachhi­nein zweifelsohne eine Bereicherung“, weiß Baumgart, denn während der Waldumbau unter normalen Umständen Jahrzehnte in Anspruch nehme, zwinge ein Ereignis wie Kyrill die Verantwortlichen zum schnellen Handeln. „Dadurch wurde der Umbau in einen stabilen und artenreicheren Laub- und Mischwald noch einmal forciert“, berichtet Rainer Baumgart. „Allerdings sind auch strukturreichen und stabilen Mischwäldern Grenzen gesetzt“, so der Pressesprecher.

Orkanen mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 150 Kilometern in der Stunde seien alle Wälder schutzlos ausgeliefert, selbst mehrhundertjährige Eichen könnten dann wie Streichhölzer abgedreht werden. Und: „Stürme wie Kyrill können immer wieder auftreten.“

Von Klaus Reschke