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Die Organisatoren und Gastredner beim Auftakt der Reihe im Foyer der Volkshochschule: (v.l.) VHS-Leiter Gerhard Cassens, Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Uni-Präsident Sascha Spoun und Sven Prien-Ribcke von der Leuphana. Foto: t&w

Lüneburg: Auftakt der Veranstaltungsreihe „Einwanderungsland Europa“

Lüneburg. „Es ist kein Wohlfühlthema.“ So leitete Gerhard Cassens, Chef der Volkshochschule, die offizielle Eröffnung der Veranstaltungsreihe „Einwanderungsland Europa – Wie begegnet Lüneburg dem Rechtspopulismus?“ ein. Sven Prien-Ribcke von der Leuphana Universität Lüneburg als Mitveranstalter ergänzte: „Wir brauchen Ideen, wie wir ein demokratisches Zusammenleben stärken und weiterentwickeln können.“ Erste Ansätze dazu lieferten Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Uni-Präsident Sascha Spoun.

Knapp 150 Teilnehmer kamen zu der lockeren Eröffnung ins World Café der VHS, Vertreter von 18 in der Flüchtlingsarbeit tätigen Initiativen und andere Besucher, darunter viele Migranten. Zum Auftakt gab‘s einen Paukenschlag und die Trommelklänge von Toca Sambana, der Samba-Percussiongruppe der Leuphana, die Bratpfannen und Plastiktonnen ebenso bearbeitete wie Büchsen. Ruhigere Flamenco-Klänge lieferte der syrische Gitarrist Paco Hollak aus Damaskus, der Eigenkompositionen wie „Solitario“ aus seinem Album spielte.

„Kaltenmoor ist seit 30 Jahren Integration pur.“
Ulrich Mädge, Oberbürgermeister

Mit Blick auf die Bundestagswahl in neun Monaten sagte Mädge: „Wir müssen uns mit den Rechtspopulisten auseinandersetzen.“ Als Beispiel nannte er den Stadtteil, in dem er selbst lebt: „Kaltenmoor ist seit 30 Jahren Integration pur.“ Doch hier wie etwa auch in der einstigen SPD-Hochburg Goseburg hätten viele die AfD gewählt: „Auch Menschen, die in den 90er-Jahren zugewandert sind.“ Er appellierte an die Anwesenden: „Wir müssen kleinteilig mit den Menschen reden – überall da, wo wir sind, am Stammtisch oder bei Geburtstagsfeiern, sie von einem gelingenden Zusammenleben überzeugen.“ So funktioniere Integration auf den Dörfern wunderbar: „In Städten aber sind die Flüchtlinge in der Masse drin, das bereitet Probleme.“

Laut Mädge stellt sich die Frage, wie stark unsere liberal-demokratische Grundordnung ist: „Wie schnell man vom Rechtspopulismus zur Diktatur kommt, sieht man in der Türkei.“ Es müsse deutlich gemacht werden, „dass wir einen Rechtsstaat und Werte haben“, da sei vor allem auch die Justiz gefordert. Mehr Geld müsse der Staat in die Sprachförderung für Flüchtlinge, unter anderem für den Einsatz der Lehrkräfte, stecken: „Ganz wichtig ist, dass die jungen Menschen schnell einen Arbeitsplatz finden – die beste Möglichkeit zur Integration. Bei den Russland-Deutschen hat‘s geklappt.“

Leuphana-Präsident Spoun sieht das Wirken gegen den Rechtspopulismus als einen bildungspolitischen Auftrag für die Universitäten. Er ging auf den neuen amerikanischen Präsidenten ein: „Trump will uns glauben machen, nur er vertrete den Willen des Volkes. Solcher Glaube ist schlicht undemokratisch, denn nur eine Stimme gibt es nicht.“ Der Populismus sei das Gegenteil des Strebens nach einer offenen Gesellschaft. Und Grundlage einer solchen Gesellschaft sei „das dialogische Ringen um die Wahrheit“. In der Bildung gehe es um Meinungsvielfalt, Würde und Freiheit, um die Menschen zu schützen: „Das ist der Bildungsauftrag einer gesamten Gesellschaft.“

Das komplette Programm der Reihe „Einwanderungsland Europa“ gibt es hier.

Von Rainer Schubert