Dienstag , 19. September 2017
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Der 5000 Quadratmeter große Teich ist das Herzstück des Grundstücks, das sich Susanne Ihden 2003 gekauft hat. Und das der Landkreis Lüneburg nun zur jagdfreien Zone erklären muss. Foto: t&w

Für Jäger tabu: Tierschützerin gewinnt Kampf gegen Zwangsjagd

Lüneburg. Sieg für die Jagdgegnerin Susanne Ihden: Der Landkreis Lüneburg muss ihr Grundstück zur jagdfreien Zone erklären, das verkündete jetzt nach mehr als zweistündiger Verhandlung die fünfte Kammer des Verwaltungsgerichts Lüneburg (LZ berichtete). Im Gegensatz zur unteren Jagdbehörde des Kreises sah das Gericht keine ausreichenden Gründe, den Anfang 2015 gestellten Antrag der Klägerin auf „Befriedung aus ethischen Gründen“ (§ 6 a Bundesjagdgesetz) abzulehnen. „Gerade im Jagdland Niedersachsen ein großer und gewichtiger Erfolg“, erklärte nach der Urteilsverkündung Ihdens Rechtsanwalt und Experte auf dem Gebiet, Dominik Storr.

Erster Erfolg von Jagdgegnern vor Lüneburger Gericht

Der Erfolg der 61 Jahre alten Bleckederin ist im Landkreis Lüneburg bisher einmalig, das knapp vier Hektar große Stück Land das erste, das in der Region nun offiziell zum „befriedeten Bezirk“ erklärt werden muss. Ein weiterer Jagdgegner war mit seinem Antrag zuerst beim Landkreis, dann beim Verwaltungsgericht Lüneburg gescheitert. Auch in ganz Niedersachsen ist die Erfolgsquote derer, die ihr Land nach § 6 a Bundesjagdgesetz zur jagdfreien Zone erklären lassen wollen, gering. Aktuelle Zahlen dazu hat das Landwirtschaftsministerium in Hannover nicht, vor einem Jahr aber war laut eines NDR-Berichts lediglich ein Grundstück in Niedersachsen erfolgreich befriedet worden, 60 Grundbesitzer hatten einen Antrag gestellt.

Susanne Ihden hatte die Befriedung ihres Grundstückes Anfang 2015 beim Landkreis Lüneburg beantragt, erläutert, dass sie als überzeugte Vegetarierin das Töten von Tieren grundsätzlich ablehnt. Vor Gericht musste sie ihre Gründe nun erneut vortragen – und überzeugte die Richter. „Die Klägerin hat bei ihrer Anhörung durch die Kammer im Rahmen der mündlichen Verhandlung glaubhaft gemacht, dass sie die Jagdausübung aus ethischen Gründen ablehnt“, heißt es in der Pressemitteilung des Verwaltungsgerichts.

Zweifel hatte auch der Landkreis Lüneburg nicht an Ihdens Beweggründen, lehnte ihren Antrag Ende 2015 nach der Einholung verschiedener Stellungnahmen trotzdem ab. Anlass dafür gaben aus Sicht der Behörde im Wesentlichen zwei Gründe: Die Befriedung der vier Hektar würden die Gefahr von Wildschäden sowie das Wildunfall-Risiko deutlich erhöhen. Argumente, die das Gericht gestern nicht überzeugen konnten.

Rechtsanwalt hofft auf Signalwirkung fürs ganze Land

„Nach Auffassung der Kammer liegen keine Tatsachen vor, die die Annahme rechtfertigen, dass ein Ruhen der Jagd auf den Grundstücken der Klägerin im Jagdbezirk die Belange etwa des Schutzes der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft vor übermäßigen Wildschäden oder die Abwendung sonstiger Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährde“, erklärt das Gericht in seiner Pressemitteilung. Es fehlte der Kammer eine „hinreichend konkrete Darlegung“ durch den Landkreis. So lagen zum Beispiel keine dokumentierten Zahlen zu Ausmaß und Häufigkeit von Wildschäden vor. Und auch das Argument, dass es in drei Jahren drei Wildunfälle gegeben habe, überzeugte die Richter nicht.

Der Landkreis wollte sich zum Urteil gestern noch nicht äußern. „Erst wenn uns die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt, können wir abwägen“, sagte Sprecher Hannes Wönig. Grundsätzlich könnte der Kreis beim Gericht einen Antrag auf Zulassung der Berufung stellen. Sollte dem stattgegeben werden, müsste sich gegebenenfalls in nächster Instanz das Oberverwaltungsgericht mit dem Fall beschäftigen.
Rechtsanwalt Dominik Storr hofft, dass das Urteil auch anderen Jagdgegnern in Niedersachsen Mut macht, sich gegen die Zwangsbejagung ihrer Flächen zu wehren. „Bisher waren viele durch den großen Aufwand und die geringen Erfolgsaussichten bereits im Vorfeld abgeschreckt.“ Und Susanne Ihden? Die konnte das Urteil kaum fassen. „Ich war so gerührt und glücklich, als ich erfahren habe, dass ich mich in Zukunft in einer befriedeten Umgebung bewegen kann“, sagt sie. Vom 1. April an soll die jagdfreie Zone ihres Wissens gelten. „Dann können ich und die Tiere endlich in Frieden auf meinem Land leben. Und der Kampf hat sich gelohnt.“

26 Kommentare

  1. Liebe Frai Ihden, ich freue mich sehr für Sie und die Tiere!!! Endlich Gerechtigkeit! Die Jagd soll grundsätzlich abgeschafft werden.
    Go Vegan!!!
    LG Anita Rendon

  2. Gabriele Bartels

    Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern. Für mich die momentan schnellste und wirkungsvollste Art, die Jagd einzudämmen und zu verbieten

    • Helmuth Meixner

      Die Freundin meiner Frau hatte die Jäger schon vor mehr als 1 Jahr des Grundstücks verwiesen. Kostenpunkt ca. 2.000 EURO damals für „Amtsgebühren“. Angesprochen darauf, das wäre zu hoch, sagte sie, egal nun sind die Typen ein für allemal weg.

  3. Joachim Augustin

    Ich möchte an dieser Stelle Frau Ihden gratulieren für Ihren Sieg vor Gericht! Das zeigt einmal mehr, dass es sich lohnt für etwas zu kämpfen, was man für richtig erachtet. Und wenn es auch „nur“ ein paar Hektar sind, in dem kein Tier die Flinte fürchten muss. Gefällt mir!

  4. BARVO, BRAVO und nochmals BRAVO. Das sollte überall verboten werden. Die Waldtiere sind nicht auf der Welt um sie zu töten. Je mehr bejagt wird, desto mehr vermehren sich die Tiere. Durch den hohen Jagddruck und der Zerstörung der Sozialstrukturen ist die Geburtenrate auch bei den Füchsen extrem gestiegen. Die Grünröcke behaupten immer, Jagd reguliere, das stimmt NICHT. In einer Wildschweinrotte dürfen sich nur die ranghöchsten Tiere paaren, sprich die Leitbache. Wenn diese aus dem Verband herausgeschossen wird, dann paaren sich alle geschlechtsreifen Tiere in der Rotte und es kommt zu einer explosions- artigen Vermehrung. Die Zerstörung der Sozialstrukturen durch die Jagd bringt alles durcheinander. Starke Bejagung führt zu einer deutlich höheren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen und bei anderen Wildtieren.

    • Wenn Ihre Argumentation richtig wäre ,wäre die Wildschweinplage in Berlin ein Paradoxon.

    • Das ist genau, was die Jäger wollen – dann können sie schließlich noch mehr Tiere abballern.

    • Ich möchte auch weiterhin die Früchte der Natur ernten, um sie zu essen, dazu gehört für mich als Teil der Natur das Jagen von Erlegen von Wildschweinen, wie das Sammeln von Pilzen und Pflücken von Äpfeln etc. Ich bin nämlich Fleisch- und Pflanzenfresser. Im übrigen wird die Leitbache in der Regel geschont. Die starke Vermehrung liegt am Nahrungsüberangebot insbesondere durch Maisfelder. Wenn Sie ihre Nahrung lieber aus der Plastiktüte im Supermarkt verzehren, bleibt das Ihnen überlassen.

      • Ich esse auch Fleisch, aber darum geht es hier nicht. Die Frau möchte ganz einfach nicht die Naturfrefler auf ihren Grundstück haben die ihr etwas von Eigentumsrecht der Jäger vorlabern, sie will sich auf ihren Grundstück auch zu jeder Tages und Nachtzeit frei bewegen dürfen, und nicht nur dann wenns dem Jäger passt. Und sie möchte auf ihren Grundstück ein ungestörtes Plätzchen für die Tiere schaffen, und zu all diesen Erfolgen vor Gericht beglückwünsche ich die Frau Ihden ganz herzlich. 🙂

      • Lieber Klaus, sehr gut geschrieben. Wenn jetzt jeder das Wildbret aus der Natur präferieren würde anstatt die Massentierprodukte der Supermärkte, hätten wir noch… wie viele Wildtiere?

      • Bärbel Stirken

        Das ist mal wieder typisch …auf der einen Seite die bösen Jäger…auf der anderen Seite die Meinung der Menschen die von der Jagd g a r k e i n e Ahnung haben. Jagd heißt Hege und Pflege und nicht abbknallen aus einer Lust heraus.. Kritiker sollten sich mal intensiv mit der Jagdausübung beschäftigen,vielleicht kommt dann etwas mehr Verständnis auf.

        • @ Bärbel Stirken:
          „Jagd heißt Hege und Pflege und nicht abbknallen aus einer Lust heraus.“

          Ach ja stimmt, darum sind in den Jagd-Fachmagazinen auch so viele Angebote zu
          Zweiwöchigen „Großwild-Safaris“ in Polen, Russland oder Afrika.
          Sehr löblich, dass deutsche Jäger tausende Euro Ausgeben, um in Afrika zwei Wochen lang das
          Großwild zu hegen!

      • Klaus

        Ich bin nämlich Fleisch- und Pflanzenfresser.
        bin ich auch, komme aber zu ganz anderen ergebnissen. zufall?

    • Ach, schau an, AfD-Klaus, der diensthabende Oberschwadroneur des waffenstarrenden Grenzregiments bei der Landesverteidigung ist auf einmal für anarchische Übergriffigkeit auf fremdes Territorium aus globalhumanen Gründen, wenn es darum geht, sich den eigenen Ranzen mit den Früchten der einen Erde vollzuschlagen! Kann man einem von Ihnen ständig so abqualifizierten „Wirtschaftsflüchtling“ von irgendwoher ein gültigeres Argument in den Mund legen, Herr/Frau „Klaus“ als Ihren herrlichen Satz: „Ich möchte auch weiterhin die Früchte der Natur ernten, um sie zu essen, dazu gehört für mich als Teil der Natur das Jagen von Erlegen von Wildschweinen, wie das Sammeln von Pilzen und Pflücken von Äpfeln etc.“?

      • Och Susanne, wenn sie ein wenig länger gestrickt wären hätten Sie gesehen, das ich Frau Neuhaus kommentiert habe, die in ihrem Kommentar für ein gänzliches Jagdverbot eintritt und zu dem geistigen Kurzschluss kommt, dass die Jagd den Wildbrstand vervielfacht.
        Zum anderen, weiß ich nicht was ihr Anti AfD Wahlkampf hier zu suchen hat, zumal ich mit der Partei nichts zu tun habe.

        • Klaus
          für geistige kurzschlüsse sind eigentlich sie hier zuständig. schmunzeln. ich fange für sie mal klein an. stichwort mäuse. was passiert, wenn man einen teil derer nachkommen zum beispiel in die regentonne wirft, was oft sehr beliebt ist. es wird deswegen nicht mehr regnen, aber mehr mäuse geben. die natur versucht ständig ihre art zu erhalten. nur der mensch ist tatsächlich in der lage arten auszulöschen. weder der wolf noch ein anderes raubtier hat dieses geschafft. wenn der mensch zuviel erntet, wird es bald nichts mehr zum ernten geben. fragen sie mal einen fischer. die jagd vervielfacht deswegen, weil sie gern füttert. pacht muss sich eben lohnen. und wenn das verkehrte tier eines rudels, rotte usw. abgeschossen wird, heißt es für deren mädels: alles in volle deckung, die durchgeknallten jungs kommen. ist so ähnlich ,wie bei der afd. schmunzeln.

        • Klaus
          Durch die Jagd lässt sich der Bestand nur halten, nicht verringern. „Die Population wird so lange weiterwachsen, bis das Futter knapp wird“, sagt Ehlert. Ein sogenannter Fachmann.

  5. Großartig! Glückwunsch und Dank an die Eigentümerin, die sich so tapfer und erfolgreich der Zwangsbejagung ihrer Fläche widersetzt hat. Hoffentlich macht das Beispiel Schule, und auch andere Waldbesitzer und Eigentümer klagen nun ihre Rechte ein, wehren sich gegen Treibjagden, selbstherrliche Jäger und Waffenfetischisten auf ihren Flächen. Gleichzeitig finde ich es traurig, dass solche eigentlich selbstverständlichen Rechte erst mühsam – und teuer – vor Gericht eingeklagt werden müssen.
    „Pflege des Waldes, des Brauchtums und der Tradition „, was viele Jäger oft großspurig zur Rechtfertigung ihres Treibens anführen, ist natürlich blanker Unsinn, Wildschweinbraten hin oder her. Hier geht es doch im Grunde vor allem um Eitelkeit, den Wunsch eine Waffe zu besitzen, „Macht“ zu spüren und Tiere zu töten. Natur einfach einmal Natur sein zu lassen – ohne Waffen, Geländewagen, Tarn-Netze und Lock-Futter für zu schießendes Wildbret, das ist natürlich schwer. Es könnte ja Langeweile aufkommen. Ich empfehle Jagdschein-Anwärtern und Inhabern daher Neuorientierung und Alternativen: Yoga oder muntere Ausgleichssportarten wie etwa Jodeln, die gute alte Modelleisenbahn, gemeinschaftliche Kneipp-Kuren in Flora und Fauna… und auch das ehrenamtliches Engagement bei BUND oder NABU kann Sinn stiften und das solidarische Gemeinschaftsgefühl stärken. Friedlich, im Einklang mit uns und unseren Mitgeschöpfen, ohne großes Waffen-Brimborium bzw. Halali – auch so lässt sich die Natur bzw. das, was noch von ihr noch übrig ist, genießen, in der Lüneburger Heide und weit darüber hinaus.-

  6. es wurde zeit, dass auch lüneburger gerichte über ihren jägerschatten springen. es ist bekannt, gerade in diesen kreisen gibt es eine vielzahl von jagdscheinen und pächtern. die gefahr ist groß, dass andere gerichte ihrem jagdinstinkt folgen werden.deswegen heißt es auch am ball bleiben. liebe grüße an andreas.

  7. Tierfreundin
    mit ganz eigenen Ansätzen der artgerechten Tierhaltung?
    Als überzeugte Vegetarieren ist Frau Ihden gegen das Töten von Tieren.
    Womit füttert Frau Ihden ihre beiden Hunde?
    Bisher hatte ich geglaubt, Hunde seien reine Fleischfresser.

    • Das höchste Wursten

      Lieber Jörg, das »höchste Wesen«, das Robespierre anstelle Gottes einsetzen wollte, um Atheisten wie Gläubige gleichermaßen zufriedenzustellen, und dem die Anonymen Alkoholiker heute noch ihre Gebete um Nüchternheit zu widmen pflegen, hat mich immer an veganen Wurstersatz erinnert: ein Gott soll es nicht sein, aber zu ihm beten können muß man trotzdem, und am besten, wenn es auch noch aussieht wie Bierschinken, Entschuldigung: ein gütiger Vater, meine ich natürlich.

      Gaston Latz