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Auch an der Grundschule Scharnebeck könnte in Zukunft eine Ganztagsschule entstehen. Die Samtgemeinde Scharnebeck ringt aktuell um das richtige Vorgehen.

Scharnebeck: Ganztagsschule — ja oder nein?

von Robin Williamson
Scharnebeck. Die Grundschulen in der Samtgemeinde Scharnebeck stehen vor einschneidenden Reformen. Für viel Diskussionsstoff sorgt aktuell nicht nur die Zukunft der Grundschulen in Hohnstorf und Echem; auch über die Einführung von Ganztags-Grundschulen wird gestritten. Zu letzterem wurde jetzt alles auf Null gesetzt: Die geplanten Infoveranstaltungen für Eltern werden abgesagt, ebenso die darauf folgende Elternbefragung. Die Ausschussmitglieder wollen zunächst ihre eigene Position klären. „Wir müssen uns zunächst darüber bewusst werden, auf welchem Weg wir uns bewegen“, erklärte im Anschluss der Sitzung Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn (CDU). Denn während der Sitzung wurde deutlich, wie wenig Klarheit in der Frage nach Ganztags-Gundschulen noch herrschte.

Politiker fragt sich, inwiefern Umfrage repräsentativ wäre

Zum Hintergrund: Im Sommer vergangenen Jahres stellte die Gruppe FDP/FW GUBS den Antrag, die Eltern über den Bedarf einer Ganztags-Grundschule zu befragen. Davor sollten den Eltern auch Informationsveranstaltungen angeboten werden. Der Antrag wurde wohlwollend betrachtet, sowohl vom Schulausschuss als auch vom Samtgemeindeausschuss allerdings sollte das Angebot für die Eltern dezentral stattfinden. Die Zustimmung des Samtgemeinderates stand zwar noch aus, unklar waren auch Inhalt der Infoveranstaltungen und die Art der Elternbefragung dennoch wurden vorsorglich schon die Termine gesetzt: zwei im Februar, einer im März.

In der vergangenen Sitzung des Schulausschusses sollten die noch offenen Punkte diskutiert werden. Doch die Abgeordneten waren sich über das Ziel der Elternbefragung uneinig und wie mit dem Ergebnis umgegangen werden sollte: „Was passiert, wenn die befragten Eltern nicht die Meinung der Samtgemeinde teilen?“, fragte André Feit (CDU). Denn setze sich die Verwaltung am Ende über das Ergebnis der Befragung hinweg, fördere dies die Politikverdrossenheit im Ort. Tobias Twesten (SPD) warf dazu die Frage in dem Raum, inwieweit die Umfrage repräsentativ sei, schließlich könnten im schlimmsten Fall wenige Eltern über die Zukunft vieler Kinder entscheiden. Antworten auf diese Fragen konnte der Ausschuss nicht geben, ebensowenig über den Ablauf der Infoveranstaltungen: Sollte an einem Abend ein Befürworter der Ganztagsschulen zu Wort kommen, an einem anderen Abend ein Gegner? Oder sollen die Infoveranstaltungen besser nicht aufeinander aufbauen? Auch eine Gegenüberstellung der Ganztags-Grundschule mit anderen Konzepten wurde gefordert.

Frage nach der Form der Ganztags-Grundschule noch unklar

Ebenfalls unklar ist die Frage nach der Form der Ganztags-Grundschule: gebunden, offen oder teilgebunden? Ein Plädoyer gegen die gebundene Ganztagsschule kam von der Elternvertreterin Christina Rohstock: Die Kinder dürften an den Nachmittagen die Schule nicht verlassen, selbst wenn die Eltern das wünschten, erklärte sie. Zudem habe sie es beobachtet, dass die Schüler am Nachmittag keine optimale Betreuung erfahren. „Nach meinen Erfahrungen mit Ganztagsschulen bin ich dem gegenüber negativ eingestellt.“

Da in der Sitzung sehr viel mehr Fragen gestellt als beantwortet werden konnten, beschloss der Schulausschuss, zuerst für sich selbst eine Position zum Thema zu finden. Einig war sich der Ausschuss immerhin darin, dass eine Infoveranstaltung für Eltern stattfinden müsse. Doch vorher wolle man sich selbst umfassend informieren. „Wir nehmen uns Zeit, um keinen unüberlegten Schnellschuss abzufeuern“, sagte Gerstenkorn.

Drei Formen der Ganztagsschule

Bei Ganztagsschulen wird zwischen drei geläufigen Modellen unterschieden:

  • Gebundene Ganztagsschule: Alle Schüler sind verpflichtet, an mindestens drei Wochentagen für jeweils mindestens sieben Zeitstunden die Angebote der Schule wahrzunehmen.
  • Offene Ganztagsschule: Das Nachmittagsprogramm für Schüler ist freiwillig. Eltern entscheiden meistens jeweils zum Anfang des Schuljahres, ob die Kinder an den Angeboten teilnehmen.
  • Teilgebundene Ganztagsschule: Nur ein Teil der Schüler, beispielsweise eine Klasse pro Jahrgang, nimmt die Nachmittagsangebote verpflichtend wahr.