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Das ehemalige Bowling-Center am Handwerkerplatz: Wie kaum ein anderes Gebäude erregte es in den vergangenen Jahrzehnten die Gemüter. Es soll einem Neubau Platz machen. Foto: A/t&w

Lüneburg: Neue Chance für den Handwerkerplatz

Lüneburg. „Völlig deplatziert“, „kein Gewinn“ für die Stadt und aus architektonischer wie historischer Sicht „superschade“ Stadtbaurätin Heike Gundermann sparte in der jüngsten Bauausschusssitzung nicht mit Kritik an dem Gebäude, das wie kaum ein anderes in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder die Gemüter vieler Lüneburger erregte: das ehemalige Bowling-Center am Handwerkerplatz. Der unansehnliche Klotz soll einem Neubau Platz machen, die Weichen dazu stellte jetzt der Bauausschuss.

„Es ist ein historischer Ort“, sagte die Stadtbaurätin und erinnerte an die frühere Turnhalle, die der Männer-Turn-Verein 1880 errichten ließ, sie galt als Wiege der Lüneburger Feuerwehr und war 1945 Schauplatz für den ersten Kriegsverbrecherprozess nach dem Zweiten Weltkrieg. Weil die Stadt Teile des Geländes für den Stadtring benötigte, wurde die imposante Halle mit ihren zwei markanten Türmen im Frühjahr 1976 abgerissen, an ihre Stelle trat der schmucklose Betonneubau mit Bowling-Bahn und Geschäften.

„Wir haben jetzt die Chance der Korrektur“, sagte Gundermann. Der neue Eigentümer, dessen Namen die Stadt aus Datenschutzgründen nicht nennen wollte, habe die Absicht, an gleicher Stelle einen Neubau zu errichten. Dieser hatte der Verwaltung drei Entwürfe eingereicht, dabei sollte ausgelotet werden, ob eine Baugenehmigung auch ohne neuen Bebauungsplan möglich wäre.
Das aber will die Stadt nach eigenem Bekunden nicht. Denn bei allen drei Entwürfen sie wurden bislang noch nicht öffentlich präsentiert sei die städtebauliche Einfügung, die Baumasse und die geplante Nutzung des zu entwickelnden Gebäudes weder mit den Vorstellungen der Stadt noch mit dem derzeit gültigen Bebauungsplan in Gänze vereinbar: Die darin festgelegten Kriterien wie Höhe, Kubatur, Nutzung und Gestaltung passten „nicht mehr in die heutige Zeit“, wie Gundermann erklärte.

Kriterien passen nicht mehr in heutige Zeit

Laut Stadt habe man sich mit dem Investor zwischenzeitlich auf einen sogenannten vorhabenbezogenen Bebauungsplan verständigt. Dieser sieht unter anderem die Ausarbeitung eines Gebäudeentwurfs vor, der auch der Öffentlichkeit vorgestellt und den Ratsgremien zur Entscheidung vorgelegt werden soll. „Im Ergebnis sollen mit dem Satzungsbeschluss Pläne für ein ausführungsreifes Hochbauvorhaben vorliegen.“ Im Gegensatz zu einer „normalen“ Planaufstellung übe die Stadt hier starken Einfluss auf den Entwurf und die Bauzeiten aus.

Bei den Ausschussmitgliedern stieß der Vorschlag der Stadt vorwiegend auf Zustimmung. Die Anregung, auf der Grundlage des neuen Bebauungsplans einen erneuten Architekten-Wettbewerb auszurufen, fand bei Oberbürgermeister Ulrich Mädge keine Zustimmung: „Wir haben drei Entwürfe. Wenn wir das Ganze jetzt noch einmal durchführen, landen wir ohnehin wieder dort, wo wir jetzt schon sind.“ Stattdessen sollte man sich jetzt gemeinsam mit dem Bauherrn dem gemeinsamen Ziel schrittweise nähern.

Am Ende stimmten die Ausschussmitglieder bei zwei Enthaltungen der Grünen dem Vorschlag der Stadt zur Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans und der Beteiligung der Öffentlichkeit zu.

An der Ausschusssitzung hatte auch Immobilienmakler Jürgen Sallier teilgenommen, der das Rathaus nach diesem Tagesordnungspunkt verließ. Er bewirbt derzeit den Standort mit einem Plakat in den leeren Schaufenstern des noch vorhandenen Gebäudes. Auf Nachfrage, ob er der Investor sei, gab es von ihm gestern keine Antwort.

Von Ulf Stüwe

2 Kommentare

  1. Unabhängig ob der genannte Immobilien-Mogul der Eigentümer ist …. soviel Geld, Macht, Beziehungen, Freunde müsste man haben, das man bei (fast) allen Neubau-Projekten in der Stadt mitmischt. Toll !

  2. Ist es nicht immer wieder verwunderlich, das die „üblichen Verdächtigen“ meistens den Zuschlag für solche Objekte in Lüneburg erhalten?
    Wer da an Zufall glaubt, der glaubt auch an den Osterhasen!