Dienstag , 17. September 2019
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Polizeikommissar Michael Wepner muss sich konzentrieren: Mit dem Handlaser-Gerät kann er die Autos in 400 Meter Entfernung beobachten. Foto: be

60 Jahre Radarfalle: Die Toiletten-Ausrede ist der Klassiker

Es dürfte die Minderheit der Autofahrer sein, die noch nie reingetappt sind: Heute wird die Radarkontrolle 60 Jahre alt. Wo und wie wird geblitzt im Landkreis Lüneburg? Die LZ hat sich die sogenannten Starenkästen genauer angeguckt und war bei einem Blitzer-Einsatz der Polizei dabei. Fazit: Zum Thema „Blitzen“ gibt es viel zu erzählen von klassischen Ausreden bis hin zu ausgefallenen Fotos.

Lüneburg. Volker Reinke erinnert sich noch genau an den schnellsten Raser, den er jemals geblitzt hat: ein Motorradfahrer mit 232 Stundenkilometern. „Der kam 200 Meter hinter uns zum Stehen.“ Reinke schüttelt den Kopf, als er diese Anekdote erzählt. Es ist eine von vielen in 25 Jahren, die ihm im Gedächtnis geblieben sind. Der Hauptkommissar leitet bei der Polizei in Lüneburg die sogenannte Verfügungseinheit, dazu gehören unter anderem die Experten für Radar, Lichtsensoren und Laser. Also die Kollegen, die mit ihrer roten Haltekelle an der Straße stehen, wenn mal wieder ein Autofahrer in die Falle getappt ist.

So auch heute. Es ist das dritte Mal, dass Reinke innerhalb kurzer Zeit aus dem Wagen springt. „Was ist denn los heute?“, ruft er seinem Kollegen zu, der konzentriert das Handlaser-Messgerät bedient. „72“ steht in roten Zahlen auf dem Display, dabei gilt Tempo 50 auf der Konrad-Adenauer-Straße an der Abfahrt von der Ostumgehung zwischen Deutsch Evern und Kaltenmoor. Der Mann im VW wusste das offensichtlich, jetzt lacht er über seinen Fehler.

Die meisten Autofahrer reagieren positiv

Vielleicht weil Reinke ihn freundlich begrüßt und einen Scherz macht? „90 Prozent der Leute reagieren positiv. Man muss halt gucken, wer da im Auto sitzt und die Ansprache entsprechend anpassen“, erzählt der 58-Jährige, der in seiner Laufbahn schon den einen oder anderen weinenden Fahranfänger trösten musste. Auch die Ausrede, der Fahrer müsse mal ganz schnell auf Toilette oder habe gar Durchfall, kennt er nur allzu gut. Richtig heftig reagieren die wenigsten, vielleicht auch, „weil die Strafen für Raserei bei uns viel zu gering sind, in anderen Ländern müssten die Leute auf der Stelle ihren Führerschein abgeben“. Das sind die Momente, in denen Volker Reinke sich ärgert. Wenn er Leute blitzt, die mutwillig rasen und andere gefährden, meistens außerorts auf den Bundesstraßen.

Um die richtigen Raser zu erwischen, reagiert der Laser in der Regel erst ab einer Überschreitung von 19 Kilometern pro Stunde. Kollege Michael Wepner kann das individuell einstellen. Wenn der Polizist durch seine Kamera guckt, sind die Autos 400 Meter weit weg. Das Bild erscheint wie in einem Fernglas mit sechsfacher Vergrößerung. „Das Gerät misst die Entfernung zum Fahrzeug, stellt in 5000 einzelnen Messungen fest, wie sich diese Entfernung verändert. Daraus ergibt sich die Geschwindigkeit“, erläutert er das Verfahren, am Ende wird eine rote Zahl im Display angezeigt. Das ist der Moment, in dem der Laser die Wahrheit verkündet und dafür sorgt, dass Volker Reinke gleich schnell aus seinem Auto springen wird.

Von Manuela Gaedicke