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Motorsägenkünstler Andree Löbnitz hat aus dem Stamm einer alten Eiche vor der St.-Bartholomäus-Kirche in Himbergen Schritt für Schritt eine Abbildung des Reformators Martin Luther geschnitzt. Foto: ki

Martin Luther — aus besonderem Holz geschnitzt

Himbergen. Ein in der Form wohl einmaliges Wahrzeichen steht seit dem Wochenende am Eingang zur St.-Bartholomäus-Kirche in Himbergen: Eine überlebensgroße Skulptur des Reformators Martin Luther. Sie ist aus dem über drei Meter hohen Stamm einer mehr als 200 Jahre alten Eiche entstanden, die aus Sicherheitsgründen hatte gefällt werden müssen.

Noch bis zum Sonnabend hatten Anwohner immer wieder gerätselt, warum der hohe Baumstumpf vor der Kirche stehen gelassen wurde. Nun schnitzte daraus der Motorsägen-Künstler Andree Löbnitz aus Suderburg in gut siebenstündiger Arbeit die überlebensgroße Luther-Figur in Erinnerung an 500 Jahre Reformation. Um acht Uhr in der Früh rückte der Hobbykünstler, der beruflich in der Qualitätssicherung eines Werkes in Wolfsburg arbeitet, mit seiner Ausrüstung an, baute ein Gerüst rund um den Baumstamm auf und platzierte fünf Kettensägen mit unterschiedlicher Schwertlänge davor. Um Punkt neun Uhr kreischte die erste große Säge mit einem meterlangen Schwert und sägte die Kopfform heraus. Dann ging es in einem rasanten Tempo ohne Pause weiter. Nach einer Stunde war der Kopf in groben Zügen nach einer Vorlage gestaltet.

Zuschauer zeigen sich von den Holzarbeiten fasziniert

„Das ist ja fantastisch, der absolute Wahnsinn“, waren immer wieder zu hörende Kommentare von Bürgern, die dem Künstler bei der Arbeit zuschauten. „Das ist eine einmalige Sache für Himbergen“, schwärmte beispielsweise Norbert Selent, „ein richtiges Wahrzeichen“. Die Leute kamen miteinander ins Gespräch und beäugten das Werk kritisch. Die Augen- und die Mundpartie wollten die Betrachter nachgebessert wissen. Dann wiederum waren sie fasziniert, wie der Künstler die Bibel, die die Luther-Figur in den Händen hält, herausgearbeitet hatte.
Zur Mittagszeit nahm der Körper dann immer mehr Konturen an: Zur Gestaltung der Rückenpartie sägte Löbnitz dicke Holzscheite aus dem Stamm heraus. Gegen 14 Uhr begannen die Feinarbeiten mit einem Schwingschleifer. Kleine Unebenheiten wurden geglättet. Danach ging es ans Schminken: Mit einem Bunsenbrenner wurden Gesicht, Hände und das Gewand farblich hervorgehoben. Und die Zuschauer? Die Faszination ließ nicht nach. Der Kommentar „Wir haben nun bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal“ war immer wieder zu hören. Um genau 16.10 Uhr war die Figur fertig. Beifall für den Künstler. Danach wurde die Statue abgedeckt und am Sonntag nach einem Gottesdienst vor großer Publikumskulisse dann offiziell enthüllt.

Eule sitzt am Fußder Luther-Statue

Doch warum ist am Fuß der Statue eine Eule zu sehen? Darauf antwortet Löbnitz: In dem Baum hätten sicher in all den Jahren Hunderte Eulen genistet, die Vögel verbinde er mit dem Baum. Zum zweiten Mal hat sich der Künstler in Himbergen verewigt. Vor zwei Jahren schnitzte er in die Eiche gegenüber einem Elektriker-Betrieb, deren Krone nach einem Sturm abgesägt werden musste, das Himberger Wappen. Zwei hölzerne Eulen schauen von oben darauf. Wer interessiert ist, mehr über den Künstler und seine Sägekunst zu erfahren, kann ihn nach telefonischer Anmeldung unter Tel.: 0 58 26/ 80 43 besuchen. Seine Kunstwerke sind auch an anderen Orten zu bewundern: Eine Statue vom Alten Fritz zum Beispiel steht in Brandenburg oder ein fünf Meter langer, hölzener Blauwal kann auf Juist bewundert werden.

Von Gudrun Kiriczi