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Axel Schlemann , ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter für den Landkreis Lüneburg. Foto: dth

Axel Schlemann: Aufgetaucht und viel beschäftigt

Von Dennis Thomas
Lüneburg. Der angeblich Unsichtbare ist aufgetaucht: Die Mitglieder des Kreis-Umweltausschusses waren bei der jüngsten Sitzung schon fast auf dem Sprung — vorherige Diskussionen hatten mehr Raum eingenommen als geplant — da wollte und sollte der Lüneburger Kreisnaturschutzbeauftragte (KNB), Axel Schlemann, sich und seine Tätigkeit vorstellen. Für einen längeren Vortrag war keine Zeit. Dabei muss er sich seit Kurzem des Eindrucks erwehren, in der Öffentlichkeit unsichtbar und damit womöglich untätig zu sein. Schlemann, der das Ehrenamt seit rund neun Jahren ausübt, gab den Ausschussmitgliedern einen Überblick über die Vielzahl seiner Tätigkeitsfelder. Im anschließenden LZ-Gespräch nannte er verschiedene Problemfelder im Umweltbereich, die dringend bearbeitet werden müssten.

Beteiligung an zahlreichen Arbeitsgruppen

Zunächst zitierte Schlemann aus dem Gesetz, wonach die Naturschutzbehörde Beauftragte für Naturschutz und Landschaftspflege bestellen kann. „Die Beauftragten beraten und unterstützen die Naturschutzbehörde in allen Angelegenheiten des Naturschutzes und der Landschaftspflege. Sie fördern das allgemeine Verständnis für diese Aufgabe. Sie sind an fachliche Weisungen nicht gebunden.“ Letzteres betonte Schlemann besonders: „Ich bin unabhängig.“

In dieser unabhängigen Funktion begreife Schlemann sich vor allem als Netzwerker, um umweltrelevante Themen voranzubringen. Neben monatlichen Treffen mit Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde wirkt Schlemann in verschiedenen Arbeitskreisen und Gruppen mit: Etwa in der Arbeitsgemeinschaft von Umweltverbänden, in der beispielsweise auch lokale Initiativen wie „Blauer Himmel über Ilmenau“ vertreten sind. Hinzukommen die Arbeitskreise „Kanu“ und „Landschaftsrahmenplan“ sowie zeitweise Themenkreise wie zum Beispiel über Landschaftsschutzgebiete und Windenergie. Zudem ist er als KNB „geborenes Mitglied“ im Aufsichtsrat des Ausbildungszentrums Luhmühlen und regelmäßig Gast im Umweltausschuss des Kreistags. Und der KNB schlägt den Naturschutzvertreter für den Jagdbeirat des Landkreises vor, seit 2016 hat Schlemann diese Position selbst übernommen.

Nach seiner aktuellen Agenda gefragt, sagt der Kreisnaturschutzbeauftragte Schlemann: „Es gibt viele Themen, die angegangen werden müssen. Und es gefällt mir auch nicht alles, was der Landkreis macht. Aber ich bin weniger an einer öffentlichen Auseinandersetzung, sondern vielmehr an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit interessiert.“

Gleichwohl nennt Schlemann auf LZ-Nachfrage einige für ihn relevante Punkte. Beispielsweise fordert er die Schaffung einer hauptamtlichen Naturwacht für Schutzgebiete im Landkreis Lüneburg, ähnlich den Rangern, die in der Tourismussaison in der Heideregion oder der Elbtalaue eingesetzt werden. Zum Thema Befahrensregelungen an Ilmenau, Neetze und Luhe sagte er: „Mir wäre es lieber, neue Infrastrukturen wie Ein- und Ausstiegsstellen für Freizeitpaddler zu schaffen, um wildes Ein- und Aussteigen in sensiblen Bereichen zu vermeiden. Nur so können wir die Menschen in der Natur halten und gleichzeitig die Natur schützen.“

Vorschläge von Kanu-Regeln bis Raupenbekämpfung

Weitere Vorschläge: Um die wilde Entsorgung von Grünabfall und die Verbreitung von Neophyten in der freien Landschaft zu unterbinden, spricht sich Schlemann für die Öffnung von zentralen Sammelstellen auch an den Wochenenden aus, wenn die Leute ihre Gartenarbeit verrichten. Schlemann regt ferner an, dass die Kommunen die Feldrainer überprüfen, ob von Dritten öffentliche Flächen genutzt werden und diese damit der Natur verloren gehen.

Auch zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners hat er eine Meinung: „Die bisherige Bekämpfung aus der Luft war allenfalls kostengünstig, aber wenig effektiv und hat andere Tiere, wie bestimmte Käferarten, geschädigt.“ Er spricht sich stattdessen für mechanisches Absaugen der hochallergenen Raupen aus und für die Stärkung der natürlichen Fressfeinde, beispielweise Fledermäuse. Diese und weitere Anregungen möchte er bei einer kommenden Umweltausschuss-Sitzung vortragen — sofern die Zeit reicht.

Nicht noch würdigen

In Leserbriefen hatte vor Kurzem Detlev Paschen den ehrenamtlichen Kreisnaturschutzbeauftragten kritisiert, bemängelte fehlende öffentliche Stellungnahmen Schlemanns zu umweltrelevanten Themen und zog den Schluss: „Das ist keine vorbildliche Leistung im und für den Naturschutz. Und es stellt sich mir die Frage, für welchen Aufwand der Naturschutzbeauftragte eine Entschädigung bekommt?“
Dazu sagt Schlemann auf LZ-Nachfrage: „Ich habe in erster Linie eine beratende Funktion und mache keine Öffentlichkeitsarbeit für mich.“ Und zur Leserbrief-Kritik sagt er: „Ich will solche Einlassungen nicht weiter kommentieren, damit sie nicht eine Würdigung erfahren, die sie nicht verdienen.“