Dienstag , 17. September 2019
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Hier ist das Lager noch voll: Auch die städtische Tochtergesellschaft AGL verwendet neben Sand Salz zum Streuen. Foto: t&w

Es muss doch nicht immer Salz sein

Lüneburg. So richtig mag es natürlich keiner, aber wirklich drauf verzichten? Wenn die Temperaturen sinken und Straßen und Gehwege zu gefährlichen Rutschpartien werden, gehört der Griff zum Streusalz bei vielen immer noch zur Normalität. Der morgendliche Gang nach verschneiter Nacht zeigt es: Gefühlt nur etwa jeder zweite Weg wird korrekt, also mit wenig Salz, gestreut. So schreibt es die Stadt vor, nur: Ihr eigener Winterdienst bringst selbst auch jede Menge Salz aus. Das Thema ist ein Fall für die Grünen, die dazu einen Antrag für die Sitzung des kommenden Umweltausschusses am 1. Februar eingebracht haben.

Zwölf Fragen an die Stadt

„Wie viele Straßenbäume sind durch Tausalze beeinträchtigt oder geschädigt?“, fragt Ralf Gros. Das Fraktionsmitglied der Grünen und stellvertretender Vorsitzender des Umweltausschusses will es genau wissen, wie die Stadt es mit dem Streusalz hält. Nicht weniger als zwölf Fragen hat er aufgelistet, fragt, wieviel davon pro Quadratmeter gestreut wird, wie viele Bäume Salz zum Opfer fielen, welche Vorkehrungen zur Vermeidung von Schädigungen der Vegetation getroffen werden und was die Stadt daran hindert, mögliche umweltfreundlichere Alternativen einzusetzen. Und rechnet sich der Einsatz von Streusalz mit Blick auf die Kosten durch Umweltschäden wirklich?

„Die Räum- und Streupflicht auf und vor privaten Grundstücken lässt sich ganz ohne Salz erledigen.“
Franziska Hapke, BUND

Dass Streugut aber nicht nur die Umwelt, sondern offenbar auch die Pneus von Fahrrädern schädigen kann, will Gros vom Fahrradladen „Rad am Bahnhof“ erfahren haben. Demnach soll die Werkstatt wegen spitzer und scharfkörniger Streumittel im letzten Winter besonders viel zu tun gehabt haben. „Welche Streumittel werden in diesem Winter eingesetzt?“, möchte der Grüne nun wissen. Außerdem bittet er die Stadt, darzulegen, wie ein „differenzierter Winterdienst“, also eine dem Wettergeschehen und den Verkehrs- und Umweltbedürfnissen angepasster Räum- und Streudienst gewährleistet werden kann. Die Verwaltung hat den Fragenkatalog zur Kenntnis genommen, will selbst erst in der Sitzung ausgiebig dazu Stellung beziehen.

Streupflicht auf Privatgrundstücken

Einen kritischen Blick auf den Streusalzeinsatz durch Privatpersonen wirft auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). „Die Räum- und Streupflicht auf und vor privaten Grundstücken lässt sich ganz ohne Salz erledigen“, sagt Franziska Hapke vom BUND-Regionalverband Elbe-Heide in Lüneburg. Natürlich weiß auch sie, dass Schneefegen mehr Arbeit macht als Salzstreuen, „doch diese Mehrarbeit sollten wir uns und der Umwelt wert sein“. Als Ersatz empfiehlt sie abstumpfende Mittel wie Sand, Feinkies oder Sägespäne oder salzfreie Streumittel, erkennbar durch das Umweltzeichen „Der Blaue Engel“.

Hapke sieht aber auch den Handel in der Pflicht: „Baumärkte, die nicht nur eine grüne Fassade, sondern auch ein grünes Gewissen haben, sollten Streusalz nicht verkaufen.“ Für die „Bauhaus“-Filiale in Lüneburg ist dieser Wunsch offenbar nur schwer erfüllbar, wie Nadine Marciniak von der Filiale Lüneburg erklärt: „Das Ausbringen von Streusalz handhabt jedes Bundesland unterschiedlich. Wir werden aber zentral beliefert, da habe ich gar keine Möglichkeit, mich auf lokale Gegebenheiten einzustellen.“ Allerdings biete man auch Alternativen zum Streusalz an, „darunter Streugut aus Lava-Granulat oder Spielsand, alles ganz ohne Salz“. Letztlich habe es der Kunde in der Hand, wie er damit umgehe.

Von Ulf Stüwe